Schnelle Antwort: Ein Olivenbaum (Olea europaea) muss nicht zwingend ins Haus. Fachquellen nennen als Grenze für den Aufenthalt im Freien etwa −10 °C (Hortipendium, Gartenakademie Rheinland-Pfalz, LWG Bayern); die Royal Horticultural Society führt die Art als Härtegrad H4 (−10 bis −5 °C). Dieser Wert wird im Herbst seltener erreicht als gedacht: An einer durchschnittlichen deutschen Wetterstation fielen −10 °C bis zum Jahresende nur in 37 % der Jahre, im Median erst am 27. Dezember. −5 °C dagegen in 81 % der Jahre, im Median am 5. Dezember. Im Kübel ist die Wurzel die Schwachstelle, nicht das Blatt — dort gilt die −5-°C-Marke. Winterquartier: hell, unter 10 °C, sparsam gießen. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 396 Stationen, Halbjahre Juli–Dezember 1991–2025.
Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026
Am Baumarkt-Etikett steht „winterhart bis −15 °C“, im Gartenratgeber steht „ab Oktober ins Winterquartier“ — und im Kübel steht ein Baum, der beides nicht lesen kann. Wer einen Olivenbaum überwintern will, findet für jede Antwort eine Quelle und für keine eine Zahl, die zum eigenen Wohnort passt.
Dabei ist die entscheidende Frage bei der Olive gar nicht „wann reinholen“, sondern: muss sie überhaupt rein? Die Art verträgt einige Minusgrade. Ob diese Minusgrade bei Ihnen überhaupt fallen, ist keine Pflanzenfrage, sondern Klimastatistik — und genau die liefert diese Seite aus der Rubrik Erster Frost im Herbst: Termine für die Schwellen 0 °C, −5 °C und −10 °C, ausgezählt aus 35 Jahren DWD-Daten (1991–2025).
Die Kurzantwort lässt drei Dinge offen. Erstens endet das Rechenfenster unserer DWD-Auswertung am 31. Dezember — Januar und Februar sind die kältesten Monate und in diesen Zahlen nicht enthalten. Zweitens entscheidet nicht die Tiefsttemperatur allein, sondern auch, wie lange sie anhält. Drittens gilt der Wert „−10 °C“ für den Baum, nicht für seinen Wurzelballen. Welche der drei Empfehlungsklassen für Ihre Stadt gilt, zeigt die Tabelle im Abschnitt „Bleibt sie draußen?“.
Zur Einordnung der Olive innerhalb aller Terrassenpflanzen — welche Art wann in welche Gruppe gehört — liegt die Übersicht auf unserer Seite Kübelpflanzen einräumen. Hier geht es nur um die Olive.
Wie viel Frost verträgt ein Olivenbaum? Vier Angaben, eine Spanne
Die Frosttoleranz der Olive ist keine feste Zahl, sondern eine Spanne — und die vier belastbarsten Angaben liegen erstaunlich nah beieinander.
| Quelle | Angabe | Bezug |
|---|---|---|
| Hortipendium (DLR Rheinpfalz / Gartenakademie RLP) | „verträgt Temperaturen bis −10 °C„, möglichst spät einwintern | Kübelpflanze im Freien |
| LWG Bayern, Bayerische Gartenakademie | Mittelmeergewächse (Olive, Oleander, Feige, Lorbeer, Rosmarin) halten bis −10 °C | Kübelpflanze im Freien |
| Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen | nennt kurzzeitig bis −5 °C für Oleander, Feige und Granatapfel (Pressemeldung 2011); die Olive führt sie dabei nicht auf. Winterquartier für Kübelpflanzen: hell und luftig bei 5–10 °C | Kübelpflanzen im Freien (Olive nicht genannt) |
| Royal Horticultural Society | Härtegrad H4 = −10 bis −5 °C, geschützter, vollsonniger Standort | Ausgepflanzt (Großbritannien) |
Der scheinbare Widerspruch zwischen den −5 °C, die die Landwirtschaftskammer NRW für robuste Arten wie Oleander, Feige und Granatapfel nennt, und den −10 °C von Hortipendium und LWG für die Olive löst sich über ein Wort auf: kurzzeitig. Eine Frostnacht mit −8 °C und Sonne am nächsten Mittag ist etwas anderes als eine Woche Dauerfrost.
Genau darauf zielt auch die Fachliteratur. Die Übersichtsarbeit von Petruccelli und Kollegen (Zeitschrift Plants, 2022) hält fest, dass die Schadschwellen der Olive von der Jahreszeit und der phänologischen Phase abhängen — und dass junge Pflanzen empfindlicher sind als ältere, gut verholzte.
💡 Faustregel: Bei der Olive ist „bis −10 °C“ eine Nacht-Angabe, keine Winter-Angabe. Je länger der Frost anhält, desto weiter rutscht die tolerierte Temperatur nach oben — und desto wichtiger wird der Schutz des Topfes.
Sorte und Alter: viel behauptet, wenig belegt
Im Handel kursieren Sortenangaben von −12 bis −20 °C, häufig für ‚Frantoio‘ oder ‚Leccino‘. Nach unserer Recherche (Stand August 2026) fanden wir für diese Zahlen keine Angabe einer Fachinstitution — weder bei Hortipendium noch bei der LWG oder der RHS —, sondern nur Verkaufstexte; wir übernehmen sie deshalb nicht.
Belegt sind zwei andere Punkte: Sorten unterscheiden sich in der Kältetoleranz messbar (Petruccelli et al. nennen unter anderem ‚Leccino‘ als vergleichsweise tolerant), und die Abhärtung im Herbst ist entscheidend. Dieselbe Arbeit beschreibt, dass eine warme Zwischenphase von ein bis zwei Wochen bei rund 16 °C zu einer vorzeitigen „Ent-Härtung“ führen kann — die Pflanze verliert Frosttoleranz, die sie schon aufgebaut hatte.
Praktisch heißt das: Eine Olive, die im November drei Wochen im warmen Wohnzimmer stand und danach wieder hinaus soll, verträgt weniger als eine, die durchgehend draußen kühl geworden ist.
Blatt, Trieb, Wurzel: drei Schäden, drei Schwellen
Der wichtigste Satz dieses Artikels steht in einer Laborreihe: Die empfindlichste Stelle der Olive ist nicht das Blatt, sondern die Wurzel. Petruccelli et al. fassen die von Larcher bestimmten LT50-Werte zusammen — die Temperatur, bei der die Hälfte der geprüften Pflanzen abstirbt.
| Pflanzenteil | LT50 (Labor) | Bedeutung im Kübel |
|---|---|---|
| Zweigkambium und Holz | −16 °C | Der Trieb ist das Robusteste am Baum |
| Blätter | −12 °C | Blattschaden ist ärgerlich, aber selten tödlich |
| Knospen | −8 °C | Kostet Zuwachs und Blüte im Folgejahr |
| Wurzelkambium | −6 °C | Die eigentliche Schwachstelle — und im Topf ungeschützt |
Diese Werte (Larcher, zitiert nach Petruccelli et al. 2022) stammen aus dem Labor an abgehärteten Pflanzenteilen, nicht aus einem Kübel auf einer Terrasse. Die Rangfolge ist aber der Grund, warum die Olive im Boden ganz andere Winter übersteht als im Gefäß: Ausgepflanzte Wurzeln liegen unter einer Erdschicht, die selbst bei strengem Frost selten unter wenige Minusgrade kommt. Ein Topfballen dagegen nimmt in einer kalten Woche annähernd die Lufttemperatur an — von allen Seiten.
⚠️ Konsequenz für die Terminfrage: Für eine ausgepflanzte, eingewachsene Olive ist die −10-°C-Marke die richtige Größe. Für eine Olive im Kübel ist es nach den LT50-Werten (Petruccelli et al. 2022) die −5-°C-Marke — und die fällt nach unserer DWD-Auswertung an fast jedem Ort in Deutschland deutlich häufiger. Wer den Topf gut einpackt, verschiebt sich in Richtung der oberen Marke, ohne sie ganz zu erreichen.
Wann fallen −5 und −10 °C? Die Termine aus 35 Herbsten
Erst die Kälteschwelle plus der Ort ergeben ein Datum. Unsere Auswertung von 396 DWD-Stationen zählt für jedes Jahr den ersten Tag im zweiten Halbjahr, an dem das Tagesminimum die jeweilige Schwelle erreicht.
| Schwelle | Jahre mit Erreichen (bis 31.12.) | 10-%-Termin | Median-Termin |
|---|---|---|---|
| unter 0 °C (erster Frost) | 100 % | 11.10. | 24.10. |
| −5 °C erreicht | 81 % | 14.11. | 05.12. |
| −10 °C erreicht | 37 % | 09.12. | 27.12. |
So lesen Sie die Spalten: Der 10-%-Termin ist der Tag, bis zu dem die Schwelle in unserer DWD-Auswertung (1991–2025) in 9 von 10 Jahren noch nicht erreicht war — der sichere Planungstermin. Der Median ist der typische Fall: in der Hälfte der Jahre früher, in der Hälfte später.
Der Abstand zwischen den Schwellen ist bemerkenswert konstant: Nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) vergehen vom ersten Frost bis zu −5 °C im Median 41 Tage, von −5 °C bis −10 °C weitere 31 Tage. Wer also den ersten Frost seines Orts kennt, hat für die Olive rund sechs Wochen Puffer.
Nach Höhenstufen sortiert wird der Befund noch deutlicher (DWD-Stationen, 1991–2025). Unter 100 Metern wurde die −10-°C-Marke bis Jahresende nur in 28 % der Jahre erreicht, zwischen 300 und 500 Metern in 41 %, erst zwischen 500 und 800 Metern in 52 %. An den Nordsee-Inselstationen Helgoland, Norderney und Borkum lag der Anteil in 35 Jahren bei 0 %, in Essen-Bredeney bei 6 %.
Diese Zahlen sind Klimastatistik, keine Vorhersage und keine Frostwarnung. Ob es in der kommenden Nacht friert, sagt Ihnen nur die aktuelle Lage; amtliche Warnungen gibt der Deutsche Wetterdienst heraus. Wie der Rechner Stationen zuordnet, steht auf der Frostrechner-Seite mit Methodik.
Bleibt sie draußen? Die Entscheidung für Düsseldorf, Leipzig, Nürnberg und neun weitere Städte
Die Tabelle verbindet beide Größen für zwölf Stationen, sortiert nach dem Anteil der Jahre, in denen −10 °C bis Jahresende überhaupt fiel.
| Station | Erster Frost (10 %) | −5 °C: 10 % / Median | Jahre mit −5 °C | Jahre mit −10 °C | Einschätzung |
|---|---|---|---|---|---|
| Düsseldorf | 15.10. | 12.11. / 14.12. | 69 % | 17 % | draußen mit Schutz vertretbar |
| Köln/Bonn | 11.10. | 01.11. / 14.12. | 74 % | 17 % | draußen mit Schutz vertretbar |
| Rostock-Warnemünde | 02.11. | 30.11. / 25.12. | 57 % | 17 % | draußen mit Schutz vertretbar |
| Frankfurt/Main (Flughafen) | 17.10. | 21.11. / 16.12. | 77 % | 23 % | draußen mit Schutz vertretbar |
| Freiburg | 15.10. | 20.11. / 04.12. | 83 % | 29 % | Grenzfall |
| Hamburg-Fuhlsbüttel | 08.10. | 07.11. / 14.12. | 74 % | 31 % | Grenzfall |
| München-Stadt | 19.10. | 20.11. / 10.12. | 83 % | 31 % | Grenzfall |
| Berlin-Tempelhof | 18.10. | 21.11. / 22.12. | 71 % | 34 % | Grenzfall |
| Leipzig/Halle (Flughafen) | 12.10. | 17.11. / 05.12. | 86 % | 37 % | Grenzfall |
| Dresden-Klotzsche | 12.10. | 18.11. / 14.12. | 77 % | 40 % | Grenzfall |
| Nürnberg-Netzstall | 19.09. | 29.10. / 24.11. | 100 % | 66 % | sicher ins Quartier |
| Kempten | 28.09. | 01.11. / 21.11. | 100 % | 83 % | sicher ins Quartier |
Rechenweg und Kriterien, offengelegt: Für jede Station wurde Jahr für Jahr geprüft, ob und wann das Tagesminimum die Schwelle erreichte — 35 DWD-Halbjahre (Juli–Dezember 1991–2025), an der Kaltluftstation Nürnberg-Netzstall 32 gültige Jahre. Die Klassengrenzen haben wir gesetzt, nicht die Daten: unter 25 % der Jahre mit −10 °C bedeutet „draußen mit Schutz vertretbar“, 25–50 % „Grenzfall“, über 50 % „sicher ins Quartier“. Begründung: Ein Ereignis, das in weniger als jedem vierten Herbst vorkommt, lässt sich mit Einpacken und einer Rückhol-Option abfedern; ab jedem zweiten Herbst ist es der Normalfall. Das Kriterium ist bewusst die −10-°C-Häufigkeit und nicht die der −5-°C-Marke: Wir unterstellen, dass ein gut eingepackter Topf den Ballen bis etwa −10 °C Lufttemperatur schützt. Das ist eine Annahme von uns, keine gemessene Größe – nach den LT50-Werten erreicht Einpacken diese obere Marke nicht ganz. Nach der −5-°C-Häufigkeit (Spalte „Jahre mit −5 °C“, an allen zwölf Orten in mehr als der Hälfte der Jahre) fiele die Einstufung vorsichtiger aus; „vertretbar“ heißt deshalb nur: mit Schutz und Rückhol-Option.
Drei Unsicherheiten gehören dazu, und sie sind größer als die Nachkommastellen:
- Das Fenster der DWD-Auswertung endet am 31. Dezember. „In 17 % der Jahre“ heißt nicht „kommt fast nie“, sondern „kam bis Silvester selten“. Januar und Februar sind die kältesten Monate — als Winterhärte-Statistik taugt die Spalte ausdrücklich nicht.
- Die Station ist nicht Ihr Balkon. Eine geschützte Südwand im Stadtgebiet liegt regelmäßig milder, eine freie Senke kälter. Wie viel das ausmacht, zeigt unser Artikel dazu, warum Ihr Garten nicht die Wetterstation ist.
- Die Klasse gilt für einen eingepackten Topf, nicht für einen nackten Kübel auf der freien Terrasse — und nicht für frisch gekaufte Jungpflanzen aus dem Gewächshaus.
💡 Faustregel: Notieren Sie den 10-%-Termin für −5 °C als Tag, an dem der Winterschutz stehen muss — nicht als Tag, an dem die Olive hineinmuss. Nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) ist das in Köln der 1. November, in Berlin der 21. November, in Kempten schon der 1. November bei ganz anderen Folgezahlen.
Bleibt sie draußen: den Topf schützen, nicht die Krone
Wenn die Olive draußen bleibt, verschiebt sich die ganze Aufgabe nach unten. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) beschreibt den Mechanismus präzise: Die feinen Faserwurzeln, mit denen die Pflanze Wasser aufnimmt, liegen an der Topfinnenwand und erfrieren als Erstes; geschützt werden muss der Ballen vor allem vor dem Wechsel zwischen Durchfrieren und Auftauen.
Die Maßnahmen der LWG und des Fachwikis Hortipendium, in der Reihenfolge ihrer Wirkung:
- Topf mehrlagig einpacken — Jutematten, Jutescheiben, Schafwollvlies oder Luftpolsterfolie. So wickeln, dass Gießen möglich bleibt.
- Topfoberfläche und Topfboden isolieren, etwa mit einer wasserdurchlässigen Jutescheibe; Abstandshalter unter das Gefäß.
- Untersetzer entfernen, damit der Topf nicht in stehendem Wasser auffriert. Abzugslöcher freihalten — Hortipendium nennt Übernässung ausdrücklich als Risiko.
- Standort wählen: dickwandige Gefäße und ein Platz ohne pralle Wintersonne. Hortipendium begründet das mit Spannungen im Gewebe durch schnelles Frieren und Auftauen.
- Krone locker beschatten, wenn die Pflanze in der Wintersonne steht: Die LWG nennt für Immergrüne den Schutz vor Frosttrocknis mit luftdurchlässigen Materialien — Blätter verdunsten Wasser, das gefrorene Wurzeln nicht nachliefern.
Was ein Vlies leistet und wo es aufhört, haben wir getrennt durchgerechnet: Realistisch sind nach unserer eigenen Auswertung bei einer Lage etwa 2–3 Grad Puffer, und nur in klaren, windstillen Nächten — die Details stehen im Artikel zum Vlies als Frostschutz.
Ein Punkt, der in Ratgebern oft fehlt: Nässe ist der stille Schadfaktor. Ein Ballen, der im Dauerregen steht und dann durchfriert, schädigt Wurzeln auch oberhalb der genannten Temperaturschwellen. Ein überdachter Platz ist deshalb oft mehr wert als eine weitere Lage Jute. Warum die bodennahe Luft dabei besonders kalt wird, erklärt unser Artikel zum Bodenfrost und seiner Messhöhe.
Olivenbaum überwintern im Quartier: hell, unter 10 °C, sparsam gießen
Kommt die Olive herein, entscheidet nicht der freie Platz, sondern das Verhältnis von Licht und Wärme. Die Regel der Gartenakademie Rheinland-Pfalz lautet: „Je dunkler der Standort, desto kühler muss er sein.“ Weil die Olive immergrün ist, braucht sie Licht — anders als eine laubabwerfende Feige.
| Quartier | Temperatur | Eignung für die Olive |
|---|---|---|
| Heller kalter Raum, Treppenhaus, unbeheizter Wintergarten | 5–10 °C | gut — die Fachquellen nennen genau diesen Bereich |
| Garage oder Keller mit Fenster | 2–10 °C | brauchbar, je dunkler desto kühler halten |
| Dunkler Keller ohne Fenster | beliebig | ungeeignet für Immergrüne |
| Beheizter Wohnraum | über 18 °C | ungeeignet: Wärme ohne Licht |
Für die Pflege im Quartier sind sich die Institutionen einig. Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt hell, luftig und 5–10 °C, im Winter nur so viel Wasser, dass die Pflanze nicht vertrocknet; Staunässe, hohe Luftfeuchte und Zugluft sind zu vermeiden. Die Landwirtschaftskammer NRW ergänzt: erst wieder gießen, wenn die Erde im Topf trocken ist, und nur das Substrat wässern, nicht die Blätter. Die LWG rät, ab Ende August nicht mehr zu düngen und das Gießen schrittweise zu reduzieren, damit die Triebe ausreifen.
Der Zeitpunkt bleibt derselbe wie draußen: „möglichst spät einwintern und früh hinausstellen“ (Hortipendium). Die Landwirtschaftskammer NRW begründet es mit der Triebreife — wer früh einräumt, unterbricht genau die Abhärtung, die den Baum robust macht.
Fünf Fehler, die Olivenbäume im Winter kosten
- Zu warm überwintert. Wärme plus Winterlicht ergibt lange, weiche Triebe und Schädlingsdruck. Über 18 °C ist kein Quartier, sondern ein Treibhaus — die Landwirtschaftskammer NRW nennt 5–10 °C.
- Zu nass gehalten. Der häufigste Blattfall im Quartier kommt nicht vom Frost, sondern vom Gießen. Erst wenn die Erde oben abgetrocknet ist, wieder wässern.
- Rückschnitt im Herbst. Den Formschnitt legt man üblicherweise ins Frühjahr vor dem Austrieb (Faustregel) — Hortipendium nennt den Schnitt „bei Bedarf möglich“, einen Monat nennt keine der geprüften Quellen. Frische Schnittstellen vor dem Winter sind unnötige Angriffsflächen.
- Nur die Krone eingepackt. Der Trieb hält laut Laborwerten (Petruccelli et al. 2022) −16 °C aus, das Wurzelkambium −6 °C. Wer die Krone verhüllt und den Topf nackt lässt, schützt das Falsche.
- Zwischendurch ins Warme geholt. Eine bis zwei Wochen bei rund 16 °C können laut Petruccelli et al. (2022) die aufgebaute Frosthärte wieder abbauen. Entweder drinnen oder draußen — nicht beides.
Nach dem Winter: Blattschaden, Triebschaden, Wurzelschaden auseinanderhalten
Blattverlust allein ist kein Todesurteil. Weil die Rangfolge der Empfindlichkeit von der Wurzel zum Trieb verläuft, sagt der Blattzustand wenig über den Zustand des Baums aus.
- Blätter braun oder abgefallen, Triebe grün: häufig nach Frost, Wintersonne oder zu dunklem Quartier. Die Pflanze treibt in der Regel neu aus.
- Triebe trocken und ohne grüne Schicht unter der Rinde: abgestorbene Partien. Ein kleiner Kratzer an der Rinde zeigt es — grün heißt lebend.
- Kein Austrieb bis in den Frühsommer, Ballen faulig riechend: Verdacht auf Wurzelschaden durch Durchfrieren oder Nässe. Das ist der Schaden, der wirklich zählt.
Mit dem Rückschnitt lohnt es zu warten, bis der Neuaustrieb sichtbar ist — sonst schneidet man Triebe weg, die noch leben.
Häufige Fragen
Ist ein Olivenbaum winterhart?
Bedingt winterhart bis etwa −10 °C — so Hortipendium und die Bayerische Gartenakademie; die Royal Horticultural Society führt Olea europaea als Härtegrad H4 (−10 bis −5 °C). Bedingung: kurze Frostphasen und gut verholzte, ältere Pflanzen. Im Kübel liegt die Grenze bei etwa −5 °C, weil der Wurzelballen ungeschützt durchfriert.
Ab wie viel Grad muss die Olive rein?
Ab −5 °C im Kübel, ab −10 °C ausgepflanzt und eingewachsen. Grund: Das Wurzelkambium ist mit einem LT50 von −6 °C das empfindlichste Gewebe (Petruccelli et al. 2022) und friert im Topf ungeschützt durch. Nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) war −5 °C bundesweit im Median am 5. Dezember erstmals erreicht; der sichere Planungstermin liegt am 14. November.
Kann der Olivenbaum draußen überwintern?
Ja, an vielen Orten — nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) fielen −10 °C bis Jahresende an einer durchschnittlichen Station nur in 37 % der Jahre, im Tiefland unter 100 Metern in 28 %, an den Nordsee-Inselstationen Helgoland, Norderney und Borkum in 0 %. Bedingung: eingepackter Topf, überdachter Standplatz und die Bereitschaft, bei langem Dauerfrost doch hereinzuholen.
Wann muss der Olivenbaum ins Winterquartier?
Am 10-%-Termin für −5 °C an Ihrem Ort — in Köln der 1. November, in Berlin der 21. November (DWD-Auswertung 1991–2025). Bis dahin sollten Schutz oder Quartier bereitstehen; hinein muss die Olive erst bei anhaltendem Frost. Die Bayerische Gartenakademie rät „spät einräumen und bald wieder ausräumen“ und nennt für wenig empfindliche Arten Ende November bis Anfang Dezember.
Wie oft muss ich den Olivenbaum im Winter gießen?
Sparsam und nach Bedarf statt nach Kalender. Die Landwirtschaftskammer NRW rät, erst wieder zu gießen, wenn die Erde im Topf trocken ist, und nur das Substrat zu wässern; sie nennt als Ziel, dass die Pflanze nicht vertrocknet, und warnt vor Staunässe. Draußen nur an frostfreien Tagen wässern.
Verliert der Olivenbaum im Winter Blätter?
Ja, das kommt vor — und ist nicht automatisch ein Frostschaden. Häufige Ursachen sind Lichtmangel im Quartier, zu viel Wasser am Ballen oder Frosttrocknis in der Wintersonne. Solange die Triebe unter der Rinde grün sind, treibt die Pflanze meist wieder aus. Kritisch wird es erst, wenn auch die Triebe trocken sind.
Fazit: erst die Zahl für Ihren Ort, dann die Entscheidung
Die Olive ist die Kübelpflanze, bei der sich Nachrechnen am meisten lohnt. Ihre Schadschwelle liegt so tief, dass die Frage „rein oder draußen“ an vielen Orten offen ist — und in Düsseldorf, Köln oder Rostock, wo −10 °C nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) bis Jahresende nur in etwa jedem sechsten Jahr fiel, spricht viel für einen gut eingepackten Topf an geschützter Wand statt für ein dunkles Quartier.
Konkret: Lesen Sie den 10-%-Termin für −5 °C für Ihre Postleitzahl im Rechner oben ab (die Städte-Tabelle zeigt ihn für zwölf Vergleichsorte), bringen Sie bis dahin den Winterschutz an — und behalten Sie für lange Dauerfrost-Phasen im Januar und Februar, die außerhalb dieser Auswertung liegen, eine Rückhol-Option. Die nächste Mittelmeerpflanze auf der Terrasse hat dieselbe Kälteschwelle, aber einen ganz anderen Winterplan, weil sie ihr Laub anders behandelt: Oleander überwintern.
Quellen
- Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center, Tageswerte der Minimumtemperatur in 2 m Höhe, 396 Stationen, Halbjahre Juli–Dezember 1991–2025; Rechenfenster bis 31. Dezember; eigene Auswertung. Statistik der Vergangenheit, keine Wettervorhersage und keine Frostwarnung.
- Hortipendium: „Kübelpflanzen im Winter“ (DLR Rheinpfalz / Gartenakademie Rheinland-Pfalz)
- Gartenakademie Rheinland-Pfalz: „Richtig überwintern: Die beliebtesten Kübelpflanzen“
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Gartenakademie: „Wann müssen Kübelpflanzen ins Winterquartier?“
- LWG, Gartenakademie: „Attraktiver und effektiver Winterschutz für bepflanzte Gefäße im Freien“
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: „Wie werden Kübelpflanzen am besten überwintert?“ (Gartentipp 037)
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Pressemeldung „Kübelpflanzen ins Winterquartier“ (2011)
- Royal Horticultural Society: Pflanzenprofil Olea europaea (Hardiness H4)
- Petruccelli, Bartolini, Ganino u. a.: „Cold Stress, Freezing Adaptation, Varietal Susceptibility of Olea europaea L.: A Review“, Plants 11(10):1367, 2022
Stand der Quellensichtung: August 2026.
Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.