Erster Frost: Wann er an Ihrem Ort kommt – und warum der Boden zuerst friert

Kurzantwort: Der erste Frost im Herbst fällt in Deutschland im Median auf den 24. Oktober (Luftfrost in 2 m Höhe). Der sichere Planungstermin liegt früher: Bis zum 11. Oktober blieb es an der Hälfte der Wetterstationen in 9 von 10 Jahren noch frostfrei – je nach Ort zwischen Ende September und Anfang November. Am Boden (5 cm Höhe) ist der Frost im Median 15 Tage früher da, dort endet die sichere Zeit im Median schon am 23. September. Datenbasis: 396 Stationen des Deutschen Wetterdienstes, Herbste 1991–2025, eigene Auswertung.

Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026

Anfang Oktober, die Terrasse ist noch voll: Engelstrompete, Oleander, zwei Kübel Geranien, die Dahlien blühen wie im Juli. Für die Nacht sagt die App +4 °C an, der Himmel ist sternenklar – und am nächsten Morgen hängen die Blätter der Engelstrompete schlaff und glasig herunter. Kein Fehler der App: Sie zeigt die Temperatur in 2 m Höhe, an den unteren Blättern und im Wurzelballen war es kälter.

Genau hier hilft der übliche Rat nicht weiter. „Vor dem ersten Frost einräumen“ steht in jedem Gartenkalender – wann dieser erste Frost bei Ihnen fällt, steht nirgends. Zwischen Nürnberg-Netzstall und Rostock-Warnemünde liegen 44 Tage Unterschied, und der Bodenfrost kommt an allen 392 ausgewerteten Stationen vor dem Luftfrost.

Diese Seite dreht die Frage deshalb um: erst Ihr Ort, dann der Termin. Sie ist das Herbst-Gegenstück zu unserer Frühjahrsfrage „ab wann ist es sicher?“ – hier geht es darum, bis wann es sicher ist.

Zwei Dinge sagt die Kurzantwort nicht. Erstens: Ein Termin, an dem es in 9 von 10 Jahren noch nicht gefroren hat, heißt auch, dass jedes zehnte Jahr früher dran ist – bundesweit gab es bis zum 15. Oktober in 29 % der Jahre schon Luftfrost. Zweitens: Für Ihre Pflanzen zählt nicht ein Termin, sondern drei – je nachdem, ob sie null, −5 oder −10 °C vertragen. Beides klärt dieser Artikel.


Termine für Ihren Ort: der Frostrechner für den Herbst

Geben Sie Postleitzahl oder Ort ein. Der Rechner sucht die nächstgelegene Klimastation des Deutschen Wetterdienstes und zeigt für sie drei Termine – getrennt für Luftfrost (2 m) und Bodenfrost (5 cm) – sowie darunter die Kälteschwellen −5 °C und −10 °C, die für das Einräumen von Kübelpflanzen zählen.

Statistik der Vergangenheit, keine Wettervorhersage. Die Termine sagen, wie oft es in den letzten Jahrzehnten an Ihrer nächsten Wetterstation noch gefroren hat – ob es in der kommenden Nacht friert, verrät nur die aktuelle Wetterlage (z. B. die Warnkarte des DWD).

Ohne Eingabe: Erster Frost an acht Beispielstationen
Station (DWD)Erster Luftfrost 10 %Erster Bodenfrost 10 %Erster Luftfrost Median
Hamburg-Fuhlsbüttel8. Oktober17. September28. Oktober
Hannover12. Oktober19. September29. Oktober
Berlin-Tempelhof18. Oktober19. September3. November
Köln/Bonn11. Oktober27. September28. Oktober
Frankfurt/Main17. Oktober9. Oktober31. Oktober
Dresden-Klotzsche12. Oktober2. Oktober22. Oktober
Freiburg15. Oktober27. September6. November
München-Stadt19. Oktober16. Oktober9. November

10 % = in 9 von 10 Herbsten 1991–2025 noch kein Frost vor diesem Tag; Median = in der Hälfte der Herbste schon Frost. Alle zwölf Städte mit Median und 80 %: Bodenfrost-Artikel; Herbst: Erster Frost. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center, Tageswerte), eigene Auswertung · Postleitzahlen-Koordinaten: GeoNames (CC BY 4.0) · Zeitfenster: Frühjahre 1991–2026, Herbste 1991–2025 · So rechnen wir

So lesen Sie das Ergebnis: „90 % noch frostfrei“ ist Ihr Planungstermin – bis dahin blieb es in neun von zehn Jahren frostfrei, nur jedes zehnte Jahr war früher dran. „80 % noch frostfrei“ ist der offensivere Termin für alles, was ein paar Minusgrade wegsteckt. Der Median sagt, wann der erste Frost im typischen Jahr fällt – in der Hälfte der Jahre war er schon vorher da.

Das sind Wahrscheinlichkeiten aus 35 Herbsten, keine Wettervorhersage und keine Frostwarnung. Ob es in der kommenden Nacht friert, sagt Ihnen nur die aktuelle Wetterlage; amtliche Warnungen gibt es beim Deutschen Wetterdienst. Wie der Rechner Stationen zuordnet und die Termine berechnet, steht ausführlich auf der Methodik-Seite des Frostrechners.

Warum der erste Frost bei Ihnen ein anderes Datum hat als 300 km weiter

Es gibt keinen bundesweiten Termin für den ersten Frost, weil die Spanne größer ist als der Monat, in dem die meisten ihn erwarten. Der Termin, bis zu dem eine Station in 9 von 10 Jahren frostfrei blieb, liegt im Median aller 396 Stationen am 11. Oktober. Das früheste Zehntel der Stationen ist aber schon am 27. September dran, das späteste erst am 20. Oktober.

An den Rändern wird der Abstand extrem: Auf der Zugspitze friert es praktisch das ganze Jahr – das Frostrisiko liegt dort schon am Beginn unseres Rechenfensters, dem 1. Juli –, auf Helgoland beginnt es erst am 30. November. Zwischen diesen beiden Punkten liegen fünf Monate – und beide stehen in Deutschland.

Deutschlandkarte mit 396 DWD-Stationen als Punkte, eingefärbt nach dem Termin, bis zu dem in 90 Prozent der Jahre noch kein Luftfrost auftrat: 61 Stationen bis 30. September in Mittelgebirgen und Beckenlagen, 121 vom 1. bis 10. Oktober, 187 vom 11. bis 20. Oktober als größte Gruppe, 16 im späten Oktober und 11 erst im November an Küste und auf Inseln.
Beginn des Frostrisikos je Station (Termin, bis zu dem es in 9 von 10 Jahren noch nicht fror): früh in Mittelgebirgen, Franken und Beckenlagen, spät an Nord- und Ostsee. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 396 Stationen, Herbste 1991–2025. Keine Interpolation zwischen den Punkten – Ihr Garten kann anders liegen.

Die Karte zeigt fünf Gruppen: 61 Stationen starten ins Frostrisiko schon bis zum 30. September, 121 vom 1. bis 10. Oktober, 187 vom 11. bis 20. Oktober – das ist die große Mitte –, 16 erst im späten Oktober und 11 im November.

Der Nord-Süd-Reim funktioniert dabei nicht. Zu den frühesten Stationen im Flachland gehören Nürnberg-Netzstall (369 m, 19. September), Fulda-Horas (245 m) und Bad Königshofen (289 m) – allesamt Becken- und Senkenlagen, in denen sich Kaltluft sammelt. Am anderen Ende stehen die Küsten: List auf Sylt (5. November), Norderney (1. November), Rostock-Warnemünde (2. November), weil das Meer die Wärme des Sommers noch wochenlang abgibt.

💡 Faustregel: Je weiter weg vom Meer und je tiefer die Geländeform, desto früher der erste Frost. Ein Ort im Binnenland-Becken kann sechs Wochen vor der Küste dran sein – bei gleicher Höhe über dem Meer.

Der Bodenfrost ist zuerst da – im Median 15 Tage vor dem Luftfrost

Der erste Frost der Saison ist fast nie der, den die Wetter-App meldet. In klaren, windstillen Nächten strahlt der Erdboden Wärme ab und kühlt schneller aus als die Luft darüber; die kalte, schwere Luft bleibt unten liegen. Deshalb kann es 5 cm über dem Boden frieren, während die Messhütte in 2 m Höhe laut Glossar des Deutschen Wetterdienstes noch +3 bis +5 °C anzeigt.

Wie groß dieser Vorsprung ist, haben wir für jede Station einzeln ausgezählt. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Bodenfrost kommt im Median 15 Tage früher als der Luftfrost. An 239 von 392 Stationen (61 %) sind es zwei Wochen oder mehr, an 95 Stationen mindestens drei Wochen. Und: An keiner einzigen Station kam der Luftfrost zuerst.

Histogramm: Vorsprung des ersten Bodenfrosts vor dem ersten Luftfrost in Tagen an 392 DWD-Stationen. Keine Station mit negativem Vorsprung, 31 Stationen mit 0 bis 6 Tagen, 122 mit 7 bis 13 Tagen, 144 mit 14 bis 20 Tagen als größte Gruppe, 80 mit 21 bis 27 Tagen, 10 mit 28 bis 34 Tagen und 2 mit 35 bis 41 Tagen.
Wie viele Tage der Bodenfrost dem Luftfrost vorausgeht (Termine, bis zu denen es in 9 von 10 Jahren noch nicht fror): Schwerpunkt bei 14 bis 20 Tagen, keine Station mit umgekehrter Reihenfolge. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 392 Stationen, Herbste 1991–2025.

Im Frühjahr gilt dasselbe mit umgekehrtem Vorzeichen: Dort endet der Bodenfrost im Median 17 Tage nach dem Luftfrost – nachzulesen im Artikel Bodenfrost: was er ist und wann er vorbei ist. Beides zusammen frisst die Saison von beiden Seiten an.

Rechnet man beide Enden zusammen, ergibt sich die eigentliche Zahl für frostempfindliche Pflanzen: Das frostsichere Fenster ist am Boden im Median 121 Tage lang, in 2 m Höhe 155 Tage. Wer nach dem Luftfrost-Kalender plant, rechnet also mit 34 Tagen, die es am Boden nicht gibt – gut fünf Wochen, verteilt auf Frühjahr und Herbst.

💡 Faustregel: Alles, was mit Blättern, Trieben oder Knollen im untersten halben Meter steht – Basilikum, Beetgeranien, flache Kübel – richtet sich nach dem Bodenfrost-Termin; bei Dahlien ist der Luftfrost-Termin das Startsignal zum Ausgraben. Für hohe Kübelgehölze ist der Boden-Termin die vorsichtige, der Luft-Termin die knappe Variante.

Wie groß ist das Risiko für den ersten Frost an einem bestimmten Tag?

Termine sind gut, Risiken sind besser: Für jeden Stichtag lässt sich auszählen, in wie vielen der 35 Herbste bis dahin schon der erste Frost gefallen war. Diese Tabelle ist der ehrlichste Blick auf die Frage, wie viel Zeit Sie wirklich noch haben.

StichtagLuftfrost (2 m)Bodenfrost (5 cm)
15. September1 %5 %
30. September5 %27 %
10. Oktober14 %47 %
15. Oktober29 %63 %
20. Oktober43 %74 %
31. Oktober59 %85 %
10. November76 %95 %
15. November82 %97 %
30. November96 %100 %

Anteil der Jahre, in denen bis zum Stichtag bereits der erste Frost auftrat; Mittel über die Stationen. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025.

Die Zeile 15. Oktober ist die wichtigste der Seite: Bis zur Monatsmitte gab es im Mittel in 29 % der Jahre schon Luftfrost – aber in 63 % der Jahre schon Bodenfrost. Wer Mitte Oktober noch entspannt auf die Wetter-App schaut, hat in zwei von drei Jahren am Boden bereits den ersten Frost hinter sich.

Kurvendiagramm: kumuliertes Frostrisiko im Herbstverlauf vom 1. September bis Ende November, Luftfrost gegen Bodenfrost, Mittel über die DWD-Stationen. Die Bodenfrost-Kurve steigt ab Mitte September deutlich früher an, erreicht 63 Prozent am 15. Oktober und 100 Prozent Ende November; die Luftfrost-Kurve liegt durchgehend darunter mit 29 Prozent am 15. Oktober und 96 Prozent Ende November.
Kumuliertes Risiko für den ersten Frost im Herbstverlauf: Die Bodenkurve läuft der Luftkurve rund zwei Wochen voraus – der Abstand ist Anfang bis Mitte Oktober am größten. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025.

Die Kurve zeigt auch, wo die kritische Phase liegt: Ende September hatte es am Boden erst in gut einem Viertel der Jahre gefroren (27 % bis zum 30. September), bis zum 20. Oktober in drei von vier (74 %). In diesen drei Wochen fällt an den meisten Orten die Entscheidung – vorher passiert wenig, nachher ist es meist zu spät.

Was der 15. Oktober in zwölf Städten bedeutet

„Mitte Oktober alles rein“ ist der Termin, den viele Gartenkalender nennen. Was dieser eine Kalendertag an verschiedenen Orten wirklich bedeutet, zeigt der Vergleich mit den Stationsterminen – die Spalte „± zum 15.10.“ nennt, wie viele Tage der örtliche Planungstermin vor oder nach dem Kalendertermin liegt.

StationLuftfrost: 90 % frostfrei bis± zum 15.10.Bodenfrost: 90 % frostfrei bisLuftfrost bis 15.10.bis 31.10.
Rostock-Warnemünde02.11.+18 Tage15.10.0 %11 %
Kiel-Holtenau20.10.+5 Tage03.10.7 %32 %
München-Stadt19.10.+4 Tage16.10.3 %29 %
Berlin-Tempelhof18.10.+3 Tage19.09.3 %43 %
Frankfurt/Main (Flughafen)17.10.+2 Tage09.10.9 %51 %
Freiburg15.10.0 Tage27.09.11 %40 %
Leipzig/Halle (Flughafen)12.10.−3 Tage30.09.26 %60 %
Hannover12.10.−3 Tage19.09.23 %57 %
Köln/Bonn11.10.−4 Tage27.09.26 %54 %
Hamburg-Fuhlsbüttel08.10.−7 Tage17.09.26 %54 %
Augsburg02.10.−13 Tage18.09.49 %86 %
Nürnberg-Netzstall19.09.−26 Tage25.08.72 %94 %

Eigene Berechnung aus den Stationsterminen; Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025. Die letzten beiden Spalten nennen den Anteil der Jahre mit Luftfrost bis zum jeweiligen Datum.

Derselbe Kalendertag bedeutet also 0 % Risiko in Warnemünde und 72 % Risiko in Nürnberg-Netzstall. In Warnemünde verschenkt die Kalenderregel 18 Tage Terrassensaison; in der fränkischen Beckenlage kommt sie fast vier Wochen zu spät. Und die Bodenfrost-Spalte verschiebt das Bild noch einmal: In Berlin-Tempelhof, Hannover und Hamburg beginnt das Bodenfrost-Risiko schon Mitte bis Ende September – knapp vier Wochen vor dem Kalendertermin.

Nord und Süd, Küste und Mittelgebirge: die Termine der Bundesländer

Auf Landesebene liegen zwischen dem frühesten und dem spätesten Bundesland knapp drei Wochen. Die Mittelwerte taugen zur groben Einordnung – für die Planung bleibt der Stationstermin maßgeblich.

BundeslandStationenLuftfrost: 90 % frostfrei bisBodenfrost: 90 % frostfrei bis
Sachsen2702.10.16.09.
Bayern7803.10.20.09.
Thüringen2205.10.19.09.
Sachsen-Anhalt2007.10.19.09.
Brandenburg2208.10.23.09.
Hessen3109.10.25.09.
Baden-Württemberg5010.10.22.09.
Hamburg211.10.26.09.
Nordrhein-Westfalen3113.10.26.09.
Berlin415.10.28.09.
Rheinland-Pfalz2415.10.30.09.
Saarland716.10.04.10.
Niedersachsen3216.10.28.09.
Mecklenburg-Vorpommern2318.10.01.10.
Bremen219.10.07.10.
Schleswig-Holstein2121.10.02.10.

Mittel der Stationstermine je Land; Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025. Stadtstaaten mit zwei bis vier Stationen sind statistisch dünn.

Sachsen, Bayern und Thüringen führen die Liste an – wegen der Mittelgebirge und des Alpenvorlands, nicht wegen der geografischen Breite. Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern bilden das Ende, weil Nord- und Ostsee bis in den Herbst Wärme abgeben. Bemerkenswert: In jedem Bundesland liegt der Bodenfrost-Termin im September oder in der ersten Oktoberwoche.

Was heißt das für Ihre Pflanzen?

Der erste Frost ist kein Ereignis, sondern drei verschiedene – je nachdem, wie viel Kälte eine Pflanze verträgt. Das Fachwiki Hortipendium, getragen unter anderem von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz, teilt Kübelpflanzen in genau diese Stufen ein, und die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hält fest, dass die Pflanzen so spät wie möglich hereingeholt werden sollten, damit die Überwinterungsphase kurz bleibt:

  • Vor den ersten Frösten hinein: Engelstrompete, Bougainvillea, Banane, Korallenstrauch, Hibiskus. Für sie ist der Bodenfrost-Termin Ihrer Station der Anhaltspunkt – der liegt bundesweit im Median am 23. September.
  • Ab etwa −5 °C hinein: Schönmalve, Kassie, Zitrusarten, Akazie. Diese Gruppe darf den Luftfrost-Termin abwarten und übersteht auch die erste leichte Frostnacht meist unbeschadet. Oleander führt Hortipendium nicht in der Gruppe für strengen Frost; mit einer Schwelle um −5 °C (Hortipendium: Nachtfrost bis −6 °C) gehört er hierher – im Kübel holen Sie ihn bei angekündigten −3 bis −4 °C herein.
  • Erst bei strengem Frost hinein: Mispel, Lorbeer, Olive, Granatapfel. Wo genau die Grenze liegt, sind sich die Fachquellen nicht einig – die Angaben reichen von −5 bis −10 °C; für Töpfe planen wir mit −5 °C, weil im Kübel die Wurzel die Schwachstelle ist. Hier entscheidet ohnehin nicht der erste Frost, sondern der erste strenge: −5 °C fallen im Median der Stationen erst am 5. Dezember und überhaupt nur in 81 % der Jahre bis zum Jahresende, −10 °C sogar nur in 37 %.

Für den Garten gilt dieselbe Staffelung: Kürbisse müssen spätestens vor dem ersten Frost geerntet sein, besser schon bevor die Temperaturen unter 5 °C fallen – so das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) auf landwirtschaft.de – ob sie bis dahin überhaupt reif werden, hängt vom Pflanztermin ab (Kürbis pflanzen: Termin je Ort und Reife-Rechnung). Bohnen und Basilikum sind bei der ersten Bodenfrostnacht dahin, das Dahlienlaub wird zuerst an den untersten Blättern glasig und erst durch Luftfrost ganz schwarz – Feldsalat, Grünkohl und Rosenkohl fangen dann erst an. Bei Dahlien ist das schwarze Laub allerdings kein Schaden, sondern das Startsignal zum Ausgraben: Dahlien ausgraben – der Termin nach dem ersten Frost. Und wer im Spätsommer noch Erdbeeren setzen will, rechnet vom ersten Bodenfrost sechs Wochen Anwachszeit zurück – den spätesten Pflanztermin je Ort nennt Erdbeeren pflanzen.

Einige Fälle lohnen den genaueren Blick, deshalb behandeln wir sie separat: Kübelpflanzen einräumen: der Termin für Ihren Ort als Überblick über alle Gruppen, dazu die Arten, bei denen am meisten schiefgeht – Geranien überwintern, Oleander überwintern und Olivenbaum überwintern: muss er überhaupt rein?. Für die Nächte dazwischen gilt dasselbe wie im Frühjahr: Eine Lage Vlies bringt in klaren Nächten etwa zwei bis drei Grad, zwei Lagen bis zu vier bis fünf – was sie leistet und wo sie versagt, steht im Artikel Vlies-Frostschutz: Puffer und Grenzen.

Im Frühjahr läuft die Rechnung rückwärts: Dann brauchen Tomaten, Gurken und Paprika den Termin, ab dem der Bodenfrost vorbei ist – für Geranien ist es der Tag, an dem sie wieder rausdürfen. Wie belastbar die bekannteste Frühjahrsregel dabei ist, zeigt die Auswertung zu den Eisheiligen.

Höhe, Lage, Senke: warum der Nachbarort früher dran ist

Die Höhenlage erklärt einen Teil der Unterschiede, aber längst nicht alles. Über alle Stationen gemittelt verschiebt sich der Beginn des Frostrisikos je 100 Höhenmeter um gut zwei Tage nach vorn – und das frostsichere Fenster schrumpft von 165 auf 117 Tage.

HöhenstufeStationenFrostrisiko beginntFrostsicheres Fenster
0–100 m11915.10.165 Tage
100–200 m5812.10.161 Tage
200–300 m5309.10.154 Tage
300–500 m9208.10.152 Tage
500–800 m5705.10.146 Tage
über 800 m1721.09.117 Tage

Mittel der Stationstermine je Höhenstufe (Luftfrost); Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025.

Die Lage schlägt die Höhe allerdings regelmäßig. Kempten liegt auf 705 m, das Frostrisiko beginnt dort am 28. September – Nürnberg-Netzstall liegt 336 m tiefer und ist neun Tage früher dran. Der Grund ist die Geländeform: In Mulden, Talböden und auf freien Flächen ohne Bebauung sammelt sich die nächtliche Kaltluft wie Wasser in einer Wanne.

Für Ihren Garten heißt das: Der Stationstermin ist der Ausgangswert, nicht das Ergebnis. Liegt Ihr Grundstück in einer Senke, am Hangfuß oder auf freier Flur, rechnen Sie als Konventionswert fünf bis zehn Tage ab (bei ausgeprägter Senke mehr); ein geschützter Innenhof oder eine Südwand verschiebt den Termin nach hinten. Wie groß diese Unterschiede auf wenigen hundert Metern werden, quantifiziert der Artikel Ihr Garten ist nicht die Wetterstation.

Kommt der erste Frost heute später als früher?

Ja, aber weniger als erwartet – und die Zahl ist eine Tendenz, keine Prognose. Im Vergleich der letzten 15 Herbste mit dem Gesamtzeitraum seit 1991 beginnt das Frostrisiko im Mittel 3,4 Tage später (Median +2 Tage); an 260 von 396 Stationen verschob sich der Termin nach hinten, an 89 nach vorn. Der Median-Termin des ersten Frosts liegt im Mittel 4,1 Tage später.

Das deckt sich mit der Beobachtung des Deutschen Wetterdienstes, der in seiner Herbstzwischenbilanz vom Oktober 2024 festhält, dass sich der erste Frost „für die Mehrzahl der Stationen in den letzten Jahren nach hinten verschoben“ hat. Ein 15-Jahres-Fenster reagiert allerdings empfindlich auf einzelne Ausreißerjahre – als Planungsgrundlage taugt der Trend nicht, als Richtung schon.

Der größere Teil der längeren Gartensaison entsteht ohnehin im Frühjahr. Das Umweltbundesamt beziffert die Verlängerung der Vegetationsperiode seit 1961 auf mehr als 26 Tage (2024: rund 248 Tage) – der Blühbeginn liegt heute 12 bis 22 Tage früher als 1960, der Laubfall der Stieleiche nur gut 7 Tage später. Warum ein späterer Frost trotzdem kein Freibrief ist, erklärt der Artikel Warum Spätfrost trotz Klimawandel gefährlicher wird.

Methodik: So sind die Termine entstanden

Alle Zahlen dieser Seite lassen sich mit frei verfügbaren Daten des Deutschen Wetterdienstes nachrechnen.

PunktFestlegung
DatenquelleDeutscher Wetterdienst, Climate Data Center (Open Data), Tageswerte „KL“; Auswertung vom 20. August 2026
MessgrößenLuftfrost: Tagesminimum in 2 m Höhe unter 0 °C. Bodenfrost: Tagesminimum 5 cm über dem Erdboden unter 0 °C – das ist eine Lufttemperatur knapp über der Oberfläche, nicht die Temperatur in der Erde
ZeitraumHerbste 1991–2025 (35 Jahre), Halbjahr Juli–Dezember; Trendfenster: die letzten 15 Herbste
StationenAlle aktiven Klimastationen mit mindestens 20 gültigen Herbsten: 396 für Luftfrost, 392 auch mit Bodenmessung
Erster FrostJe Jahr der erste Tag ab 1. Juli mit Minimum unter 0 °C
TerminePerzentile der Jahreswerte je Station. „90 % noch frostfrei“ = Tag, bis zu dem in 9 von 10 Jahren kein Frost auftrat; „Median“ = in der Hälfte der Jahre früher, in der Hälfte später
Stichtags-RisikenJahr für Jahr ausgezählt, nicht aus Perzentilen interpoliert; bundesweite Werte sind Mittel über die Stationen
KalenderFester 365-Tage-Kalender, damit Schaltjahre die Termine nicht verschieben

Drei Grenzen gehören dazu. Station ist nicht Garten: Klimastationen stehen auf Freiflächen, Flugplätzen und am Stadtrand – Ihr Grundstück kann um Tage bis Wochen abweichen. 35 Jahre sind kein Naturgesetz: Ein Termin mit 10 % Restrisiko bedeutet, dass etwa jedes zehnte Jahr aus dem Rahmen fällt. Klimastatistik ist keine Vorhersage: Diese Seite sagt, wie oft etwas vorkam, nicht ob es dieses Jahr passiert.

Nach unserer Recherche (Stand: August 2026) veröffentlicht der Deutsche Wetterdienst für den Herbst Karten mit dem frühesten und spätesten Luftfrost-Termin in 2 m Höhe sowie Wahrscheinlichkeitskarten für Luftfrost; eine flächendeckende Auswertung mit Wahrscheinlichkeitsterminen für Luft und Boden ist uns nicht bekannt. Hinweise auf andere Auswertungen nehmen wir gern auf. Zitiervorschlag: Frostkompass, „Erster Frost“, Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (CDC Open Data), eigene Auswertung, Herbste 1991–2025, Stand August 2026, frostkompass.de/erster-frost/. Wie wir grundsätzlich arbeiten: Über Frostkompass.

Häufige Fragen

Wann kommt der erste Frost in Deutschland?

Im Median der Wetterstationen fällt der erste Luftfrost auf den 24. Oktober. Der Planungstermin liegt früher: Bis zum 11. Oktober blieb die Hälfte der Stationen in 9 von 10 Jahren frostfrei. Die Spanne ist groß – Mittelgebirge und Beckenlagen sind ab Mitte September dran, Küstenorte erst Anfang November.

Wann kommt der erste Frost 2026?

Das lässt sich seriös nicht vorhersagen: Klimastatistik beschreibt die Vergangenheit, für die kommenden Nächte gilt allein die aktuelle Wetterlage des Deutschen Wetterdienstes. Was sich sagen lässt: An einer durchschnittlichen Station gab es bis zum 15. Oktober in 29 % der Jahre schon Luftfrost, bis zum 31. Oktober in 59 %. Den Ortswert nennt der Rechner oben.

Wann kommt der erste Bodenfrost?

Bundesweit im Median am 11. Oktober; bis zum 23. September blieb es an der Hälfte der Stationen in 9 von 10 Jahren bodenfrostfrei. Damit ist der Bodenfrost im Median 15 Tage vor dem Luftfrost da – an 61 % der Stationen sogar zwei Wochen oder mehr. Bis zum 15. Oktober gab es in 63 % der Jahre schon Bodenfrost.

Was ist der Unterschied zwischen Nachtfrost, Luftfrost und Bodenfrost?

„Nachtfrost“ ist der Alltagsbegriff für Frost in der Nacht und meint meist Luftfrost: Tagesminimum unter 0 °C in 2 m Höhe – das ist der Wert in der Wetter-App. Bodenfrost misst der Deutsche Wetterdienst 5 cm über dem Erdboden; er tritt in klaren, windstillen Nächten schon bei angezeigten +3 bis +5 °C auf.

Ab welcher Temperatur spricht man von Frost?

Von Frost spricht der Deutsche Wetterdienst, wenn die Lufttemperatur – im Regelfall gemessen in 2 m Höhe – unter 0 °C sinkt. Abgestuft wird in leichten Frost (bis −5 °C), mäßigen Frost (−5 bis −10 °C), strengen Frost (−10 bis −15 °C) und sehr strengen Frost darunter. Für Pflanzen ist neben der Tiefe auch die Dauer entscheidend.

Wann muss ich Kübelpflanzen reinholen?

Gestaffelt nach Frosthärte: Engelstrompete, Bougainvillea, Banane und Hibiskus vor den ersten Frösten, Zitrusarten und Schönmalve etwa ab −5 °C, Olive, Lorbeer und Granatapfel ausgepflanzt erst unter −10 °C (Angaben der Gartenakademie Rheinland-Pfalz), im Kübel planen wir mit −5 °C. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät, Kübelpflanzen so spät wie möglich hereinzuholen – der Ortstermin oben sagt Ihnen, wie lange „möglich“ bei Ihnen ist.

Kommt der erste Frost durch den Klimawandel später?

Die Tendenz zeigt in diese Richtung: In den letzten 15 Herbsten begann das Frostrisiko im Mittel 3,4 Tage später als seit 1991, an 66 % der Stationen verschob sich der Termin nach hinten. Der Deutsche Wetterdienst beobachtet dasselbe. Ein 15-Jahres-Fenster ist allerdings anfällig für einzelne Ausreißerjahre – als Planungsgrundlage taugt das nicht.

Woher weiß ich, ob es heute Nacht friert?

Nur aus der aktuellen Wetterlage. Frostkompass liefert Klimastatistik, keine Vorhersage und keine Warnung – amtliche Frostwarnungen und die Vorhersage für die kommende Nacht gibt es beim Deutschen Wetterdienst, der dafür auch ein eigenes Produkt zur Frostgefährdung führt. Faustregel für den Garten: klarer Himmel, kein Wind, angesagte Tiefstwerte unter +3 °C – dann am Boden mit Frost rechnen.

Fazit: Ein Termin für Ihren Ort schlägt jeden Kalendertipp

Der erste Frost hat kein bundesweites Datum. Zwischen der frühesten und der spätesten Station liegen Wochen, und am Boden beginnt das Risiko im Median 15 Tage vor dem Luftfrost – ein Vorsprung, den keine Wetter-App anzeigt und der an allen 392 ausgewerteten Stationen in dieselbe Richtung wirkt.

Praktisch heißt das: Holen Sie sich oben den Termin Ihrer Station, ziehen Sie fünf bis zehn Tage ab, wenn Ihr Grundstück in einer Senke oder auf freier Flur liegt, und staffeln Sie danach – erst die empfindlichen Kübel, dann die Kürbisse und Bohnen, zuletzt die frostharten Gehölze. Welche Pflanze wann dran ist und wie das Winterquartier aussehen muss, zeigt der nächste Artikel: Kübelpflanzen einräumen: der Termin für Ihren Ort.

Quellen

Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.