Kurzantwort: Kartoffeln kommen in den Boden zwei Wochen vor dem Tag, ab dem an Ihrem Ort in 9 von 10 Jahren kein Luftfrost mehr auftrat – die Knolle liegt geschützt, der Austrieb dauert 2–3 Wochen. Bundesweit ist das im Median der 24. April; an der Küste und in München-Stadt ab Ende März bis Anfang April, am Oberrhein Anfang bis Mitte April, in Kaltluftlagen erst Anfang Mai. Vorkeimen beginnt 5 Wochen vorher: Frankfurt/Main legt ab 20. April und keimt ab 16. März vor, Hamburg 22. April / 18. März, München-Stadt 6. April / 2. März. Zweite Bedingung: Boden in Pflanztiefe mindestens 8 °C. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026.
Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026
Die Pflanzkartoffeln liegen seit Ende Februar auf der Fensterbank, die Keime sind fünf Zentimeter lang und brechen beim Anfassen ab – und draußen ist der Boden noch kalt. Oder das Gegenteil: Die Knollen kamen brav „nach den Eisheiligen“ ins Beet, und im Juli stehen die Nachbarn schon mit dem Grabegabel-Eimer voll neuer Kartoffeln da, während Ihre gerade erst blühen. Beides hat denselben Grund: Fast jeder Ratgeber beantwortet die Frage „wann Kartoffeln pflanzen“ mit einem Datum für ganz Deutschland – und mit demselben Frosttermin wie für Tomaten.
Dabei sind Kartoffeln die Kultur, die vor dem Frosttermin in den Boden darf. Die Knolle liegt 5 bis 10 cm tief, dort erreicht sie kein Nachtfrost, und bis der erste Trieb die Oberfläche durchstößt, vergehen zwei bis drei Wochen. Noch weiter geht Knoblauch: Er wird schon im Herbst des Vorjahres gesteckt und überwintert im Beet.
Wer also zwei Wochen vor dem 90-%-Termin des letzten Luftfrosts legt, hat die Triebe genau dann über der Erde, wenn der Luftfrost an der Station statistisch vorbei ist. Diese Seite rechnet Ihnen den Termin für Ihren Ort aus 36 Frühjahren DWD-Daten – wie alle Kultur-Seiten unseres Hubs Pflanztermine je Kultur.
Die Kurzantwort lässt zwei Dinge offen: wie groß das Bodenfrost-Risiko für die jungen Triebe nach dem Austrieb an Ihrem Ort wirklich ist – zwischen Köln und Berlin liegen da zwei Tage und sechs Wochen Schutzphase – und wie viel eine Frühkartoffel-Pflanzung unter Vlies tatsächlich an Erntetagen bringt. Beides rechnen wir unten für zwölf Städte und den Beispielort Frankfurt durch.
Kartoffel-Steckbrief: Bodentemperatur, Vorkeimzeit, Pflanz-Regel
Kartoffeln sind Knollenpflanzen aus den Anden: Die Pflanzknolle verträgt kühlen Boden, solange er nicht nass und unter 8 °C ist; das Kraut darüber dagegen erfriert schon bei leichtem Frost. Aus diesem Gegensatz folgt die gesamte Termin-Logik.
| Merkmal | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Frostschaden Kraut | unter 0 °C: Schäden ab −0,6 bis −2,4 °C über 3–4 Stunden; das Kraut friert zurück, die Knolle im Boden bleibt heil | Klimawandel-Informationssystem RLP; LfULG Sachsen |
| Wachstumsstillstand | unter 10 °C Lufttemperatur „nahezu eingestellt“ | DWD Agrarwetter |
| Bodentemperatur zum Legen | mindestens 8 °C in Pflanztiefe, bei langen Keimen besser über 10 °C; kälter liegt die Knolle nur und fault | Hortipendium; LfULG Sachsen; LWK Niedersachsen |
| Wachstum ab | 15–25 °C, optimal um 20 °C; Knollenbildung bei 15–18 °C Bodentemperatur | Hortipendium; DWD Agrarwetter |
| Vorkeimen | 4–6 Wochen vor dem Pflanzen: 2–3 Tage Wärmestoß bei 18–20 °C, dann 10–15 °C hell; Ziel kurze, kräftige Lichtkeime | LfULG Sachsen; Sächsischer Kartoffelverband; Kiepenkerl (12–15 °C) |
| Pflanztiefe | Rillen 5–10 cm tief, Knollen 30–35 cm Abstand, Reihen 60–70 cm | Hortipendium; LfULG Sachsen |
| Austrieb | vorgekeimt 2–3 Wochen nach dem Legen (eigene Herleitung: rund 30 Tage ohne Vorkeimen minus 8–14 Tage Vorsprung durch Vorkeimen, siehe unten – keine Institutionsquelle nennt die Austriebsdauer vorgekeimter Knollen direkt); ohne Vorkeimen im Feldversuch langjährig rund 30 Tage (20–50) | LWK NRW (30 Tage ohne Vorkeimen); Kartoffelvielfalt/Plantura (Vorsprung 8–14 Tage), daraus unsere Rechnung |
| Kartoffeln legen | 90-%-Termin Luftfrost − 14 Tage (unsere Regel, siehe Rechner) | Frostkompass |
| Vorsprung durch Vorkeimen | Austrieb 8–14 Tage früher, Ernte 2–3 Wochen früher | Kartoffelvielfalt; Plantura |
| Reifegruppen | sehr früh 90–110 Tage, früh 110–130, mittelfrüh 130–150, spät 150–170 Tage | Kiepenkerl; Gartenakademie RLP |
Kulturangaben nach Fachquellen (Stand August 2026); Termin-Regel: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.
Faustregel: Kartoffeln legen = Luftfrost-90-%-Termin Ihrer Station − 2 Wochen, sobald der Boden in 10 cm Tiefe 8 °C hat. Vorkeimen = Pflanztermin − 5 Wochen, hell bei 10–15 °C. Nach dem Austrieb Erde oder Vlies griffbereit halten, bis auch der Bodenfrost an Ihrer Station vorbei ist.
Ihr Pflanz-Termin für Kartoffeln
Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Ort ein. Der Rechner sucht die nächste DWD-Klimastation, nimmt deren 90-%-Termin für Luftfrost und zieht 14 Tage ab – weil die Triebe erst zwei bis drei Wochen nach dem Legen erscheinen. Fünf Wochen vor dem Pflanztermin liegt der Start fürs Vorkeimen. Darunter sehen Sie die Luftfrost-Termine der Station (50, 80 und 90 %) und die Bodenfrost-Termine, die für die jungen Triebe zählen. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage: Für die Pflanzwoche selbst zählen Bodenthermometer und Wetterbericht.
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026, keine Wettervorhersage. Wie der Rechner Stationen zuordnet und Perzentile bildet, steht auf der Frostrechner-Seite (Stationswahl, Perzentile). Der Rechner nimmt dabei die Station, die Ihrer Postleitzahl am nächsten liegt – in großen Städten kann das eine andere sein als die in den Tabellen genannte: Zwischen Stadt- und Umlandstation liegen dort bis zu drei Wochen.
Kartoffeln pflanzen in Nürnberg, Rostock, Freiburg und neun weiteren Städten
Wie weit „Mitte April“ von der Wirklichkeit entfernt liegt, zeigen zwölf Stationen. „Pflanzen ab“ ist der Luftfrost-90-%-Termin minus 14 Tage, „Vorkeimen ab“ liegt fünf Wochen davor:
| Station | Luftfrost 90 % vorbei | Kartoffeln pflanzen ab | Vorkeimen ab |
|---|---|---|---|
| Rostock-Warnemünde | 10.04. | 27.03. | 20.02. |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 06.05. | 22.04. | 18.03. |
| Hannover | 08.05. | 24.04. | 20.03. |
| Berlin-Tempelhof | 21.04. | 07.04. | 03.03. |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 24.04. | 10.04. | 06.03. |
| Düsseldorf | 06.05. | 22.04. | 18.03. |
| Köln/Bonn | 13.05. | 29.04. | 25.03. |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 04.05. | 20.04. | 16.03. |
| Stuttgart (Schnarrenberg) | 21.04. | 07.04. | 03.03. |
| Freiburg | 29.04. | 15.04. | 11.03. |
| Nürnberg-Netzstall | 22.05. | 08.05. | 03.04. |
| München-Stadt | 20.04. | 06.04. | 02.03. |
| Deutschland, Median aller 410 Stationen | 08.05. | 24.04. | 20.03. |
Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, je 35–36 Frühjahre 1991–2026; Termine gelten für den Standort der Station und setzen 8 °C Bodentemperatur voraus. Nürnberg-Netzstall und Berlin-Tempelhof sind Freiflächen-Lagen mit ausgeprägten Strahlungsnächten – ein Stadtgarten ist dort früher dran. Bei den frühesten Terminen – Rostock-Warnemünde (27.03.), München-Stadt (06.04.) und Stuttgart (07.04.) – ist die 8-°C-Bodentemperatur zu diesem Kalenderdatum erfahrungsgemäß oft noch nicht erreicht: Dort ist das Bodenthermometer keine Kür, sondern Voraussetzung, und wer misst, legt an diesen Stationen häufiger einige Tage bis eine Woche später als der reine Frost-Termin nahelegt.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt die Spanne bei sechs Wochen: Rostock und Stuttgart legen Ende März bis Anfang April, Nürnberg-Netzstall erst Anfang Mai – und Köln/Bonn, klimatisch mild, kommt wegen seiner spät endenden Luftfröste auf den 29. April, später als Berlin. Zweitens ist der weit verbreitete Rat „Vorkeimen ab Februar“ nur an der Küste richtig; in Hamburg, Hannover und Düsseldorf beginnt das Vorkeimen erst Mitte März. Wer dort im Februar anfängt, hat am Pflanztag acht Wochen alte, lange Keime, die beim Legen abbrechen.
Frostrisiko nach dem Austrieb: Wie lange die Triebe in Berlin, Hamburg und München Schutz brauchen
Der Pflanztermin ist bei Kartoffeln nur die halbe Rechnung. Die Knolle ist am Legetag sicher – die Triebe, die drei Wochen später erscheinen, sind es nicht: Sie stehen in genau der Höhe, in der der Deutsche Wetterdienst den Bodenfrost misst (5 cm über Grund), und dieser endet an den meisten Stationen Wochen nach dem Luftfrost.
Wir haben deshalb für dieselben zwölf Städte ausgerechnet, wann die Triebe sichtbar werden (Pflanzen + 21 Tage), wie oft es in dieser Woche noch Bodenfrost gab – und wie viele Tage bis zum Bodenfrost-90-%-Termin der Station bleiben, in denen Sie Erde oder Vlies bereithalten sollten:
| Station | Pflanzen ab | Triebe sichtbar ca. | Bodenfrost in der Austriebswoche (Anteil der Jahre) | Boden zu 90 % frostfrei ab | Schutzphase |
|---|---|---|---|---|---|
| Berlin-Tempelhof | 07.04. | 28.04. | 58 % | 06.06. | 39 Tage |
| Rostock-Warnemünde | 27.03. | 17.04. | 44 % | 10.05. | 23 Tage |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 10.04. | 01.05. | 33 % | 23.05. | 22 Tage |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 22.04. | 13.05. | 25 % | 03.06. | 21 Tage |
| Nürnberg-Netzstall | 08.05. | 29.05. | 37 % | 17.06. | 19 Tage |
| Hannover | 24.04. | 15.05. | 25 % | 01.06. | 17 Tage |
| Stuttgart (Schnarrenberg) | 07.04. | 28.04. | 25 % | 13.05. | 15 Tage |
| Freiburg | 15.04. | 06.05. | 17 % | 18.05. | 12 Tage |
| Düsseldorf | 22.04. | 13.05. | 22 % | 24.05. | 11 Tage |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 20.04. | 11.05. | 8 % | 18.05. | 7 Tage |
| München-Stadt | 06.04. | 27.04. | 11 % | 30.04. | 3 Tage |
| Köln/Bonn | 29.04. | 20.05. | 17 % | 22.05. | 2 Tage |
| Deutschland, Median | 24.04. | 15.05. | 24 % | 24.05. | 9 Tage |
Rechenweg: Triebe sichtbar = Pflanztermin + 21 Tage (vorgekeimte Knollen; eigene Herleitung, siehe Steckbrief – keine Institutionsquelle nennt diese Austriebsdauer direkt); „Bodenfrost in der Austriebswoche“ = Anteil der Jahre mit mindestens einer Bodenfrostnacht in dem 5-Tage-Fenster, in das der Austriebstermin fällt; Schutzphase = Tage vom Austrieb bis zum Bodenfrost-90-%-Termin der Station. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026; Bundeswert für das Fenster 11.–15. Mai. Ohne Vorkeimen verschiebt sich der Austrieb um eine gute Woche nach hinten – das Risiko sinkt entsprechend, die Ernte auch.
Die Tabelle zeigt, warum der Pflanztermin allein nicht reicht. In Berlin-Tempelhof kommen die Triebe Ende April heraus, und in 6 von 10 Jahren friert es in genau dieser Woche noch am Boden – die Schutzphase dauert dort fast sechs Wochen. In Köln/Bonn dagegen liegen Austrieb und Bodenfrost-Ende praktisch auf demselben Tag, in Frankfurt und München bleibt eine Woche. Was Sie in dieser Phase tun, steht im Abschnitt zu den Kälteeinbrüchen weiter unten: anhäufeln, solange die Triebe klein sind, Vlies, wenn sie größer werden.
Zwei Zahlen relativieren das Risiko. Die meisten dieser Bodenfrostnächte sind leicht: An einer mittleren Station lagen 77 % der Bodenfrostnächte zwischen Luft- und Bodenfrost-Termin bei höchstens −2 °C – und ein 5 bis 10 cm hoher Kartoffeltrieb steckt einen leichten Frost laut Landwirtschaftskammer NRW „häufig deutlich unkritischer“ weg als eine 20–25 cm hohe Pflanze. Wie kalt diese Nächte werden und was ein Vlies dagegen ausrichtet, rechnet der Artikel Vlies gegen Frost: was es bringt und wann es versagt vor.
Warum Kartoffeln vor dem Frosttermin dürfen – und Tomaten nicht
Die Regel „Luftfrost-90 % minus 14 Tage“ folgt aus drei Fachaussagen, die zusammen ein Zeitfenster ergeben. Erstens: Die Pflanzknolle liegt 5–10 cm tief in einer Rille; ein Nachtfrost kühlt den Damm nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zwar „kurzzeitig auf die Null-Grad-Grenze“ ab, nachhaltige Schäden entstehen aber erst, wenn die Triebe den Boden durchstoßen haben.
Zweitens: Bis dahin vergehen bei vorgekeimten Knollen nach unserer Herleitung zwei bis drei Wochen (siehe Steckbrief oben) – Kiepenkerl selbst nennt dazu keine exakte Austriebsdauer, bestätigt aber für nicht vorgekeimte Knollen, Ende April gelegt, eine Austriebsdauer bis Ende Mai. Drittens: Der Boden muss 8 °C haben – als Faustregel ist das an vielen Orten etwa um den Luftfrost-Median herum erreicht (Bodentemperaturen haben wir nicht ausgewertet; das Bodenthermometer entscheidet).
Der Termin ist also kein Frost-, sondern ein Wachstumstermin: Sie legen die Knolle, während es nachts noch friert, damit sie ihre drei Wochen Austrieb im Boden verbringt, statt später drei Wochen im warmen Beet zu verlieren. Wer erst nach den Eisheiligen legt, erntet an der Median-Station rund drei Wochen später – bei Frühkartoffeln der Unterschied zwischen Juli und August.
Bei Tomaten gilt das nicht: Die Jungpflanze steht vom ersten Tag an mit ihrem ganzen Laub in der Frostzone, deshalb bekommt sie den Bodenfrost-90-%-Termin ohne Abzug. Dahlien liegen dazwischen – auch eine Knolle mit spätem Austrieb, aber mit frostempfindlicheren Trieben und höherem Wärmebedarf, deshalb ohne die 14 Tage Vorsprung.
Achtung: „Nach den Eisheiligen“ ist für Kartoffeln doppelt falsch. Es ist zu spät für die Knolle, die an 9 von 10 Stationen schon vor dem 5. Mai in den Boden darf – und zu früh für das Kraut, denn bodennah friert es an einer mittleren Station im Fenster 16.–20. Mai noch in 21 % der Jahre. Die Knolle braucht den Kalender nicht, das Kraut braucht Erde oder Vlies. Warum die Eisheiligen-Woche selbst nicht die kälteste im Mai ist, zeigt Eisheilige: der Mythos in Zahlen; was Bodenfrost von Luftfrost unterscheidet, der Artikel Bodenfrost.
Frühkartoffeln unter Vlies: was zwei Wochen früher wirklich bringen
Frühkartoffeln pflanzen heißt in den Anbaugebieten Pfalz, Rheinhessen und Niedersachsen: vorgekeimte Knollen früh legen, Lochfolie oder Vlies darüber, das laut LfULG Sachsen „bis etwa Mitte Mai nach den Eisheiligen“ liegen bleibt – es beschleunigt das Wachstum und mindert die Gefahr des Erfrierens bei Spätfrost. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt für den Hausgarten denselben Weg: mit Folie oder Vlies früher als der Standardtermin, Ernte im Mai bis Juni möglich. Für die Station Frankfurt/Main rechnen wir drei Varianten durch:
| Variante (Beispiel Frankfurt/Main) | Legen | Triebe sichtbar ca. | Sehr frühe Sorte erntereif ab etwa | Was dafür spricht |
|---|---|---|---|---|
| Standard, vorgekeimt | 20. April | 11. Mai | 19. Juli | Termin passt zum Luftfrost, 7 Tage Schutzphase |
| Standard, nicht vorgekeimt | 20. April | um 20. Mai | Ende Juli / Anfang August | kein Aufwand, Austrieb nach dem Bodenfrost-Ende |
| Vlies, 2 Wochen früher, vorgekeimt | 6. April | 27. April | 5. Juli | Vlies wärmt den Boden und puffert leichte Nachtfröste |
| Vlies, 3 Wochen früher, vorgekeimt | 30. März | 20. April | 28. Juni | nur bei 8 °C Boden unter dem Vlies; Vlies bis Mitte Mai |
Rechenweg: Triebe sichtbar = Legen + 21 Tage (vorgekeimt, eigene Herleitung, siehe Steckbrief) bzw. + 30 Tage (nicht vorgekeimt, Feldversuchswert der Landwirtschaftskammer NRW); Ernte sehr frühe Sorten = Legen + 90 Tage (Reifegruppe 90–110 Tage). Die Erntetermine sind Größenordnungen: Wer „neue Kartoffeln“ unreif erntet, gräbt früher, wer lagern will, wartet auf abgestorbenes Kraut. Termine: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.
Die Rechnung zeigt zwei Hebel unterschiedlicher Größe. Vorkeimen bringt gegenüber nicht vorgekeimten Knollen 8–14 Tage früheren Austrieb und laut Plantura eine zwei bis drei Wochen frühere Ernte – ohne jedes Risiko, weil der Pflanztermin gleich bleibt.
Das Vlies bringt noch einmal zwei bis drei Wochen, kauft sie aber mit Risiko: Am 6. April ist der Boden in Frankfurt erfahrungsgemäß oft noch keine 8 °C warm (Faustregel, nicht ausgewertet), und die Triebe erscheinen am 27. bzw. 20. April in Fenstern, in denen es am Flughafen in 28 bzw. 58 % der Jahre am Boden friert. Ohne Vlies ist die Drei-Wochen-Variante deshalb keine Frühkartoffel-Strategie, sondern eine Wette gegen das Kraut.
Die frühe Ernte hat einen Nebeneffekt: Das Beet ist im Juli frei, bevor die Pflanzzeit für Erdbeeren endet – sie dürfen bis sechs Wochen vor dem ersten Bodenfrost in den Boden, bundesweit im Median bis 12. August. Den Termin für Ihren Ort nennt die Seite Erdbeeren pflanzen: Termin je Ort.
Beet, Hochbeet, Kübel: wo der Termin vom Stationswert abweicht
Der Stationstermin gilt für das Beet in ebener Lage. Hochbeet und Kübel erwärmen sich schneller, Senken und freie Flächen kühlen stärker aus – und bei Kartoffeln kommt die Bodentemperatur als zweite Bedingung dazu:
| Standort | Kartoffeln legen | Woran sich der Termin orientiert |
|---|---|---|
| Beet, ebene Lage | Luftfrost-90 % − 14 Tage | Stationstermin; Boden in 10 cm Tiefe ≥ 8 °C |
| Hochbeet | oft 5–7 Tage vor dem Beet-Termin | Substrat erreicht die 8 °C früher; Triebe später anhäufeln oder Vlies |
| Kübel, Pflanzsack an Südwand | Luftfrost-90 % − 14 Tage, notfalls früher | Erde im Gefäß erwärmt sich schnell; bei Frost lässt sich der Kübel verrücken oder abdecken |
| Senke, Hangfuß, Waldrand, freie Fläche | Stationstermin + 5–10 Tage (Konventionswert) | Kaltluftsee in klaren Nächten; die Landwirtschaftskammer NRW nennt Senken, Gewässernähe und Hecken am Hangfuß als typische Spätfrost-Lagen |
Der Kübel ist bei Kartoffeln die entspannteste Variante: 30–40 Liter Erde je zwei Knollen erwärmen sich an einer Südwand Wochen vor dem Gartenboden auf 8 °C, und ein Kübel mit 10 cm hohen Trieben ist in einer kalten Nacht mit einer umgestülpten Kiste geschützt. Wie Sie Ihre Lage einordnen und wie viele Tage Zuschlag oder Abschlag sie verdient, erklärt der Artikel Mikroklima im Garten: Senke, Hang, Hauswand.
Zu früh gelegt oder Frost auf dem Kraut: Folgen und was jetzt hilft
Zu früh gelegt zeigt sich nicht an der Oberfläche, sondern darunter: In Boden unter 8 °C tut die Knolle nichts, saugt sich in nassem Boden voll und wird von Fäulniserregern besiedelt – die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt genau das als Ursache für lückiges Auflaufen. Abhilfe ist ein Bodenthermometer für zehn Euro: morgens in 10 cm Tiefe gemessen, drei Tage hintereinander 8 °C, dann legen. Der Stationstermin sagt, ab wann sich das Messen lohnt.
Frost auf dem Kraut ist der zweite Fall, und er ist weniger dramatisch, als er am nächsten Morgen aussieht. Die LfULG-Broschüre für Haus- und Kleingärten schreibt: Zeitig gepflanzte Kartoffeln, die Frost abbekommen, „können zurückfrieren“, eine leichte Verbräunung der Blätter „verwächst sich wieder“.
Das Klimawandel-Informationssystem Rheinland-Pfalz beziffert die Folgen: Starke Frostschäden verzögern die Knollenbildung um etwa zwei Wochen, und der Ertrag wird dann laut Quelle „signifikant reduziert“; nur bei geringem bis mittlerem Schaden im frühen Entwicklungsstadium bleibt er unverändert. Bei starkem Schaden ist also mit einem spürbaren Minderertrag zu rechnen, ein Totalverlust ist es aber nicht, solange die Knolle im Boden gesund ist und die Sorte nachtreibt.
Zwei Maßnahmen für die Schutzphase, beide ohne jedes Mittel, das nicht in unser Feld gehört:
- Anhäufeln, solange die Triebe klein sind: Bei angekündigtem Frost die 5–10 cm hohen Triebe abends komplett mit lockerer Erde bedecken – der Sächsische Kartoffelverband empfiehlt das für die Eisheiligen-Zeit. Die Triebe wachsen in wenigen Tagen wieder heraus. Bei 20–25 cm hohen Pflanzen geht das nicht mehr – und genau die sind laut Landwirtschaftskammer NRW am empfindlichsten, denn „jeder Zentimeter Wachstum setzt die Frosttoleranz weiter herab“.
- Vlies über größere Pflanzen: Ein Vlies bringt in klaren Nächten wenige Grad – für die typische −1-°C-Bodenfrostnacht der Schutzphase genug, für strengen Frost nicht. Die Bayerische Gartenakademie rät, das Vlies bei Frostgefahr aufzulegen und es bei früher Pflanzung schon ab dem Legen zu nutzen, weil es den Boden erwärmt.
Tipp: Legen Sie sich drei Kalendereinträge: den Vorkeim-Start (Pflanztermin − 5 Wochen), den Pflanztermin Ihrer Station (ab dann Bodenthermometer prüfen) und den Bodenfrost-90-%-Termin – bis dahin täglich die Nachtwerte im Blick behalten, ab dann ist die Schutzphase vorbei.
Für die konkrete Nacht gilt: Prognose ist Sache des Deutschen Wetterdienstes und der Wetter-Apps – unsere Termine sagen, wie oft es in 36 Frühjahren nach einem Datum noch kalt wurde, nicht, ob es dieses Jahr passiert.
Häufige Fragen
Wann Kartoffeln vorkeimen?
Ab 20. März im Bundesmedian – fünf Wochen vor dem Pflanztermin Ihres Orts, in München-Stadt ab 2. März, in Hamburg ab 18. März. Bedingung: hell bei 10–15 °C in Eierkartons oder flachen Kisten, nach zwei bis drei Tagen Wärmestoß bei 18–20 °C; Ziel sind kurze, kräftige Keime. Wer im Februar beginnt, hat am Pflanztag lange Keime, die abbrechen.
Kann man Kartoffeln vor den Eisheiligen pflanzen?
Ja, im Bundesmedian schon am 24. April – zwei Wochen vor dem Luftfrost-90-%-Termin, an 9 von 10 Stationen vor dem 5. Mai. Bedingung: mindestens 8 °C Boden in Pflanztiefe; die Knolle liegt frostgeschützt, nur die Triebe brauchen bei Frost Erde oder Vlies. Wie oft es in der Eisheiligen-Woche tatsächlich fror, zeigt Eisheilige in Zahlen: Jahresmatrix seit 1991.
Welche Bodentemperatur brauchen Kartoffeln zum Pflanzen?
Mindestens 8 °C in 5–10 cm Tiefe, bei Knollen mit langen Keimen laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen besser über 10 °C. Als Faustregel ist die Marke an vielen Orten um den Median-Termin des letzten Luftfrosts erreicht (nicht ausgewertet, messen Sie nach); ein Vlies auf dem Beet bringt sie eine Woche früher. In kälterem, nassem Boden wartet die Knolle nur und fault leichter – morgens mit dem Bodenthermometer messen.
Kartoffeln erfroren – was tun?
Nichts abschneiden, abwarten: Zurückgefrorenes Kraut treibt aus der Knolle nach, eine leichte Blattverbräunung verwächst sich laut LfULG Sachsen wieder. Bei starkem Schaden nennt das Klimawandel-Informationssystem Rheinland-Pfalz zwei Wochen Verzögerung der Knollenbildung und einen „signifikant“ geringeren Ertrag – ein Minderertrag, aber kein Totalverlust. Bei neuer Frostwarnung kleine Triebe anhäufeln, größere mit Vlies abdecken.
Wann Frühkartoffeln pflanzen?
Vorgekeimt zum Stationstermin – in Frankfurt ab 20. April –, mit Vlies zwei bis drei Wochen früher, dort also ab 6. April oder 30. März. Bedingung: 8 °C Boden unter dem Vlies; es bleibt nach LfULG-Empfehlung bis etwa Mitte Mai liegen und schützt die Triebe vor leichtem Frost. Sehr frühe Sorten sind rund 90 Tage nach dem Legen erntereif.
Bis wann kann man Kartoffeln pflanzen?
Rückwärts vom ersten Herbstfrost gerechnet, der bundesweit im Median am 24. Oktober fällt: späte Sorten (150–170 Tage) spätestens zwischen Anfang und Ende Mai, mittelfrühe (130–150 Tage) zwischen Ende Mai und Mitte Juni, sehr frühe (90–110 Tage) zwischen Anfang und Ende Juli als zweiter Satz. Bedingung ist die Abreife vor diesem Frost; der 24. Oktober ist der Median, in jedem zweiten Jahr kommt der Frost früher – wer sicher gehen will, zieht zwei bis drei Wochen ab, in Kaltluftlagen mit frühem Herbstfrost mehr.
Fazit: Erst der Ort, dann der Kalender – und die Knolle darf vor dem Frost
Kartoffeln sind die Kultur, bei der „nach den Eisheiligen“ die meiste Zeit kostet: Die Knolle darf zwei Wochen vor dem Luftfrost-90-%-Termin Ihrer Station in den Boden, sobald der 8 °C hat – im Median am 24. April, in München und Stuttgart Anfang April, in Nürnberg-Netzstall Anfang Mai. Fünf Wochen davor beginnt das Vorkeimen, drei Wochen danach erscheinen die Triebe, und ab dann bis zum Bodenfrost-Termin Ihrer Station gehören Erde und Vlies in Reichweite – in Köln zwei Tage lang, in Berlin-Tempelhof sechs Wochen.
Wer Kartoffeln so früh legt, hat im Beet daneben meist noch Platz für die zweite Kultur, die vor dem Bodenfrost-Termin darf – wie Sie Salat ab dem Luftfrost-Termin säen und pflanzen, zeigt die Seite Wann Salat pflanzen.
Quellen
- Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center, Tageswerte der Lufttemperatur in 2 m und 5 cm Höhe, Frühjahre 1991–2026 (406–410 Stationen); eigene Auswertung. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage.
- Deutscher Wetterdienst, Agrarwetter: „Temperaturen in Kartoffeln“
- Klimawandel-Informationssystem Rheinland-Pfalz: „Kartoffel“
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) / Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL): „Kartoffeln – Anbau im Haus- und Kleingarten“ (3. Auflage 2016)
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Rundbrief Kartoffeln Westmünsterland, Ausgabe 10 vom 5. März 2021
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Kartoffelpflanzung – Auflaufschäden minimieren“
- Bayerische Gartenakademie (LWG): Gemüseblog „Kartoffel vorkeimen für eine frühere Ernte“ (2025)
- Gartenakademie Rheinland-Pfalz: „Kartoffelanbau im eigenen Garten“
- Sächsischer Kartoffelverband: „Kartoffelanbau im Garten“
- Hortipendium: „Kartoffeln im Hausgarten“
- Kiepenkerl: Kulturanleitung Kartoffeln (Vorkeimdauer, nicht die Austriebsdauer)
- Kartoffelvielfalt: Vorkeimen von Pflanzkartoffeln
- Plantura: Frühkartoffeln
Die Austriebsdauer „2–3 Wochen“ für vorgekeimte Knollen ist eine eigene Herleitung (LWK NRW minus Vorkeim-Vorsprung), keine Institutionsquelle nennt sie direkt.
Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.