Kurzantwort: Bodenfrost ist Frost in der Luftschicht direkt über dem Erdboden – der Deutsche Wetterdienst misst ihn 5 cm über Grund. Er tritt in klaren, windstillen Nächten schon auf, wenn die Wetterstation in 2 m Höhe noch +3 bis +5 °C zeigt. Für Jungpflanzen zählt deshalb nicht der letzte Luftfrost, sondern der letzte Bodenfrost: Bundesweit ist er im Median erst am 24. Mai zu 90 % vorbei, der Luftfrost schon am 8. Mai – je Station gerechnet liegen im Median 17 Tage dazwischen. Datenbasis: 406 DWD-Stationen, Frühjahre 1991–2026, eigene Auswertung.
Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026
Die Wetter-App hat für die Nacht +3 °C versprochen, morgens hängen die Tomaten schwarz und glasig am Stab. Kein Fehler der App: Sie zeigt die Temperatur in 2 m Höhe, Ihre Jungpflanzen leben aber in 5 bis 30 cm – und dort war es unter null. Das ist Bodenfrost, und er ist der Grund, warum „nach den Eisheiligen pflanzen“ an den meisten Orten Deutschlands zu früh ist.
Dieser Artikel erklärt, was Bodenfrost genau ist und warum er entsteht – und liefert dann, was uns bisher nirgends öffentlich begegnet ist: eine Bodenfrost-Klimatologie für ganz Deutschland. Aus den täglichen Minimumtemperaturen von 406 Stationen des Deutschen Wetterdienstes über 36 Frühjahre haben wir für jeden Ort berechnet, wann der letzte Bodenfrost statistisch vorbei ist – und wie weit er dem Luftfrost hinterherhinkt.
An 361 von 406 Stationen endet das Bodenfrost-Risiko erst nach den Eisheiligen, an 93 erst im Juni. Was das für die Eisheiligen-Regel bedeutet und wo Ihr Ort steht, lesen Sie hier – oder direkt im Frostrechner weiter unten.
Die Kurzantwort verschweigt zwei Dinge. Erstens: Der Abstand von 17 Tagen ist ein Median – in Berlin-Tempelhof sind es 46 Tage, auf dem Hohenpeißenberg einer. Zweitens: Ein 90-%-Termin heißt, dass es in jedem zehnten Jahr danach trotzdem noch friert. Beides – die regionale Spanne und der Umgang mit dem Restrisiko – folgt in den Abschnitten „Karte“ und „Praxis“.
Was ist Bodenfrost? Definition und Unterschied zum Luftfrost
Bodenfrost bedeutet: Die Lufttemperatur unmittelbar über dem Erdboden sinkt unter 0 °C, während die Standardmessung in 2 m Höhe noch im Plus liegen kann. Der Deutsche Wetterdienst misst dafür das Minimum der Lufttemperatur 5 cm über dem Erdboden (Messgröße TGK); Luftfrost ist ein Minimum unter 0 °C in 2 m Höhe (TNK) – das ist auch der Wert, den Wetter-Apps und der Wetterbericht als „Tiefsttemperatur“ nennen. Laut DWD-Glossar kann Bodenfrost „bereits bei einer gemessenen Lufttemperatur von 3 bis 5 °C auftreten“.
Wichtig für das Verständnis: Der meteorologische Bodenfrost ist nicht der gefrorene Erdboden. Wenn der Wetterbericht „örtlich Bodenfrost“ meldet, ist die bodennahe Luft gemeint – die Erde selbst kann dabei völlig ungefroren sein. Bodenfrost im Sinne von Landwirtschaft und Bauwesen (Frost in den obersten Bodenschichten) ist ein anderer Begriff, für den der DWD ein eigenes Vorhersageprodukt zur Düngeverordnung führt.
| Luftfrost | Bodenfrost | |
|---|---|---|
| Messhöhe | 2 m über Grund (Wetterhütte) | 5 cm über Grund |
| Schwelle | Minimum < 0 °C | Minimum < 0 °C |
| Steht in der Wetter-App als | Tiefsttemperatur | meist nur als Symbol/Hinweis „Bodenfrost möglich“ |
| Tritt auf ab (2-m-Wert) | 0 °C | laut DWD schon bei +3 bis +5 °C |
| Trifft | Kronen, Blüten, Balkonkästen in Höhe | Jungpflanzen, Keimlinge, bodennahe Blüten, Rasen |
| 90-%-Ende, Median Deutschland | 8. Mai | 24. Mai |
Datenbasis der letzten Zeile: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 406 Stationen, Frühjahre 1991–2026. Definitionen: DWD-Glossar „Bodenfrost“, CDC-Parameterbeschreibung TGK/TNK.
Warum friert es am Boden, wenn die App +3 °C zeigt?
Die Ursache ist Strahlungsabkühlung: In einer klaren, windstillen Nacht strahlt der Erdboden Wärme ins All ab und kühlt schneller aus als die Luft darüber. Die dünne Luftschicht direkt über dem Boden nimmt diese Kälte an, kalte Luft ist schwerer als warme und bleibt unten liegen – ohne Wind mischt nichts nach. So entsteht in Bodennähe eine Kaltluftschicht, die mehrere Grad kälter sein kann als die Luft in 2 m Höhe.
Wolken (sie strahlen Wärme zurück) und Wind (er mischt die Luft) verhindern den Effekt weitgehend; deshalb gibt es Bodenfrost fast nur in klaren, ruhigen Nächten.
Drei Standortfaktoren verstärken das Ganze. In Senken und Tallagen sammelt sich die schwere Kaltluft wie Wasser in einer Wanne. Auf freien Flächen ohne Bäume, Mauern oder Häuser fehlt jede Wärmequelle – deshalb ist die Station Berlin-Tempelhof auf dem ehemaligen Flugfeld das Paradebeispiel einer Strahlungsnacht-Lage (dazu gleich mehr). Und trockene, lockere Böden kühlen stärker aus als feuchte, weil Wasser Wärme speichert.
Der DWD zieht daraus eine bemerkenswert vorsichtige Konsequenz: In seinem Produkt „Frostgefährdung“ ist „bereits der Temperaturbereich zwischen 2,5 °C und 0 °C als mögliche Frostgefährdung eingestuft“, weil kleinräumige Effekte in gefährdeten Lagen Frostschäden verursachen können, obwohl die Modelle noch positive Temperaturen zeigen. Wenn Ihre App also +2 °C für eine klare Nacht ansagt, ist das für Tomaten am Boden keine Entwarnung.
Faustregel: Klare Nacht, kein Wind, angesagte Tiefsttemperatur unter +3 °C – dann rechnen Sie am Boden mit Frost. Bei bedecktem Himmel oder Wind ist Bodenfrost bei denselben Werten unwahrscheinlich.
Wie stark Ihr Garten von der nächsten Wetterstation abweicht – Senke, Hang, Hauswand – erklärt der Artikel Ihr Garten ist nicht die Wetterstation.
Bodenfrost endet 17 Tage nach dem Luftfrost: die Auswertung von 406 Stationen
Wie viel später der Bodenfrost endet, war unseres Wissens bisher nirgends flächendeckend ausgewertet. Wir haben deshalb für alle aktiven DWD-Klimastationen mit mindestens 20 gültigen Frühjahren – 406 Stationen mit Luft- und Bodenmessung – für jedes Jahr seit 1991 den letzten Tag mit Bodenfrost und den letzten Tag mit Luftfrost bestimmt und daraus Wahrscheinlichkeitstermine berechnet (Methodik am Ende).
Die Kernzahlen, jeweils über alle 406 Stationen:
| Kennzahl | Luftfrost (2 m) | Bodenfrost (5 cm) |
|---|---|---|
| Letzter Frost, Median-Termin (50 %) | 22. April | 8. Mai |
| Letzter Frost, 90 %-Termin, Median der Stationen | 8. Mai | 24. Mai |
| 90 %-Termin, frühestes bis spätestes Zehntel der Stationen | 24. April – 19. Mai | 15. Mai – 6. Juni |
| Stationen, an denen der 90 %-Termin nach dem 15. Mai liegt | 97 von 406 | 361 von 406 |
| Stationen, an denen der 90 %-Termin im Juni liegt | 6 (nur Berglagen) | 93 |
| Frost in der Eisheiligen-Woche (11.–15. Mai), Anteil der Jahre | 8 % | 24 % |
| Frost 16.–20. Mai, Anteil der Jahre | 4 % | 21 % |
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 406 Stationen, Frühjahre 1991–2026. Prozentwerte sind Mittel über die Stationen.
Der Abstand zwischen beiden 90-%-Terminen beträgt im Median 17 Tage (Mittel 17,4) – gerechnet je Station und dann der Median daraus. Die Differenz der beiden Bundes-Mediane (8. Mai und 24. Mai) ergibt 16 Tage; dass beide Zahlen um einen Tag auseinanderliegen, ist eine Eigenschaft des Medians, kein Widerspruch.
An 289 von 406 Stationen sind es mindestens 14 Tage, an 132 mindestens drei Wochen, an 34 mindestens vier Wochen; nur an 19 Stationen liegen weniger als sieben Tage dazwischen. Und ein Frühjahr ganz ohne Bodenfrost von Januar bis Juni kam an keiner einzigen Station vor.
Die Grafik zeigt den Mechanismus: Die Bodenfrost-Kurve ist keine verschobene Kopie der Luftfrost-Kurve, sondern liegt in jedem Fenster deutlich höher – Anfang Mai friert es am Boden in 46 % der Jahre (Luft: 16 %), Ende Mai noch in 8 % (Luft: 1 %). Wer den Luftfrost-Termin als Freigabe nimmt, sieht die Kurve, die für seine Tomaten gar nicht gilt.
Wann ist der letzte Bodenfrost vorbei? Karte, Höhenstufen, Bundesländer
Der Termin, ab dem an einer Station in 90 % der Jahre kein Bodenfrost mehr auftrat, reicht von 22. April (Bremerhaven) bis 28. Juni (Erzgebirgskamm). Die Karte zeigt alle 406 Stationen in fünf Klassen: bis 10. Mai nur 23 Stationen (Küste, Inseln, ein paar Innenstädte), 11.–20. Mai 110, 21.–31. Mai 180 – die größte Gruppe –, 1.–10. Juni 73 und nach dem 10. Juni 20 Stationen.
Die Höhenlage erklärt viel – aber nicht den Abstand zum Luftfrost. Der bleibt in allen Stufen bei zwei bis drei Wochen:
| Höhenlage | Stationen | Luftfrost 90 % (Median) | Bodenfrost 90 % (Median) | Abstand |
|---|---|---|---|---|
| unter 100 m | 119 | 06.05. | 23.05. | +19 Tage |
| 100–299 m | 115 | 05.05. | 23.05. | +16 Tage |
| 300–499 m | 100 | 10.05. | 25.05. | +15 Tage |
| 500–799 m | 57 | 14.05. | 30.05. | +18 Tage |
| ab 800 m | 15 | 19.05. | 10.06. | +15 Tage |
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 406 Stationen, Frühjahre 1991–2026; Termine = Median der Stationen der Höhenstufe.
Auffällig: Das Tiefland unter 100 m hat den größten Abstand. Genau dort liegen die offenen, ebenen Flächen Norddeutschlands, auf denen Strahlungsnächte am wirksamsten sind – während die Luft in 2 m durch die Nähe zum Meer früh frostfrei wird. Deshalb ist Bodenfrost keine Bergerscheinung: Von den 234 Tieflandstationen unter 300 m sind 199 erst nach dem 15. Mai zu 90 % bodenfrostsicher.
Nach Bundesländern (Median der Stationstermine):
| Bundesland | Stationen | Luftfrost 90 % | Bodenfrost 90 % | Abstand | Bodenfrost 90 %: früheste – späteste Station |
|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 50 | 06.05. | 24.05. | +18 | 04.05. – 27.06. |
| Bayern | 84 | 12.05. | 25.05. | +15 | 30.04. – 17.06. |
| Berlin | 4 | 28.04. | 21.05. | +22 | 15.05. – 06.06. |
| Brandenburg | 23 | 07.05. | 30.05. | +19 | 14.05. – 12.06. |
| Bremen | 2 | 24.04. | 09.05. | +16 | 22.04. – 26.05. |
| Hamburg | 2 | 03.05. | 25.05. | +22 | 16.05. – 03.06. |
| Hessen | 31 | 15.05. | 24.05. | +11 | 30.04. – 15.06. |
| Mecklenburg-Vorpommern | 23 | 02.05. | 23.05. | +22 | 27.04. – 06.06. |
| Niedersachsen | 32 | 08.05. | 24.05. | +21 | 24.04. – 15.06. |
| Nordrhein-Westfalen | 32 | 10.05. | 24.05. | +16 | 12.05. – 19.06. |
| Rheinland-Pfalz | 24 | 30.04. | 20.05. | +18 | 30.04. – 04.06. |
| Saarland | 7 | 29.04. | 20.05. | +20 | 12.05. – 31.05. |
| Sachsen | 27 | 13.05. | 01.06. | +18 | 15.05. – 28.06. |
| Sachsen-Anhalt | 22 | 06.05. | 23.05. | +17 | 15.05. – 26.06. |
| Schleswig-Holstein | 20 | 08.05. | 25.05. | +20 | 30.04. – 21.06. |
| Thüringen | 23 | 15.05. | 28.05. | +17 | 15.05. – 13.06. |
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026; nur Stationen mit Luft- und Bodenmessung. Stadtstaaten mit 2–4 Stationen sind statistisch dünn – und ihr Landeswert kann weit von der gleichnamigen Stadt entfernt liegen: Das Land Bremen besteht aus den Stationen Bremerhaven (22.04.) und Bremen (26.05.), der Landesmedian fällt deshalb auf den 9. Mai, während die Stadt Bremen in der Städtetabelle weiter unten korrekt mit dem 26. Mai steht.
Kein Bundesland ist im Median vor dem 9. Mai (Bremen, zwei Stationen) bodenfrostsicher, 13 von 16 erst nach dem 20. Mai. Sachsen und Brandenburg bilden mit dem 1. bzw. 30. Mai das Schlusslicht – Brandenburg wohlgemerkt als Tiefland. Die Spannen in der letzten Spalte zeigen zugleich, wie wenig ein Landesmittel über einen einzelnen Garten sagt: In Baden-Württemberg liegen zwischen Ohlsbach am Oberrhein und dem Feldberg acht Wochen.
Städte im Vergleich: Berlin-Tempelhof mit 46 Tagen Abstand
Für die großen Städte lohnt der Einzelblick – und er räumt mit einer Intuition auf: „Stadt = warm = früh sicher“ gilt für die Luft, nicht für den Boden.
| Station | Höhe | Luftfrost 90 % | Bodenfrost Median | Bodenfrost 90 % | Abstand Boden–Luft (90 %) | Bodenfrost 11.–15. Mai | spätester Bodenfrost |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Berlin-Tempelhof | 48 m | 21.04. | 20.05. | 06.06. | +46 Tage | 47 % | 18.06. |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 11 m | 06.05. | 16.05. | 03.06. | +28 | 25 % | 17.06. |
| Hannover | 55 m | 08.05. | 10.05. | 01.06. | +24 | 25 % | 17.06. |
| Magdeburg | 79 m | 30.04. | 07.05. | 03.06. | +34 | 25 % | 09.06. |
| Bremen | 4 m | 08.05. | 08.05. | 26.05. | +18 | 22 % | 02.06. |
| Kiel-Holtenau | 28 m | 08.05. | 07.05. | 23.05. | +15 | 17 % | 06.06. |
| Düsseldorf | 37 m | 06.05. | 08.05. | 24.05. | +18 | 22 % | 06.06. |
| Köln/Bonn | 91 m | 13.05. | 05.05. | 22.05. | +9 | 17 % | 05.06. |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 131 m | 24.04. | 06.05. | 23.05. | +29 | 22 % | 02.06. |
| Dresden-Klotzsche | 228 m | 30.04. | 28.04. | 23.05. | +23 | 6 % | 03.06. |
| Erfurt-Weimar | 317 m | 06.05. | 16.05. | 28.05. | +22 | 22 % | 09.06. |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 100 m | 04.05. | 26.04. | 18.05. | +14 | 8 % | 27.05. |
| Stuttgart (Schnarrenberg) | 314 m | 21.04. | 25.04. | 13.05. | +22 | 11 % | 25.05. |
| Nürnberg-Netzstall | 369 m | 22.05. | 27.05. | 17.06. | +26 | 31 % | 26.06. |
| Freiburg | 237 m | 29.04. | 26.04. | 18.05. | +19 | 8 % | 30.05. |
| München-Stadt | 515 m | 20.04. | 16.04. | 30.04. | +10 | 3 % | 12.05. |
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, je 35–36 Frühjahre 1991–2026 (Kiel 23 Jahre Boden). „Bodenfrost 11.–15. Mai“ = Anteil der Jahre mit mindestens einer Bodenfrostnacht in der Eisheiligen-Woche.
Drei Muster stecken in der Tabelle. Erstens Berlin-Tempelhof: In der Luft ist die Station schon am 21. April zu 90 % frostfrei – so früh wie kaum eine andere Großstadt –, am Boden erst am 6. Juni, und in der Eisheiligen-Woche fror es dort in 47 % der Jahre bodennah.
Der Grund ist der Messplatz: das ehemalige Flugfeld, eine der größten offenen Freiflächen einer deutschen Innenstadt, ohne Bebauung, Bäume oder Windschutz – die ideale Bühne für eine Strahlungsnacht, während die Luft in 2 m von der Stadtwärme profitiert. Wer in Berlin nach der Wetter-App pflanzt, wird von diesem Unterschied kalt erwischt.
Zweitens der Norden: Hamburg, Hannover, Magdeburg und Bremen sind in der Luft Anfang Mai durch, am Boden erst Ende Mai bis Anfang Juni. Drittens der Süden: München-Stadt (30. April), Stuttgart (13. Mai), Frankfurt und Freiburg (18. Mai) sind früh bodenfrostsicher – aber die fränkische Beckenlage Nürnberg-Netzstall braucht bis zum 17. Juni. Der einfache Nord-Süd-Reim funktioniert also nicht; entscheidend sind Lage und Umgebung der Station.
Achtung: Diese Termine gelten für den Standort der Wetterstation, meist eine Freifläche oder ein Flughafen. Ein Garten in einer Senke oder am Waldrand kann später dran sein, ein Balkon an der Südwand früher. Und Statistik ist keine Vorhersage: Für die kommende Nacht zählt die Warnlage des Deutschen Wetterdienstes.
Warum das für Gärtner die eigentliche Botschaft ist
„Nach den Eisheiligen“ ist Luftfrost-Erfahrung – die Bauernregel entstand aus dem, was Menschen und Obstbäume in Kopfhöhe erlebt haben. Ihre Jungpflanzen erleben etwas anderes: Sie stehen mit ihren empfindlichsten Teilen genau in der Schicht, in der es zuletzt friert. Deshalb liegen die Schadensberichte von Hobbygärtnern so oft nach dem 15. Mai – ein Bericht aus dem Raum Hannover beschreibt Bodenfrost nach den Eisheiligen 2023, der ohne Vlies die Tomaten gekostet hätte; laut unseren Zahlen ist Hannover am Boden erst am 1. Juni zu 90 % durch.
Wie weit die gängigen Pflanzregeln am Boden danebenliegen, haben wir für alle 406 Stationen ausgezählt: An wie vielen Stationen ist der jeweilige Termin früher als der Termin, ab dem der Boden in 90 %, 80 % beziehungsweise 50 % der Jahre frostfrei ist?
| Pflanzregel | Termin | Stationen, an denen der Boden noch nicht zu 90 % frostfrei ist | … nicht zu 80 % | … nicht zu 50 % |
|---|---|---|---|---|
| „Erstes Mai-Wochenende“ | 1. Mai | 398 von 406 | 392 | 325 |
| „Nach den Eisheiligen“ | 16. Mai | 361 von 406 | 287 | 112 |
| „Nach Pfingsten“ (Beispiel) | 20. Mai | 273 von 406 | 171 | 36 |
| „Ende Mai abwarten“ | 1. Juni | 93 von 406 | 35 | 5 |
| „Anfang Juni“ | 10. Juni | 20 von 406 | 7 | 0 |
Eigene Auszählung aus den Stationsterminen; Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 406 Stationen, Frühjahre 1991–2026. Median über alle Stationen: Bodenfrost 50 %-Termin 8. Mai, 80 %-Termin 18. Mai, 90 %-Termin 24. Mai.
Lesart: Wer am 16. Mai empfindliche Jungpflanzen setzt, trägt an 361 Stationen mehr als 10 % Bodenfrost-Restrisiko – im Median liegt der 90-%-Termin dort noch 10 Tage entfernt. Wer bis zum 1. Juni wartet, ist an drei von vier Stationen im 90-%-Bereich. Und wer Vlies griffbereit hat, kann den 80-%-Termin nehmen: Er liegt im Median nur 5 Tage vor dem 90-%-Termin, aber immer noch 12 Tage nach dem 90-%-Termin für Luftfrost.
Welche Pflanzen vertragen Bodenfrost – und welche nicht?
Für die Praxis lässt sich das Gemüsebeet in zwei Gruppen teilen; die Angaben beschreiben das übliche Verhalten der Kulturen bei leichtem Frost um −1 bis −3 °C, keine Garantie:
| Vertragen leichten Bodenfrost | Vertragen keinen Frost |
|---|---|
| Salat (Jungpflanzen), Spinat, Feldsalat, Rucola | Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen |
| Kohlrabi, Kohlarten, Mangold | Gurken, Zucchini, Kürbis, Melonen |
| Erbsen, Dicke Bohnen, Zwiebeln, Lauch | Busch- und Stangenbohnen, Mais |
| Möhren-, Radieschen-, Pastinaken-Keimlinge | Basilikum, Kapuzinerkresse |
| Kartoffeln im Boden (Triebe können zurückfrieren) | Geranien, Petunien, Fuchsien, Dahlientriebe |
Die linke Spalte darf ab dem 90-%-Termin für Luftfrost ins Beet – meist Ende April bis Anfang Mai. Für die rechte Spalte gilt der 90-%-Termin für Bodenfrost, an den meisten Orten also die zweite Maihälfte oder der Juni; Tomaten, Gurken und Paprika wollen nach gängiger Faustregel zudem Bodentemperaturen deutlich über 10 °C (von uns nicht ausgewertet), der Frosttermin ist die Untergrenze, nicht das Optimum.
Wie sich das für die einzelnen Kulturen in Termine übersetzt, steht auf den Seiten Wann Tomaten pflanzen, Wann Gurken pflanzen, Wann Paprika pflanzen und Wann Geranien rausstellen.
Wie wenig Frost genügt, zeigen Erfahrungsberichte von Hobbygärtnern zur Frostnacht vom 19./20. April 2017: ausgetriebene Kiwis waren nach etwa vier Stunden bei −1,7 °C verloren; offene Apfelblüten erfroren, geschlossene Knospen an denselben Bäumen blieben intakt. Der Schaden hängt also am Entwicklungsstand, nicht nur an der Tiefsttemperatur – ein Grund mehr, frisch gesetzte, weiche Jungpflanzen erst nach dem Bodenfrost-Termin ins Freie zu lassen.
Ihr Bodenfrost-Termin: Frostrechner
Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Ort ein – der Rechner zeigt für die nächstgelegene DWD-Station den 50-, 80- und 90-%-Termin, getrennt für Luft- und Bodenfrost. Für empfindliche Jungpflanzen ist die Zeile „Boden, 90 %“ Ihr Termin.
Statistik der Vergangenheit, keine Wettervorhersage. Die Termine sagen, wie oft es in den letzten Jahrzehnten an Ihrer nächsten Wetterstation noch gefroren hat – ob es in der kommenden Nacht friert, verrät nur die aktuelle Wetterlage (z. B. die Warnkarte des DWD).
Ohne Eingabe: Beispieltermine für acht Städte
| Station (DWD) | Letzter Luftfrost 90 % | Letzter Bodenfrost 90 % | Erster Luftfrost 10 % | Erster Bodenfrost 10 % |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 6. Mai | 3. Juni | 8. Oktober | 17. September |
| Hannover | 8. Mai | 1. Juni | 12. Oktober | 19. September |
| Berlin-Tempelhof | 21. April | 6. Juni | 18. Oktober | 19. September |
| Köln/Bonn | 13. Mai | 22. Mai | 11. Oktober | 27. September |
| Frankfurt/Main | 4. Mai | 18. Mai | 17. Oktober | 9. Oktober |
| Dresden-Klotzsche | 30. April | 23. Mai | 12. Oktober | 2. Oktober |
| Freiburg | 29. April | 18. Mai | 15. Oktober | 27. September |
| München-Stadt | 20. April | 30. April | 19. Oktober | 16. Oktober |
90 % = in 9 von 10 Frühjahren 1991–2026 kein Frost mehr nach diesem Tag (Luft 2 m, Boden 5 cm); 10 % = in 9 von 10 Herbsten 1991–2025 noch kein Frost vor diesem Tag. Alle zwölf Städte mit Median und 80 %: Bodenfrost-Artikel; Herbst: Erster Frost. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center, Tageswerte), eigene Auswertung · Postleitzahlen-Koordinaten: GeoNames (CC BY 4.0) · Zeitfenster: Frühjahre 1991–2026, Herbste 1991–2025 · So rechnen wir
Statistik der Vergangenheit (Frühjahre 1991–2026), keine Wettervorhersage. Wie der Rechner Stationen zuordnet und Termine berechnet, steht auf der Methodik-Seite des Frostrechners; für die kommende Nacht prüfen Sie die Warnlage des Deutschen Wetterdienstes.
Praxis: So planen Sie mit dem Bodenfrost-Termin
Aus dem Stationstermin wird in vier Schritten ein Pflanztermin für Ihren Garten:
- Termin holen: Bodenfrost-90-%-Termin der nächsten Station aus dem Frostrechner. Beispiel Hannover: 1. Juni.
- Standort-Zuschlag: Liegt Ihr Beet in einer Senke, am Hangfuß, am Waldrand oder auf freier Fläche, rechnen Sie als Konventionswert 5 bis 10 Tage dazu (Hannover-Senke: 6.–11. Juni); das ist eine Faustregel, kein gemessener Wert. Innenhof, Balkon oder Südwand: der Stationstermin passt, oft ist es sogar etwas früher sicher. Was Ihr Mikroklima ausmacht, quantifiziert der Mikroklima-Artikel.
- Abhärten: Jungpflanzen in den 7 bis 10 Tagen vor dem Termin tagsüber nach draußen stellen (erst Halbschatten, dann Sonne), nachts zunächst noch herein. Abgehärtete Pflanzen stecken kühle Nächte deutlich besser weg als solche direkt vom Fensterbrett.
- Restrisiko managen: Der 90-%-Termin lässt jedes zehnte Jahr übrig. Kündigt der Wetterbericht nach dem Auspflanzen eine klare, windstille Nacht mit Tiefstwerten unter +3 °C an, gilt: Kübel und Kästen reinholen, Beetpflanzen abends mit Vlies, Eimern oder Kisten abdecken und morgens wieder freilegen. Welche Schutzmethode zu welchem Frosttyp passt, vergleicht Frostschutz für Pflanzen; was Vlies im Einzelnen leistet und ab welcher Temperatur es versagt, steht im Artikel Vlies-Frostschutz: Puffer und Grenzen.
Tipp: Wer den 80-%-Termin nutzt (im Median fünf Tage vor dem 90-%-Termin), gewinnt Saison, muss aber in einem von fünf Jahren mit einer Frostnacht rechnen – das ist nur sinnvoll, wenn das Vlies schon im Schuppen liegt und Sie die Wetterlage täglich verfolgen.
Ganz bewusst enthält diese Liste keine Mittel gegen Kälte oder Krankheiten – Frostkompass macht Timing, Standort und Abdecken; alles andere gehört in die Beratung der Gartenakademien.
Herbst und Trend: Der erste Bodenfrost kommt vor dem ersten Luftfrost
Im Herbst dreht sich das Bild – aber in dieselbe Richtung: Der Boden friert zuerst. Der Termin, ab dem an einer Station in 10 % der Jahre schon der erste Bodenfrost aufgetreten ist (in 90 % der Jahre also noch nicht), liegt im Median der Stationen am 23. September; für Luftfrost am 11. Oktober – 18 Tage später.
Im Median-Jahr fällt der erste Bodenfrost ebenfalls auf den 11. Oktober – die beiden Zahlen sind zufällig gleich, meinen aber Verschiedenes: einmal den sicheren Planungstermin für Luftfrost, einmal das mittlere Eintrittsdatum des Bodenfrosts. Für die Planung zählt am Boden der 23. September.
Rechnet man den Abstand nicht aus den beiden Mittelwerten, sondern Station für Station, liegt der Median bei 15 Tagen; an 61 % der Stationen sind es mindestens 14 Tage.
Wer Dahlien, Basilikum oder Kübelpflanzen nach der Wetter-App einräumt, ist auch hier zwei bis drei Wochen zu spät dran. Alle Herbst-Termine – wann es an Ihrem Ort zuerst friert und was das für Ernte und Winterquartier heißt – gehören in den Schwesterartikel erster Bodenfrost im Herbst: Termine je Ort; die Praxis für Töpfe und Kästen steht in Kübelpflanzen einräumen. Derselbe 10-%-Termin gilt rückwärts als Pflanzgrenze: Erdbeeren pflanzen: bis wann im Herbst heißt bis sechs Wochen davor – bundesweit im Median der 12. August.
Und der Klimatrend? Der Vergleich der letzten 15 Frühjahre mit dem Gesamtzeitraum seit 1991 zeigt beim Bodenfrost kaum Bewegung: Der Median-Termin des letzten Bodenfrosts liegt in den letzten 15 Jahren im Mittel 2 Tage später, der 90-%-Termin 2 Tage früher – an 57 % der Stationen später, an 24 % früher.
Das ist Rauschen, kein Signal: Ein 15-Jahres-Fenster reagiert auf einzelne Jahre wie 2011 oder 2020, und Stationsverlegungen (Freiburg 2007) können sich als Trend tarnen. Warum Spätfrost trotz Erwärmung eher gefährlicher wird – weil die Vegetation schneller vorrückt als der Frost zurückweicht –, erklärt der Artikel Spätfrost im Klimawandel.
Methodik: So sind die Bodenfrost-Zahlen entstanden
Diese Seite ist als Beleg gebaut; alle Zahlen lassen sich mit den frei verfügbaren DWD-Daten nachrechnen.
| Punkt | Festlegung |
|---|---|
| Datenquelle | Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center (Open Data), Tageswerte „KL“, historischer Bestand plus aktuelle Daten; Lauf vom 16. August 2026 |
| Messgrößen | Bodenfrost: Tagesminimum der Lufttemperatur 5 cm über dem Erdboden (Parameter TGK) < 0 °C. Luftfrost: Tagesminimum in 2 m Höhe (TNK) < 0 °C. TGK ist eine Lufttemperatur knapp über dem Boden, nicht die Temperatur in der Erde |
| Zeitraum | Frühjahre 1991–2026 (36), Herbste 1991–2025 (35); Trendfenster: die letzten 15 Frühjahre |
| Stationsauswahl | Alle aktiven Klimastationen mit mindestens 20 gültigen Frühjahren für Luft und Boden: 406 Stationen (Luft allein: 410) |
| Gültiges Jahr | Mindestens 170 Messtage im Halbjahr Januar–Juni bzw. Juli–Dezember |
| Letzter/erster Frost | Je Jahr der letzte Tag Januar–Juni mit Minimum < 0 °C bzw. der erste Tag Juli–Dezember |
| Wahrscheinlichkeitstermine | Perzentile der Jahreswerte je Station: 50 % (Median), 80 %, 90 % im Frühjahr; 10 %, 20 %, 50 % im Herbst. „90 %-Termin“ = Tag, nach dem in 90 % der Jahre kein Frost mehr auftrat |
| Fenster-Anteile | Anteil der Jahre mit mindestens einer Frostnacht je Fünf-Tage-Fenster; bundesweite Werte sind Mittel über die Stationen |
| Kalender | Fester 365-Tage-Kalender (29. Februar wie 28.), damit Schaltjahre Termine nicht verschieben |
| Bundesland/Höhenstufe | Median der Stationstermine der Gruppe |
Drei Grenzen gehören dazu. Station ist nicht Garten: DWD-Stationen stehen auf Freiflächen, Flughäfen und am Stadtrand; ein Garten kann um Tage bis Wochen abweichen, in Senken nach hinten, an Hauswänden nach vorn.
5 cm ist nicht der Boden: Der Wert beschreibt die Luft knapp über der Oberfläche – dort, wo Keimlinge und Jungpflanzen stehen –, nicht die Temperatur in der Erde; Saatgut und Wurzeln sind bei leichtem Bodenfrost meist unbeeindruckt. Klimatologie ist keine Prognose: Die Termine sagen, wie oft etwas in 36 Jahren vorkam, nicht, ob es dieses Jahr passiert; amtliche Warnungen für die konkrete Nacht gibt es nur vom DWD.
Uns ist keine vergleichbare öffentliche Auswertung des letzten Bodenfrosts über das gesamte DWD-Stationsnetz mit Wahrscheinlichkeitsterminen bekannt (Stand August 2026). Hinweise auf andere Auswertungen nehmen wir gern auf. Zitiervorschlag: Frostkompass, „Bodenfrost“, Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (CDC Open Data), eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026, Stand August 2026, frostkompass.de/bodenfrost/. Bei Übernahme von Tabellen bitte den Vermerk „Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung“ mitführen. Wie wir grundsätzlich arbeiten: Über Frostkompass.
Häufige Fragen
Was ist Bodenfrost?
Bodenfrost ist Frost in der bodennahen Luftschicht: Die Temperatur direkt über dem Erdboden – der Deutsche Wetterdienst misst 5 cm über Grund – sinkt unter 0 °C, während sie in 2 m Höhe noch positiv sein kann. Gemeint ist die Luft knapp über der Oberfläche, nicht ein gefrorener Erdboden. Er entsteht vor allem in klaren, windstillen Nächten durch Abstrahlung.
Ab welcher Temperatur droht Bodenfrost?
Laut DWD-Glossar kann Bodenfrost schon bei einer gemessenen Lufttemperatur (2 m) von +3 bis +5 °C auftreten; im Produkt „Frostgefährdung“ stuft der DWD den Bereich zwischen +2,5 und 0 °C als mögliche Frostgefährdung ein. Praktische Regel: Klare, windstille Nacht mit angesagten Tiefstwerten unter +3 °C – Jungpflanzen abdecken oder reinholen.
Wann ist der letzte Bodenfrost vorbei?
Bundesweit im Median am 24. Mai (Termin, ab dem in 90 % der Jahre kein Bodenfrost mehr auftrat) – 16 Tage nach dem bundesweiten Luftfrost-Termin (8. Mai); je Station gerechnet liegt der Median des Abstands bei 17 Tagen. Die Spanne reicht von 22. April (Bremerhaven) bis Ende Juni (Erzgebirge); Berlin-Tempelhof 6. Juni, München-Stadt 30. April. An 361 von 406 DWD-Stationen liegt der Termin nach den Eisheiligen.
Warum friert es am Boden, wenn die App +3 °C zeigt?
Weil die App die Temperatur in 2 m Höhe zeigt. In klaren, windstillen Nächten strahlt der Boden Wärme ab und kühlt stärker aus als die Luft darüber; die schwere Kaltluft bleibt unten liegen. So kann es in 5 cm Höhe frieren, während die Wetterhütte noch +3 °C misst. Wolken und Wind verhindern den Effekt, Senken und freie Flächen verstärken ihn.
Welche Pflanzen vertragen Bodenfrost?
Leichten Bodenfrost stecken Salat, Spinat, Kohlrabi, Kohl, Erbsen, Dicke Bohnen, Zwiebeln, Lauch und die Keimlinge von Möhren und Radieschen meist weg. Keinen Frost vertragen Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Kürbis, Bohnen, Basilikum, Geranien, Petunien und Dahlientriebe – für sie gilt der 90-%-Termin für Bodenfrost, nicht der für Luftfrost.
Wie sehe ich Bodenfrost in der Wettervorhersage?
Viele Wetter-Apps und der DWD (WarnWetter-App, Vorhersagetexte) weisen mit einem Symbol oder dem Hinweis „örtlich Bodenfrost“ darauf hin; der DWD bietet zudem das Produkt „Frostgefährdung“ mit dem Verlauf am Erdboden und in 2 m Höhe für drei Tage (September bis Mai). Fehlt der Hinweis, hilft die Faustregel: klarer Himmel, kein Wind, Tiefstwert unter +3 °C.
Ist Bodenfrost dasselbe wie gefrorener Boden?
Nein. Der Bodenfrost aus dem Wetterbericht meint die Lufttemperatur knapp über dem Boden. Ob die Erde selbst gefriert, hängt von Bewuchs, Bodenart, Feuchte und Schneedecke ab; dafür führt der DWD ein eigenes Vorhersageprodukt für die Landwirtschaft. Für Jungpflanzen ist die bodennahe Luft entscheidend, für Saatgut und Wurzeln der Erdboden.
Fazit: Planen Sie nach dem Boden, nicht nach der App
Bodenfrost ist der Frost, den Ihre Jungpflanzen tatsächlich erleben – 5 cm über dem Boden, in klaren Nächten mehrere Grad kälter als die Wetter-App verspricht. Die Auswertung von 406 DWD-Stationen zeigt, wie viel das ausmacht: Der letzte Bodenfrost ist bundesweit im Median erst am 24. Mai zu 90 % vorbei, je Station gerechnet im Median 17 Tage nach dem Luftfrost, an 361 Stationen erst nach den Eisheiligen, an 93 erst im Juni.
Die Handlungsempfehlung ist entsprechend einfach: Frostharte Kulturen ab dem Luftfrost-Termin, empfindliche erst ab dem Bodenfrost-90-%-Termin Ihrer Station plus Standort-Zuschlag – und in der Pflanzwoche täglich die Wetterlage prüfen. Wie Sie aus diesem Termin den Auspflanz- und Aussaattermin für die wichtigste Kultur der Saison ableiten, zeigt Schritt für Schritt die Seite Wann Tomaten pflanzen.
Quellen
- Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center, Tageswerte der Lufttemperatur in 2 m (TNK) und 5 cm Höhe (TGK), Frühjahre 1991–2026 (406 Stationen); eigene Auswertung. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage.
- Deutscher Wetterdienst, Glossar: „Bodenfrost“
- Deutscher Wetterdienst: „Frostgefährdung“
- Deutscher Wetterdienst, Open Data: Tageswerte KL, Parameterbeschreibung (TGK, TNK)
Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.