Kurzantwort: Erdbeeren pflanzen Sie im Spätsommer – spätestens 6 Wochen vor dem Tag, bis zu dem der Boden an Ihrem Ort in 9 von 10 Jahren noch frostfrei blieb. Bundesweit ist das im Median der 12. August; an der Küste und in München-Stadt reicht die Zeit bis Anfang September, in Frankfurt und Düsseldorf bis Ende August, in Köln und Freiburg nur bis etwa Mitte August, in Hamburg, Hannover und Berlin nur bis Anfang August, in Kaltluftlagen bis Mitte Juli. Für volle Ernte gilt zusätzlich bis Mitte August, weil einmaltragende Sorten ab Mitte September ihre Blüten anlegen. Frankfurt/Main: Frostgrenze 28. August. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025.
Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026
Die Erdbeeren kamen Ende September ins Beet, gut angewachsen, im Winter unter Laub – und im Juni hängen an jeder Pflanze drei Früchte. Beim Nachbarn, der Anfang August gepflanzt hat, sind es zwanzig. Kein Sortenproblem, kein Düngefehler: Die Pflanzen haben schlicht die Wochen verpasst, in denen sie ihre Blüten für das nächste Jahr anlegen – und das passiert nach Angaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und der Bayerischen Gartenakademie ab Mitte September, gesteuert von der Tageslänge.
Die Frage, wann Sie Erdbeeren pflanzen sollten, hat deshalb zwei Antworten, die selten zusammen genannt werden: eine physikalische Grenze – der Boden muss bis zum ersten Bodenfrost sechs Wochen Zeit zum Anwachsen lassen – und eine biologische – die Blütenanlage im September. Diese Seite rechnet beide für Ihren Ort durch, wie alle Kultur-Seiten unseres Hubs Pflanztermine je Kultur, und zeigt, wo die Kalenderregel „bis Mitte August“ 13 Tage verschenkt und wo sie vier Wochen zu spät kommt.
Die Kurzantwort lässt zwei Dinge offen: was Sie tun, wenn der Sommertermin schon vorbei ist – die Frühjahrsvariante mit Frigo-Pflanzen hat in Frankfurt/Main einen konkreten Erntetermin –, und wie groß das Risiko ist, dass ein Spätfrost im Mai die Blüten schwarz färbt. Für die zweite Frage haben wir 36 Frühjahre an zwölf Stationen ausgezählt; zwischen Hamburg und München liegt dabei ein Unterschied von 47 zu 0 Prozent.
Erdbeeren-Steckbrief: Blütenanlage, Anwachszeit, Frostgrenzen
Erdbeeren sind winterharte Stauden mit einer empfindlichen Stelle: der Blüte. Das unterscheidet sie vom anderen Beerenobst mit Herbstpflanzung: Himbeeren wachsen auch nach den ersten Frostnächten weiter an, für sie gilt die Sechs-Wochen-Regel dieser Seite deshalb nicht. Die Pflanze selbst übersteht im Beet etwa −10 °C, die offene Blüte stirbt schon bei −1 °C – und die Blüten des nächsten Jahres entstehen bereits im Herbst nach der Pflanzung. Daraus folgen alle Termine dieser Seite.
| Merkmal | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Blütenschaden | offene Blüte ab −1 °C (schwarzes Blütenzentrum); „Popcorn“-Stadium −3 °C, geschlossene Knospe −6 °C, junge grüne Frucht −2 °C | Penn State Extension; LWG Bayern (Blütenmitte färbt sich über braun zu schwarz) |
| Winterhärte der Pflanze | im Beet etwa −10 °C; Kronenschäden ohne Schnee oder Mulch unter etwa −12 °C, Ertragsverluste schon ab etwa −9 °C | Plantura; Cornell Cooperative Extension |
| Wachstumsstillstand | unter 0 °C keine Blattbildung; über 30 °C ebenfalls Stillstand | Yara (Agronomie) |
| Wachstum | 15–25 °C; im Tunnelanbau tagsüber 20–25 °C, nachts um 10 °C | Yara (Agronomie); Hoffelner |
| Blütenanlage | Kurztag unter 14 Stunden oder Temperaturen unter 15 °C (einmaltragende Sorten; tagneutrale Sorten bilden Blütenknospen etwa drei Monate nach der Pflanzung) – im Hausgarten ab Mitte September bis Oktober | Yara (Agronomie); LWG Bayern; Hortipendium |
| Anwachszeit vor dem ersten Bodenfrost | 6 Wochen (42 Tage) – unsere Konvention, siehe Rechner | Frostkompass |
| Pflanzen bis (Sommerpflanzung) | 10-%-Termin des ersten Herbst-Bodenfrosts − 42 Tage, spätestens Mitte August für volle Ernte | Frostkompass; LWG Bayern; Hortipendium; LWK NRW (bis 1. August) |
| Frühjahrspflanzung | Frigo- und Topfpflanzen ab dem Luftfrost-Median-Termin Ihrer Station; Frigo-Pflanzung Anfang Mai bis Anfang Juli möglich | Frostkompass; Plantura; LVWO Weinsberg |
| Frigo: Blüte / Ernte | etwa 4 Wochen nach der Pflanzung Blüte, 8 Wochen Ernte; Lagerung der Pflanzen bei −1,5 bis −2 °C | Plantura; LVWO Weinsberg |
| Pflanztiefe, Abstand | Herzknospe nur zu einem Drittel bedeckt; 25–30 cm in der Reihe, 40 cm Reihenabstand; 0,5–1 l angießen | Hortipendium; LWG Bayern |
| Standdauer | zwei Erntejahre, dann neu pflanzen; Fruchtwechsel 4–5 Jahre | LWG Bayern |
Kulturangaben nach Fachquellen (Stand August 2026); Termin-Regel: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.
Faustregel: Erdbeeren pflanzen = bis 6 Wochen vor dem Bodenfrost-10-%-Termin Ihrer Station, und bei einmaltragenden Sorten nie nach Mitte August, wenn Sie im ersten Sommer voll ernten wollen. Der frühere der beiden Termine gilt. Verpasst? Dann im Frühjahr ab dem Luftfrost-Median-Termin Frigo-Pflanzen setzen – Ernte acht Wochen später.
Ihr Pflanz-Termin für Erdbeeren
Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Ort ein. Der Rechner sucht die nächste DWD-Klimastation, nimmt den Tag, bis zu dem der Boden dort in 9 von 10 Herbsten noch nicht gefroren hat, und zieht 42 Tage Anwachszeit ab – das ist Ihr „Pflanzen bis“. Darunter zeigt er die Herbst-Termine der Station für Boden- und Luftfrost. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage: Für die Pflanzwoche zählt das Wetter, für die Anwachswochen das Gießen.
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025 und Frühjahre 1991–2026, keine Wettervorhersage. Wie der Rechner Stationen zuordnet und Perzentile bildet, steht auf der Frostrechner-Seite (Stationswahl, Perzentile). Der Rechner nimmt dabei die Station, die Ihrer Postleitzahl am nächsten liegt – in großen Städten kann das eine andere sein als die in den Tabellen genannte: Zwischen Stadt- und Umlandstation liegen dort im Herbst bis zu drei Wochen.
Erdbeeren pflanzen in Nürnberg, Rostock und Freiburg: zwölf Termine gegen die Kalenderregel
Wie weit „bis Mitte August“ von der Wirklichkeit entfernt liegt, zeigen zwölf Stationen. Die Spalte „Pflanzen bis“ ist der Bodenfrost-10-%-Termin minus 42 Tage; „± zum 15.08.“ nennt, wie viele Tage die örtliche Frostgrenze vor oder nach dem Kalendertermin liegt:
| Station | Herbst: Boden in 90 % der Jahre noch frostfrei bis | Erdbeeren pflanzen bis | ± zum 15.08. | Erster Bodenfrost (Median) |
|---|---|---|---|---|
| München-Stadt | 16.10. | 04.09. | +20 Tage | 30.10. |
| Rostock-Warnemünde | 15.10. | 03.09. | +19 Tage | 08.11. |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 09.10. | 28.08. | +13 Tage | 22.10. |
| Düsseldorf | 05.10. | 24.08. | +9 Tage | 16.10. |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 30.09. | 19.08. | +4 Tage | 14.10. |
| Stuttgart (Schnarrenberg) | 30.09. | 19.08. | +4 Tage | 18.10. |
| Köln/Bonn | 27.09. | 16.08. | +1 Tag | 14.10. |
| Freiburg | 27.09. | 16.08. | +1 Tag | 18.10. |
| Hannover | 19.09. | 08.08. | −7 Tage | 07.10. |
| Berlin-Tempelhof | 19.09. | 08.08. | −7 Tage | 06.10. |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 17.09. | 06.08. | −9 Tage | 07.10. |
| Nürnberg-Netzstall | 25.08. | 14.07. | −32 Tage | 17.09. |
| Deutschland, Median aller 392 Stationen | 23.09. | 12.08. | −3 Tage | 11.10. |
Eigene Berechnung aus den Stationsterminen; Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, je 32–35 Herbste 1991–2025. Termine gelten für den Standort der Station; Nürnberg-Netzstall und Berlin-Tempelhof sind Freiflächen mit ausgeprägten Strahlungsnächten – ein Stadtgarten ist dort später dran.
Zwei Befunde stechen heraus. Erstens: Im Bundesmittel stimmt die Kalenderregel – der 12. August liegt drei Tage vor dem 15. Und zweitens: An acht der zwölf Stationen ließe die Frostgrenze mehr Zeit, an vier weniger. Wer in Hamburg, Hannover oder Berlin erst am 15. August pflanzt, hat bis zum Bodenfrost-Termin nur fünf statt sechs Wochen; in der fränkischen Kaltluftlage von Nürnberg-Netzstall friert der Boden in jedem zehnten Jahr schon Ende August – dort ist Mitte Juli die Grenze.
Die Frostgrenze ist allerdings nur die halbe Antwort, wie der nächste Abschnitt zeigt: In München und Rostock dürfen Sie nicht bis September warten, obwohl der Boden es erlauben würde.
Warum Mitte August trotzdem gilt: die Blütenanlage im September
Der Frost-Termin ist die physikalische Obergrenze, die Blütenanlage der Grund, deutlich früher zu pflanzen. Einmaltragende Erdbeeren sind Kurztagpflanzen: Sobald die Tage im Spätsommer kürzer werden – nach Yara-Agronomieangaben unter 14 Stunden Tageslänge oder bei Temperaturen unter 15 °C –, legt die Pflanze die Blütenknospen für das nächste Jahr an. Die Bayerische Gartenakademie datiert das im Hausgarten auf die Zeit „nach Mitte September“, Hortipendium auf „bis Oktober“. Wer dann noch nicht angewachsen ist, verpasst die Anlage.
Für tagneutrale, immertragende Sorten und Monatserdbeeren gilt das nicht: Laut Yara bilden sie Blütenknospen etwa drei Monate nach der Pflanzung, unabhängig von der Tageslänge. Die Grenze „Mitte August“ ist für sie nicht aus der Blütenanlage begründet; die Frostgrenze mit sechs Wochen Anwachszeit gilt aber auch für sie.
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen formuliert die Folge deutlich: Zu spät gepflanzte Erdbeeren „verzweigen sich kaum und entwickeln nur wenige Blütenstände“, und der Ertrag im Folgejahr fällt ab, „umso mehr, je später gepflanzt wird“. Die Kammer empfiehlt, Neupflanzungen schon zum 1. August abzuschließen – die frühere Faustregel lautete 10. August. LWG Bayern und Hortipendium nennen Ende Juli bis Mitte August.
Zusammen ergibt das eine Regel mit zwei Grenzen, von denen immer die frühere zählt:
| Station | Frostgrenze (Pflanzen bis) | Blütenanlage-Grenze | Was tatsächlich gilt |
|---|---|---|---|
| München-Stadt | 04.09. | ca. 15.08. | Mitte August – die drei Frostwochen nützen nur Topfware, die schon angewachsen ist |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 28.08. | ca. 15.08. | Mitte August; bis 28.08. wächst noch an, trägt aber weniger |
| Köln/Bonn, Freiburg | 16.08. | ca. 15.08. | beide Grenzen fallen zusammen: Mitte August |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 06.08. | ca. 15.08. | Anfang August – hier ist der Frost die engere Grenze |
| Nürnberg-Netzstall | 14.07. | ca. 15.08. | Mitte Juli; danach nur mit Vlies über der Anwachsphase |
Eigene Gegenüberstellung; Frostgrenze: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung; Blütenanlage-Grenze nach LWG Bayern und Hortipendium (Mitte August), LWK NRW nennt den 1. August.
Das ist die Pointe dieser Seite: Die Kalenderregel „bis Mitte August“ stimmt im Bundesmittel und an Rhein und Oberrhein fast auf den Tag. Nördlich der Mittelgebirge und in Kaltluftlagen ist sie zu spät, weil der Boden dort früher friert als die Blütenanlage endet. Und an den mildesten Orten – Küste, München-Stadt – ist sie die einzige Grenze, die zählt: Der Frost würde bis September warten, die Pflanze nicht.
Achtung: Der 10-%-Termin lässt jedes zehnte Jahr übrig. Sechs Wochen Anwachszeit sind eine Konvention, kein Messwert: Nackt gewurzelte Grünpflanzen brauchen sie nach den Kulturangaben der LVWO Weinsberg vollständig, Topfpflanzen mit durchwurzeltem Ballen kommen mit weniger aus – die LVWO nennt Topfgrünpflanzen ausdrücklich als das Pflanzgut, das sich später setzen lässt.
Warum der Boden Wochen vor der Luft friert und was ein Bodenfrost in 5 cm Höhe für flach stehende Pflanzen bedeutet, erklärt der Artikel Bodenfrost; wann der erste Frost an Ihrem Ort typischerweise fällt, die Herbstseite Erster Frost: Wann er an Ihrem Ort kommt.
Erdbeeren im Frühjahr pflanzen: Frigo-Pflanzen ab dem Luftfrost-Median-Termin
Wer den Sommertermin verpasst hat, pflanzt im Frühjahr – und bekommt je nach Pflanzgut ganz verschiedene Erntejahre. Erdbeerpflanzen sind frosthart; sie dürfen deshalb ab dem Tag ins Beet, an dem der letzte Luftfrost an Ihrer Station im typischen Jahr vorbei ist – dem Luftfrost-Median-Termin, bundesweit der 22. April, in Frankfurt/Main der 14. April.
Einen 90-%-Termin wie bei Tomaten brauchen sie nicht: Eine Frostnacht schadet dem Laub nicht, nur einer offenen Blüte. Dasselbe Fenster nutzt der frostharte Salat – wann Salat pflanzen rechnet mit demselben Luftfrost-Median-Termin, Wochen vor den Tomaten.
Drei Wege für die Station Frankfurt/Main (Luftfrost-Median 14. April):
| Weg (Beispiel Frankfurt/Main) | Pflanzen | Blüte | Erste Ernte | Ertrag im ersten Sommer |
|---|---|---|---|---|
| Sommerpflanzung, Grün- oder Topfpflanze | bis 15.08. (Frostgrenze 28.08.) | Mai des Folgejahres | Juni des Folgejahres | voll – nach Hortipendium „die größten und geschmackvollsten Früchte“ |
| Frühjahr, Topfpflanze | ab 14.04. | Mai, wenige Blüten | Juni, wenige Früchte | gering – die Blüten wurden im Vorherbst im Topf angelegt; volle Ernte erst im zweiten Jahr |
| Frühjahr, Frigo-Pflanze | ab 14.04. bis Anfang Juli | etwa 12.05. (+4 Wochen) | etwa 09.06. (+8 Wochen) | Ernte im Pflanzjahr mit A+-Pflanzen (laut LVWO auch für späte Pflanzung im Juni geeignet; A-Ware ist für Mitte April bis Mitte Mai gedacht): Pflanzung 1. Juni → Ernte Ende Juli |
Rechenweg Frigo: Blüte = Pflanztermin + 28 Tage, Ernte = + 56 Tage (Plantura: „ungefähr vier Wochen bis zur Blüte und acht Wochen bis zur ersten Ernte“; LVWO Weinsberg: A+-Pflanzen im Mai gesetzt tragen ab Mitte Juli). Erntetermine sind Größenordnungen, keine Zusagen – Sorte, Pflanzenqualität und Wetter verschieben sie um Wochen. Termine: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.
Frigo-Pflanzen sind Jungpflanzen, die in der Winterruhe gerodet und nach Angaben der LVWO Weinsberg bei −1,5 bis −2 °C gelagert werden; Plantura nennt −1 °C. Die Pflanze hat ihre Blüten bereits im Vorherbst angelegt und startet nach dem Auftauen wie im Frühling – deshalb blüht sie nach vier Wochen unabhängig vom Kalender.
Die LVWO unterscheidet Qualitätsstufen: A+-Pflanzen sind für eine späte Pflanzung (Juni) geeignet, normale A-Pflanzen für den Pflanztermin Mitte April bis Mitte Mai, schwächere B-Pflanzen nur für sehr frühe Termine (Anfang April) – sie bringen im Pflanzjahr noch keine Ernte.
Tipp: Frigo-Pflanzen nicht vor dem Luftfrost-Median-Termin setzen – nicht wegen der Pflanze, sondern wegen der Blüte vier Wochen später. Wer in Frankfurt am 14. April pflanzt, hat um den 12. Mai offene Blüten; das Luftfrost-Risiko nach dem 10. Mai lag dort in 36 Jahren bei 0 %. In Hamburg (Pflanzung ab 23. April, Blüte um den 21. Mai) lag das Luftfrost-Risiko nach dem 10. Mai bei 3 %, der Bodenfrost aber bei 61 % – die Blüte steht näher am Boden, das Vlies gehört dort dazu (Blütenfrost-Tabelle unten); wer dort Anfang April setzt, blüht Anfang Mai mitten im Risiko.
Im Frühjahr gepflanzte Topfware ist die schwächste der drei Varianten und trotzdem sinnvoll: Sie füllt ein leeres Beet, wächst den Sommer über zu kräftigen Pflanzen heran und trägt im zweiten Jahr voll. Rechnen Sie im ersten Juni mit wenigen Früchten – Schacht spricht von einer „minimalen Ernte“. Wer im ersten Jahr Ernte will, nimmt Frigo.
Blütenfrost-Risiko in Berlin, Hamburg und München: wo Vlies zur Erdbeerblüte Pflicht ist
Die Erdbeerblüte ist das schwächste Glied der Kultur: Die offene Blüte stirbt nach Penn State Extension bei −1 °C, das Blütenzentrum färbt sich schwarz, und eine Blüte mit schwarzem Herz wird keine Frucht. Die Bayerische Gartenakademie beschreibt denselben Schaden: Die gelbe Blütenmitte färbt sich „über braun zu schwarz“. Gartenerdbeeren blühen im Hausgarten etwa von Ende April bis Ende Mai – der LWG-Fahrplan setzt die Blüte in den Mai; eine DWD-Phänologiereihe für Erdbeeren gibt es unseres Wissens nicht, die Blühzeit ist deshalb eine Annahme nach Fachquelle, keine Messreihe.
Wie oft es in diese Blüte hineinfriert, haben wir für zwölf Stationen Jahr für Jahr ausgezählt: der Anteil der 36 Frühjahre 1991–2026, in denen es nach einem Stichtag noch mindestens einmal gefroren hat – in 2 m Höhe (Luftfrost, das ist der Wert der Wetter-App) und 5 cm über dem Boden (Bodenfrost). Erdbeerblüten stehen 10 bis 20 cm hoch, also dazwischen:
| Station | Luftfrost nach 25.04. | Luftfrost nach 01.05. | Luftfrost nach 10.05. | Bodenfrost nach 01.05. | Bodenfrost nach 10.05. |
|---|---|---|---|---|---|
| Nürnberg-Netzstall | 69 % | 60 % | 34 % | 80 % | 77 % |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 47 % | 28 % | 3 % | 92 % | 61 % |
| Köln/Bonn | 42 % | 36 % | 11 % | 67 % | 33 % |
| Hannover | 33 % | 22 % | 8 % | 83 % | 50 % |
| Düsseldorf | 25 % | 19 % | 6 % | 69 % | 44 % |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 25 % | 14 % | 0 % | 42 % | 19 % |
| Freiburg | 14 % | 6 % | 3 % | 42 % | 25 % |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 8 % | 3 % | 3 % | 67 % | 42 % |
| Berlin-Tempelhof | 3 % | 0 % | 0 % | 94 % | 78 % |
| Rostock-Warnemünde | 0 % | 0 % | 0 % | 19 % | 11 % |
| Stuttgart (Schnarrenberg) | 0 % | 0 % | 0 % | 39 % | 17 % |
| München-Stadt | 0 % | 0 % | 0 % | 6 % | 3 % |
Eigene Auszählung aus den Tageswerten; Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026, Fenster bis 30. Juni; Luftfrost = Tagesminimum in 2 m unter 0 °C, Bodenfrost = Minimum 5 cm über dem Erdboden unter 0 °C. Ein Prozentwert von 25 % heißt: In 9 von 36 Jahren gab es nach dem Stichtag noch mindestens eine Frostnacht.
Drei Gruppen lassen sich ablesen. Vlies ist Pflicht – griffbereit ab der ersten offenen Blüte, aufgelegt in jeder klaren Nacht mit Vorhersage unter +3 °C – in Nürnberg-Netzstall, Hamburg, Köln/Bonn, Hannover und Düsseldorf: Dort friert es in 2 m Höhe nach dem 1. Mai noch in jedem fünften bis dritten Jahr, nach dem 10. Mai in Nürnberg noch in jedem dritten.
Vlies ist Vorsorge in Frankfurt, Freiburg und Leipzig: Nach dem 1. Mai sind Luftfröste selten, aber der Boden friert dort noch in 19 bis 42 % der Jahre nach dem 10. Mai (Frankfurt 19 %, Freiburg 25 %, Leipzig 42 %) – und die Blüte steht näher am Boden als am Thermometer der App. Vlies ist verzichtbar nach den Luftwerten in Rostock, Stuttgart und München-Stadt – wobei ein Beet in einer Senke dort trotzdem anders rechnet.
Berlin-Tempelhof ist der Lehrfall der Tabelle: 0 % Luftfrost nach dem 1. Mai, aber 94 % Bodenfrost. Die Freiflächenstation strahlt in klaren Nächten so stark aus, dass es am Boden friert, während die Messhütte in 2 m Höhe +3 °C meldet. Eine Erdbeerblüte in 15 cm Höhe liegt in solchen Nächten näher am Boden- als am Luftwert.
Was ein Vlies in einer solchen Nacht leistet – Penn State nennt für ein leichtes Vlies rund 2 °C bei Windstille, Yara empfiehlt mindestens 30 g/m² oder zwei Lagen – und wo es versagt, steht im Artikel Vlies gegen Frost: was es bringt und wann es versagt.
Faustregel: Blühende Erdbeeren in klaren, windstillen Nächten mit angesagten Tiefstwerten unter +3 °C abends mit Vlies abdecken, morgens abnehmen – Bienen und Hummeln müssen an die Blüten. Stroh erst nach der Blüte unterlegen: Es isoliert den Boden nach oben ab und macht die Frostnacht über der Blüte kälter.
Warum dieselben Mai-Nächte auch die Regel „nach den Eisheiligen“ für frostempfindliche Kulturen tragen – und warum das Eisheiligen-Fenster selbst statistisch nicht das kälteste ist –, rechnet die Seite Eisheilige: der Mythos in Zahlen vor. Wie sich die Blühzeit im Frühling messen lässt und was die Phänologie über Ihren Ort verrät, steht unter Phänologie: der Kalender, den die Pflanzen führen.
Beet, Hochbeet, Balkonkasten, Ampel: wo der Termin vom Stationswert abweicht
Der Bodenfrost-Termin ist die Regel für das Beet in der Ebene. Hochbeet und Gefäße verändern beide Enden der Rechnung: Sie erwärmen sich schneller, frieren im Winter aber von allen Seiten durch – und ein Balkonkasten steht in einer Höhe, die weder die 5-cm- noch die 2-m-Messung abbildet.
| Standort | Pflanzen bis (Sommer) | Frühjahr / Blüte | Winter |
|---|---|---|---|
| Beet, ebene Lage | Bodenfrost-10 % − 42 Tage, spätestens Mitte August | Frigo ab Luftfrost-Median; Vlies zur Blüte nach Tabelle oben | bis etwa −10 °C ohne Schutz; bei Kahlfrost Laub oder Reisig (LWG-Fahrplan: „Winterschutz bei Kahlfrost“, Dezember bis Februar) |
| Hochbeet | wie Beet; Topfware wächst im warmen Substrat schneller an | Blüte einige Tage früher – Vlies entsprechend früher bereitlegen | Substrat friert von den Seiten durch: Wände dämmen oder Pflanzen mit Laub und Vlies abdecken |
| Balkonkasten, Kübel | wie Beet – die Blütenanlage hängt am Tageslicht, nicht am Gefäß | Kasten an der Südwand blüht früh und steht luftig – Vlies oder Hereinholen in Frostnächten | Wurzelballen ohne Erdreich ringsum: Kasten an die Hauswand, in Vlies oder Jute einpacken, nie austrocknen lassen |
| Ampel | wie Beet | Ampel hängt im Luftstrom – kälter als der Kasten an der Wand | Ampel abhängen und frostfrei, hell und kühl überwintern; nach Lubera sind Erdbeeren auch im Topf winterhart, brauchen aber Schutz für die flachen Wurzeln |
| Senke, Waldrand, freie Fläche | Stationstermin − 5 bis 10 Tage (früher pflanzen) | Vlies zur Blüte Pflicht, auch wo die Station es nicht nahelegt | wie Beet, ein Winterschutz ist hier eher nötig |
Konventionswerte für Lagen ohne eigene Messreihe; Winterangaben nach Plantura, Lubera und LWG Bayern (Fahrplan Erdbeeranbau).
Der Standort wirkt bei Erdbeeren zweimal: Dieselbe Senke, die im September den ersten Bodenfrost nach vorn holt, verlängert im Mai das Blütenfrost-Risiko. Wie Sie Ihre Lage einordnen und wie viele Tage Zuschlag oder Abschlag sie verdient, erklärt der Artikel Mikroklima im Garten: Senke, Hang, Hauswand. Dieselbe Logik – Knolle oder Wurzel im Boden geschützt, Trieb oder Blüte darüber gefährdet – gilt für Dahlien im Frühjahr und für Kartoffeln, deren Laub der Bodenfrost genauso trifft wie eine Erdbeerblüte.
Zu spät gepflanzt: was im September und Oktober noch geht
Ende August ist der Sommertermin an den meisten Orten vorbei – aber nicht jede späte Pflanzung ist verloren. Entscheidend ist, wie viele Wochen bis zum Bodenfrost-10-%-Termin Ihrer Station bleiben und welches Pflanzgut Sie haben:
- Topfpflanzen bis etwa 3 Wochen nach dem Termin: Ein durchwurzelter Topfballen braucht weniger Anwachszeit als eine nackt gewurzelte Grünpflanze. In Frankfurt (Frostgrenze 28. August) wächst Topfware Mitte September meist noch an – die Blütenanlage ist dann aber schon im Gang, und die LWK-Regel „je später, desto weniger Ertrag“ gilt voll. Rechnen Sie mit einer kleinen ersten Ernte.
- Ab Oktober lieber warten: Nach dem Bodenfrost-Termin wächst kaum noch etwas an, und eine Pflanze, die den Winter mit lockerem Ballen erlebt, wird bei Frost hochgehoben. Die bessere Wahl ist dann die Frühjahrspflanzung – mit Frigo-Pflanzen sogar mit Ernte im ersten Sommer.
- Zu spät und trotzdem gepflanzt: Nach dem Pflanzen mit 0,5–1 l je Pflanze angießen (Hortipendium), in trockenen Septemberwochen weiter gießen, ab dem ersten Bodenfrost Laub oder Stroh zwischen die Pflanzen – und im März hochgefrorene Pflanzen andrücken, wie es der LWG-Fahrplan vorsieht.
Tipp: Legen Sie sich zwei Kalendereinträge: den Bodenfrost-10-%-Termin Ihrer Station minus 6 Wochen (spätester Pflanztag) und den 15. August (Grenze für volle Ernte). Der frühere Eintrag ist Ihr Termin. Und einen dritten im Frühjahr: den Luftfrost-Median-Termin – ab dann Frigo-Pflanzen, vier Wochen später das Vlies bereitlegen.
Für die konkrete Nacht gilt: Prognose ist Sache des Deutschen Wetterdienstes und der Wetter-Apps – unsere Termine sagen, wie oft es in 35 Herbsten und 36 Frühjahren zu einem Datum gefroren hat, nicht, ob es dieses Jahr passiert.
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt, Erdbeeren zu pflanzen?
Ende Juli bis Mitte August, spätestens sechs Wochen vor dem Tag, bis zu dem der Boden an Ihrer Station in 9 von 10 Herbsten noch frostfrei blieb – bundesweit im Median der 12. August. Dann wurzeln die Pflanzen ein und legen ab Mitte September ihre Blüten für das nächste Jahr an. Den Termin für Ihre Postleitzahl zeigt der Rechner oben.
Kann man Erdbeeren im September noch pflanzen?
Ja, Topfpflanzen bis etwa drei Wochen nach der Frostgrenze Ihrer Station – in Frankfurt/Main also bis Mitte September. Sie tragen im ersten Sommer aber deutlich weniger, weil die Blütenanlage ohne sie beginnt. Wo der Boden früh friert – Hamburg, Hannover, Berlin ab Mitte September, Nürnberg-Netzstall Ende August –, fehlt zudem die Anwachszeit; dann lieber Frigo-Pflanzen im Frühjahr.
Kann man Erdbeeren im Frühjahr pflanzen?
Ja, ab dem Luftfrost-Median-Termin Ihrer Station – bundesweit der 22. April, in Frankfurt der 14. April, in München-Stadt der 6. April. Topfpflanzen bringen im ersten Sommer nur wenige Früchte und tragen im zweiten Jahr voll; Frigo-Pflanzen blühen vier und tragen acht Wochen nach der Pflanzung und liefern damit noch im Pflanzjahr eine Ernte.
Wann Frigo-Erdbeeren pflanzen?
Ab dem Luftfrost-Median-Termin bis Anfang Juli, Ernte jeweils etwa acht Wochen nach der Pflanzung. In Frankfurt/Main heißt das: Pflanzung 14. April, Blüte um den 12. Mai, Ernte ab etwa 9. Juni; Pflanzung 1. Juni, Ernte Ende Juli. Frigo-Pflanzen werden nach LVWO Weinsberg bei −1,5 bis −2 °C gelagert; A+-Pflanzen sind laut LVWO auch für späte Pflanzung geeignet, B-Pflanzen bringen im Pflanzjahr keine Ernte.
Vertragen Erdbeeren Frost?
Die Pflanze ja – im Beet bis etwa −10 °C –, die offene Blüte nicht: Sie stirbt schon bei −1 °C, das Blütenzentrum wird schwarz. Ohne Schnee oder Mulch drohen unter etwa −12 °C Schäden an der Krone. Deshalb zählt im Herbst der Bodenfrost-Termin für das Anwachsen und im Mai das Vlies für die Blüte.
Erdbeerblüte und Frost: wann muss Vlies drauf?
In jeder klaren, windstillen Nacht mit angesagten Tiefstwerten unter +3 °C, solange offene Blüten da sind – abends auflegen, morgens abnehmen. Wie oft das nötig wird, entscheidet der Ort: Nach dem 1. Mai fror es in Hamburg und Köln in jedem dritten bis vierten Jahr, in Nürnberg-Netzstall in drei von fünf, in München-Stadt nie. Vlies: mindestens 30 g/m².
Fazit: Zwei Grenzen, die frühere gilt
Erdbeeren sind die Kultur, bei der der Kalender ausnahmsweise fast recht hat – im Bundesmittel. Die Frostgrenze Ihres Orts – Bodenfrost-10-%-Termin minus sechs Wochen – liegt an Rhein, Oberrhein und in Sachsen nahe dem 15. August, an der Küste und in München-Stadt drei Wochen später, in Hamburg, Hannover und Berlin eine Woche früher und in Kaltluftlagen einen Monat. Die Blütenanlage setzt überall Mitte August die zweite Grenze.
Pflanzen Sie zum früheren der beiden Termine, gießen Sie die sechs Anwachswochen durch, und legen Sie im Mai das Vlies bereit, wo die Tabelle es verlangt.
Ob der Boden in Ihrem Garten wirklich erst am Stationstermin friert oder – in einer Senke, am Waldrand – eine Woche früher, entscheidet über die letzte Pflanzwoche: Wie groß solche Unterschiede auf wenigen hundert Metern werden, zeigt der Artikel Mikroklima im Garten: Senke, Hang, Hauswand.
Quellen
- Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center, Tageswerte der Lufttemperatur in 2 m und 5 cm Höhe, Herbste 1991–2025 und Frühjahre 1991–2026 (392 bis 406 Stationen); eigene Auswertung. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage.
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: „Erdbeeren rechtzeitig pflanzen“
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) / Bayerische Gartenakademie: Gartenblog „Erdbeeren jetzt pflanzen“ (August 2025)
- Bayerische Gartenakademie: Infoschrift „Erdbeeren“
- Bayerische Gartenakademie: Infoschrift „Fahrplan für den Erdbeeranbau im Hausgarten“
- Bayerische Gartenakademie: Gartencast „Wenn der Frost kommt“ (Mai 2017)
- Hortipendium: „Garten-Erdbeere“
- Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO): „Erdbeeren – die Wahl des richtigen Pflanzmaterials“
- Penn State Extension: „Frost and Freeze Damage on Berry Crops“ (US-Angaben)
- Cornell Cooperative Extension: „Overwintering Strawberries“ (US-Angaben)
- Yara: Beeren-News „Beregnung oder Vlies?“ und Agronomie-Grundlagen Erdbeere
- Plantura: „Erdbeeren pflanzen“
- Schacht
- Lubera
- Hoffelner
Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.