Wann Kürbis pflanzen? Der Termin für Ihren Ort – und ob die Frucht noch reif wird

Kurzantwort: Kürbis kommt ins Freiland, sobald an Ihrem Ort in 9 von 10 Jahren kein Bodenfrost mehr auftrat, plus eine Woche – im Median am 31. Mai; Hamburg 10. Juni, Frankfurt 25. Mai, München-Stadt 7. Mai. Entscheidend ist der Herbst-Bodenfrost: Muskat braucht 135 Tage, Hokkaido 100 – in Hamburg reift Muskat statistisch nicht sicher aus. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.

Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026

Aussaat drinnen
10. Mai
Median Deutschland
Auspflanzen
31. Mai
Median Deutschland
Früheste Orte
22. Mai
das früheste Zehntel
Späteste Orte
13. Juni
das späteste Zehntel

Der Hokkaido steht seit Mitte Mai im Beet, hat im Juni prächtig gerankt – und im Oktober hängen daran drei faustgroße, grüne Früchte, die nie orange werden. Oder umgekehrt: Die im April auf der Fensterbank gesäte Pflanze ist am Pflanztag ein halber Meter Ranke mit gelben Keimblättern, die im Beet wochenlang nicht anwächst. Beides sind Termin-Fehler, und beide entstehen, weil die Frage „wann Kürbis pflanzen“ fast überall mit „nach den Eisheiligen“ beantwortet wird.

Diese Seite ersetzt die Faustregel durch einen Termin für Ihren Ort: den Tag, ab dem der Boden an Ihrer nächsten Wetterstation zu 90 % frostfrei ist, plus eine Woche – abgeleitet aus 36 Frühjahren DWD-Daten wie alle Kultur-Seiten unseres Hubs Wann pflanzen?. Und sie rechnet weiter als die anderen Kultur-Seiten: bis zum ersten Herbstfrost, der bei Kürbis über Reife oder Kompost entscheidet.

Die Kurzantwort lässt zwei Dinge offen: warum ein Kürbis eine Woche später darf als eine Tomate, obwohl beide keinen Frost vertragen – und ob eine Ende Mai gepflanzte Butternut in Hamburg überhaupt noch reif wird. Das Zweite beantwortet die Reife-Rechnung weiter unten für zwölf Städte; sie zeigt, wo Sie bis Juli pflanzen können und wo schon der Ortstermin selbst zu spät für Muskatkürbis ist.


Kürbis-Steckbrief: Keimtemperatur, Vorziehdauer, Auspflanz-Regel

Kürbisse sind Wärmekeimer mit sehr kurzer Anzucht: Sie keimen bei Wärme in weniger als einer Woche, bilden in drei Wochen eine pflanzfertige Jungpflanze und vertragen das Umpflanzen mit Topfballen gut – solange die Pflanze jung ist.

MerkmalWertQuelle
Frostschadenbei 0 °C – alle Kürbisse sind frostempfindlich, in jedem StadiumLandwirtschaftskammer NRW; BZL
Kälteschaden abunter 5 °C werden Pflanzen geschädigtoekolandbau.de (Anbausteckbrief)
Wachstumsstillstand unter10 °C nachts – darunter gehemmt, Pflanzen brauchen Schutzsamen.de; Plantura
Wachstum ab10–12 °C nachts; Blüte und Fruchtansatz erst über 15 °C, optimal 20–25 °C tagsübersamen.de; Sperli; Plantura
Optimale Keimtemperatur20–25 °C (Keimung in 5–7 Tagen); möglich 16–30 °C, Minimum 10 °CHortipendium; Landwirtschaftskammer NRW
Bodentemperatur Direktsaatmindestens 12 °C, besser 15 °C und mehr; bei 20–22 °C laufen Kürbisse gleichmäßig aufsamen.de (12 °C); oekolandbau.de (10–15 °C); Bingenheimer (über 16 °C, optimal 20–22 °C)
Vorziehen2–4 Wochen vor dem Pflanztermin, unsere Regel: 3 Wochen; 1 Korn je 9–10-cm-TopfKiepenkerl; oekolandbau.de; Plantura
Auspflanzen / Direktsaat Freiland90-%-Termin Bodenfrost + 7 Tage (unsere Regel, siehe Rechner)Frostkompass
Kulturdauer ab AussaatHokkaido etwa 95–120 Tage, Butternut 110–120 Tage, Muskat 4–5 MonatePlantura; samen.de
Erntewenn der Stiel verholzt und Klopfen hohl klingt; spätestens vor Temperaturen unter 5 °C und vor dem ersten FrostBZL; Plantura

Kulturangaben nach Fachquellen und Portalen (Stand August 2026); Termin-Regel: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.

Farbskala von minus 5 bis 32 Grad für Kürbis: unter 0 Grad Frostschaden, bis 5 Grad Kälteschaden, bis 10 Grad Stillstand, darüber Wachstum. Markiert sind 15 Grad als Untergrenze für Blüte und Fruchtansatz, die Bodentemperatur von 12 bis 15 Grad für die Direktsaat und die optimale Keimtemperatur von 20 bis 25 Grad.
Kürbis verhält sich wie seine Verwandten Gurke und Zucchini: Überleben beginnt bei 0 Grad, Wachsen erst bei 10, Fruchtansatz bei 15 – das ist der Grund für die Woche Wärmezuschlag.

Faustregel: Kürbis raus = Bodenfrost-90-%-Termin Ihrer Station + 1 Woche. Vorziehen = Auspflanztermin − 3 Wochen. Direktsaat = ab demselben Tag wie das Auspflanzen, sobald der Boden 12–15 °C hat.

Ihr Auspflanz-Termin für Kürbis

Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Ort ein. Der Rechner sucht die nächste DWD-Klimastation, nimmt deren 90-%-Termin für Bodenfrost, legt sieben Tage Wärmezuschlag drauf – und rechnet drei Wochen zurück auf den Aussaattermin fürs Fensterbrett. Statistik der Vergangenheit, keine Vorhersage: Für die Pflanzwoche selbst zählt die Wetterlage.

Statistik der Vergangenheit, keine Wettervorhersage. Die Termine sagen, wie oft es in den letzten Jahrzehnten an Ihrer nächsten Wetterstation noch gefroren hat – ob es in der kommenden Nacht friert, verrät nur die aktuelle Wetterlage (z. B. die Warnkarte des DWD).

Ohne Eingabe: Kürbis an acht Beispielstationen
Station (DWD)Aussaat drinnenAuspflanzen ab
Hamburg-Fuhlsbüttel20. Mai10. Juni
Hannover18. Mai8. Juni
Berlin-Tempelhof23. Mai13. Juni
Köln/Bonn8. Mai29. Mai
Frankfurt/Main4. Mai25. Mai
Dresden-Klotzsche9. Mai30. Mai
Freiburg4. Mai25. Mai
München-Stadt16. April7. Mai

Basis: letzter Bodenfrost, 90-%-Termin (in 9 von 10 Frühjahren 1991–2026 kein Bodenfrost mehr danach) plus 7 Tage. Alle zwölf Städte mit Median und 80 %: Bodenfrost-Artikel; Herbst: Erster Frost. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center, Tageswerte), eigene Auswertung · Postleitzahlen-Koordinaten: GeoNames (CC BY 4.0) · Zeitfenster: Frühjahre 1991–2026, Herbste 1991–2025 · So rechnen wir

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026, keine Wettervorhersage. Wie der Rechner Stationen zuordnet und Perzentile bildet, steht auf der Frostrechner-Seite mit Methodik. Der Rechner nimmt dabei die Station, die Ihrer Postleitzahl am nächsten liegt – in großen Städten kann das eine andere sein als die in den Tabellen genannte: Zwischen Stadt- und Umlandstation liegen dort bis zu drei Wochen.

Zeitstrahl Kürbis: Aussaat drinnen und Auspflanzen ins Freiland als Spanne über die Wetterstationen. Auspflanzen im Median am 31. Mai, Aussaat drei Wochen davor am 10. Mai. Das Eisheiligen-Fenster vom 11. bis 15. Mai ist grau markiert.
Kürbis bekommt eine Woche Wärmezuschlag auf den Bodenfrost-Termin – das Fenster liegt hinter dem der Tomaten und deckt sich mit Gurken und Zucchini.

Kürbis pflanzen in Nürnberg, Rostock, Freiburg und neun weiteren Städten

Wie weit „nach den Eisheiligen“ von Ihrem Ort entfernt liegt, zeigen zwölf Stationen. Die Spalte „Auspflanzen“ ist der Bodenfrost-90-%-Termin plus 7 Tage, „Vorziehen ab“ liegt drei Wochen davor:

StationBodenfrost 90 % vorbeiKürbis auspflanzen / Direktsaat abVorziehen ab
Rostock-Warnemünde10.05.17.05.26.04.
Hamburg-Fuhlsbüttel03.06.10.06.20.05.
Hannover01.06.08.06.18.05.
Berlin-Tempelhof06.06.13.06.23.05.
Leipzig/Halle (Flughafen)23.05.30.05.09.05.
Düsseldorf24.05.31.05.10.05.
Köln/Bonn22.05.29.05.08.05.
Frankfurt/Main (Flughafen)18.05.25.05.04.05.
Stuttgart (Schnarrenberg)13.05.20.05.29.04.
Freiburg18.05.25.05.04.05.
Nürnberg-Netzstall17.06.24.06.03.06.
München-Stadt30.04.07.05.16.04.
Deutschland, Median aller 406 Stationen24.05.31.05.10.05.

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, je 35–36 Frühjahre 1991–2026; Termine gelten für den Standort der Station. Nürnberg-Netzstall und Berlin-Tempelhof sind Freiflächen-Lagen mit ausgeprägten Strahlungsnächten – der Innenstadt-Balkon ist dort früher dran.

Der verbreitete Rat „Kürbis Mitte bis Ende April vorziehen“ stimmt in dieser Tabelle nur für München-Stadt, Stuttgart und Rostock. In Hamburg, Hannover und Berlin ist die Ende April gesäte Pflanze am Pflanztag sechs Wochen alt – doppelt so alt wie nötig, mit Ranken, die im Topf keinen Halt mehr finden. Die Landwirtschaftskammer NRW nennt für die Aussaat im Haus „etwa Mitte/Ende April“ – gedacht für eine Pflanzung Mitte Mai, die an 361 von 406 Stationen zu früh ist.

Warum Kürbis eine Woche später darf als Tomaten

Kürbis, Gurke und Zucchini sind eine Familie, und sie teilen dieselbe Schwäche: Der Schaden beginnt nicht bei 0 °C, sondern lange davor. Laut Anbausteckbrief auf oekolandbau.de werden Kürbispflanzen schon unter 5 °C geschädigt, unter 10 °C nachts stockt das Wachstum, und unter 15 °C kommt der Fruchtansatz nach Praxisangaben ins Stocken (Faustregel). Tomaten stellen erst unter etwa 9 °C das Wachstum ein und stecken kühle Nächte weg.

Deshalb setzen wir für Tomaten den Bodenfrost-90-%-Termin selbst an, für Kürbis denselben Termin plus 7 Tage – exakt wie für Gurken und Zucchini. Die Woche ist ein Konventionswert, keine gemessene Bodentemperatur-Statistik: Sie soll sicherstellen, dass nach dem Frostende auch die kalten Strahlungsnächte seltener werden.

Zwischen dem 21. und 31. Mai gab es an einer mittleren Station noch in 14 % der Jahre mindestens eine Bodenfrostnacht, Anfang Juni in 6 % – und die Nächte um +5 °C sind ungezählt häufiger. Der Steckbrief zeigt zugleich, warum Pflanzungen vor Mitte Mai laut oekolandbau.de „meist Misserfolge“ bringen.

Achtung: „Nach den Eisheiligen“ beschreibt Luftfrost in 2 m Höhe. Ihre Kürbispflanzen stehen aber in 5 bis 30 cm – und dort endet der Frost im Median erst 17 Tage später – gemeint ist der Median der Abstände je Station, nicht die Differenz der beiden Bundeswerte: Luftfrost bundesweit am 8. Mai zu 90 % vorbei, Bodenfrost am 24. Mai. An 361 von 406 DWD-Stationen ist der Boden am 16. Mai noch nicht zu 90 % frostfrei.

Die Eisheiligen selbst sind für Kürbis doppelt irreführend: Das Fenster 11.–15. Mai ist bodennah nicht kälter als die Tage davor und danach (24 % Frostjahre gegenüber 46 % Anfang Mai und 21 % vom 16. bis 20. Mai), und die Regel sagt nichts über die Wärme, die Kürbis braucht.

Warum der Mythos statistisch nicht trägt, rechnet die Seite Eisheilige: Frostrisiko je Region aus DWD-Daten vor; was Bodenfrost genau ist und wann er an Ihrem Ort endet, der Artikel Bodenfrost: wann er an Ihrem Ort vorbei ist. Wie die Tomaten-Regel ohne Zuschlag aussieht, steht auf der Seite Wann Tomaten ins Beet dürfen.

Reife-Rechnung: Wird der Kürbis in Berlin, Hamburg und München vor dem ersten Herbstfrost reif?

Bei Kürbis endet die Terminfrage nicht mit dem Pflanzen. Ein Hokkaido braucht laut Plantura etwa 95 bis 120 Tage von der Aussaat bis zur Ernte, ein Butternut 110 bis 120, ein Muskatkürbis vier bis fünf Monate – und die erste Bodenfrostnacht im Herbst beendet die Kultur, weil sie das Laub tötet. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) rät, alle Früchte zu ernten, sobald Temperaturen unter 5 °C angekündigt sind, spätestens vor dem ersten Frost. Was dann noch grün ist, reift nur begrenzt nach.

Wir haben deshalb für dieselben zwölf Städte gerechnet, wie viel Zeit zwischen dem Kürbis-Pflanztermin und dem ersten Herbst-Bodenfrost liegt – und bis wann Sie spätestens pflanzen dürfen, damit drei Sortentypen reif werden. Als Herbsttermin dient der Tag, bis zu dem in 9 von 10 Jahren noch kein Bodenfrost auftrat – der sichere Planungstermin, Gegenstück zum 90-%-Termin im Frühjahr.

Kulturdauer als Annahme: Hokkaido 100 Tage, Butternut 115 Tage, Muskat 135 Tage ab Aussaat; bei vorgezogenen Pflanzen zählen die drei Wochen Anzucht mit. Butternut und Muskat liegen in der Mitte der genannten Spannen, Hokkaido am unteren Rand (Spannen 95–120 bzw. 100–120 Tage): Mit 110 Tagen rückte der späteste Hokkaido-Pflanztermin um 10 Tage nach vorn, am Median-Ort vom 6. Juli auf den 26. Juni.

StationKürbis rausErster Herbst-Bodenfrost (90 % noch frostfrei)Frostfreies FensterSpätester Pflanztermin Hokkaido… Butternut… Muskat
München-Stadt07.05.16.10.162 Tage29.07.14.07.24.06.
Rostock-Warnemünde17.05.15.10.151 Tage28.07.13.07.23.06.
Frankfurt/Main (Flughafen)25.05.09.10.137 Tage22.07.07.07.17.06.
Stuttgart (Schnarrenberg)20.05.30.09.133 Tage13.07.28.06.08.06.
Düsseldorf31.05.05.10.127 Tage18.07.03.07.13.06.
Freiburg25.05.27.09.125 Tage10.07.25.06.05.06.
Leipzig/Halle (Flughafen)30.05.30.09.123 Tage13.07.28.06.08.06.
Köln/Bonn29.05.27.09.121 Tage10.07.25.06.05.06.
Hannover08.06.19.09.103 Tage02.07.17.06.28.05. (vor dem Ortstermin)
Hamburg-Fuhlsbüttel10.06.17.09.99 Tage30.06.15.06.26.05. (vor dem Ortstermin)
Berlin-Tempelhof13.06.19.09.98 Tage02.07.17.06.28.05. (vor dem Ortstermin)
Nürnberg-Netzstall24.06.25.08.62 Tage07.06. (vor dem Ortstermin)23.05. (vor dem Ortstermin)03.05. (vor dem Ortstermin)
Deutschland, Median31.05.23.09.115 Tage06.07.21.06.01.06.

Rechenweg: Frostfreies Fenster = Herbst-Bodenfrost-Termin (10 %) minus Kürbis-Pflanztermin; spätester Pflanztermin = Herbsttermin minus (Kulturdauer − 21 Tage Anzucht). Frühjahrs- und Herbsttermine: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 1991–2026 bzw. 1991–2025; Kulturdauern nach Plantura und samen.de, gerundet. Die Reifetermine sind Größenordnungen, keine Zusagen – Sorte, Sommerwetter und Standort verschieben sie um Wochen.

Die Tabelle sagt drei Dinge. Erstens: Hokkaido ist fast überall unkritisch – am Median-Ort bleibt bis zum 6. Juli Zeit zum Pflanzen, das sind fünf Wochen Puffer hinter dem Ortstermin; Direktsaat am Pflanztermin geht ebenfalls auf.

Zweitens: Butternut braucht an der Küste und im Norden den ersten möglichen Termin – in Hamburg (Pflanzen ab 10. Juni, spätestens 15. Juni) bleiben fünf Tage Spielraum, in Berlin-Tempelhof vier. Drittens: Muskatkürbis reift in Hamburg, Hannover und Berlin nach diesem Rechenweg statistisch nicht sicher aus – der späteste Pflanztermin liegt dort vor dem Tag, an dem der Boden überhaupt warm genug ist. Wer ihn dennoch will, braucht Vorkultur in größeren Töpfen, eine Südwand oder ein Frühbeet – und eine frühreife Sorte.

Die Tabelle rechnet allerdings nur bis zum Herbst-Bodenfrost. Bingenheimer Saatgut rät, Hokkaido „spätestens Ende Mai“ zu säen, um gute Lagerfähigkeit zu sichern – wer lagern will, hält sich an diesen Termin und nicht an den letzten Tag der Tabelle. Und das BZL rät zu ernten, sobald Temperaturen unter 5 °C angekündigt sind; das kann vor dem Bodenfrost-Termin liegen, mit dem die Tabelle endet.

Nürnberg-Netzstall ist der Extremfall: 62 frostfreie Bodentage reichen nach der Rechnung für keinen der drei Typen. Die Station steht in einer Kaltluftsenke, und genau dort gilt der Rat aus dem Artikel Mikroklima: warum Ihr Beet vom Stationstermin abweicht: Ein Hanggarten oder ein Stadtbalkon im selben Postleitzahlgebiet kann drei Wochen mehr haben. Wann der erste Herbstfrost an Ihrem Ort statistisch kommt und was Bodenfrost von Luftfrost unterscheidet, zeigt die Seite Erster Frost: der Termin für Ihren Ort.

Faustregel: Frostfreies Bodenfenster unter rund 80 Tagen → nach der Rechnung reift kein Typ sicher (Nürnberg-Netzstall). 80–100 Tage → Hokkaido und andere frühreife Sorten, gepflanzt am Ortstermin; Butternut nur mit wenigen Tagen Spielraum (Hamburg, 99 Tage). 100–130 Tage → Hokkaido mit Puffer, Butternut am Ortstermin. Über 130 Tage → auch Muskat, wenn die Sorte nicht ausdrücklich „spät“ ist.

Vorziehen, Direktsaat oder Kübel: drei Wege zum Termin

Der Bodenfrost-Termin plus eine Woche ist die Freiland-Regel. Welcher Anbauweg dazu passt, hängt davon ab, wie viel Fenster die Reife-Rechnung Ihrem Ort lässt.

AnbauwegAussaatAuspflanzenWoran sich der Termin orientiert
Freiland, vorgezogen (Standard für Butternut und Muskat)drinnen 3 Wochen vor dem Ortstermin, 1 Korn je Topf bei 20–25 °CBodenfrost-90 % + 7 TageBodenfrost der Station, Nächte über 10 °C
Freiland, Direktsaat (Hokkaido, Zierkürbis, Ölkürbis)am Ortstermin, 2–4 cm tief, 2–3 Korn je Pflanzstelle–Boden mindestens 12 °C, besser 15 °C; Bingenheimer Saatgut: Hokkaido spätestens Ende Mai säen
Kübel oder Kompost an der Südwanddrinnen 3 Wochen vor dem TerminLuftfrost-90 % + 7 Tage an geschützter Wand, sonst Freiland-RegelKübel lässt sich in kalten Nächten abdecken; Komposthaufen speichert Wärme

Vorziehen bringt drei Wochen Vorsprung – aber nur, wenn die Aussaat wirklich erst drei Wochen vor dem Ortstermin passiert. Kürbisse keimen laut Hortipendium bei 25 °C in fünf, bei 20 °C in sieben Tagen und stehen zwei Wochen später mit zwei bis drei Laubblättern pflanzfertig da; genau diesen Zustand nennt oekolandbau.de als Pflanzreife. Wer früher sät, hat am Pflanztag eine Ranke im Topf, die im Beet wochenlang stockt – für eine Pflanze, die den Sommer über keinen Tag verschenken darf, der teurere Fehler.

Direktsaat ist bei Hokkaido kein Notbehelf: Am Median-Ort reift ein am 31. Mai gesäter Hokkaido nach 100 Tagen um den 8. September, zwei Wochen vor dem sicheren Herbsttermin. Für Butternut und Muskat reicht das Fenster nördlich der Mittelgebirge nur mit Vorkultur. Wer keine Anzuchtfläche hat, kauft Jungpflanzen – und pflanzt sie am Ortstermin, nicht am Kauftag.

Beispielrechnung Frankfurt/Main: drei Kürbisse, ein Kalender

Aus dem Ortstermin lässt sich der ganze Kürbis-Kalender ableiten. Für die Station Frankfurt/Main (Bodenfrost-90 % 18. Mai → Kürbis ab 25. Mai, erster Herbst-Bodenfrost zu 90 % erst ab 9. Oktober) sieht er so aus:

Sortentyp (Frankfurt/Main)Aussaat drinnenAuspflanzenReif etwa abPuffer bis 9. Oktober
Hokkaido (100 Tage)4. Mai25. Mai12. August58 Tage
Butternut (115 Tage)4. Mai25. Mai27. August43 Tage
Muskat (135 Tage)4. Mai25. Mai16. September23 Tage
Hokkaido, Direktsaat–25. Mai (Saat)2. September37 Tage

Rechenweg: Aussaat = Auspflanzen − 21 Tage; Reife = Aussaat + Kulturdauer; Puffer = Herbsttermin − Reifetermin. Termine: Datenbasis Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung; Kulturdauern nach Plantura und samen.de.

In Frankfurt ist der Puffer für alle drei Typen bequem – selbst ein kühler Sommer, der die Reife um drei Wochen verzögert, bringt nur den Muskat in Bedrängnis. Dieselbe Rechnung für Hamburg ergibt für Muskat einen Puffer von minus 15 Tagen: Die Frucht wäre nach Rechnung erst zwei Wochen nach dem sicheren Herbsttermin reif.

Zu früh gesät, zu früh gepflanzt, zu spät dran: Folgen und was im Timing hilft

Zu früh vorgezogen ist der häufigste Fehler, und er ist an der Pflanze ablesbar: Nach vier, fünf Wochen im 9-cm-Topf hängen die Keimblätter gelb, die Ranke sucht Halt, die Wurzeln füllen den Topf. Kiepenkerl nennt als Vorkultur 2 bis 4 Wochen – die Spanne hängt an Licht und Wärme, nicht am Kalender. Abhilfe ist Timing: lieber am Ortstermin nachsäen als eine überalterte Pflanze retten.

Zu früh gepflanzt zeigt sich als Stillstand: hellgrüne, hängende Blätter, keine neuen Triebe, bei nassem Boden Fäule am Stängelgrund. Kommt danach ein Kälteeinbruch, helfen zwei Timing-Maßnahmen:

  1. Vlies oder Haube bei angekündigten kalten Nächten: Ein Vlies bringt in klaren Nächten wenige Grad – genug, um aus einer 3-°C-Nacht eine Nacht ohne Kälteschaden zu machen, nicht genug für echten Frost. Im Erwerbsanbau verkürzt Vlies über Hokkaido laut oekolandbau.de die Kulturzeit um zwei bis drei Wochen. Was Vlies leistet und wo es versagt, steht im Artikel Was Vlies wirklich kann.
  2. Standort-Zuschlag ernst nehmen: In Senken, am Hangfuß und auf freier Fläche rechnen Sie 5–10 Tage auf den Stationstermin (Konventionswert, Einordnung im Artikel zum Mikroklima) – bei Kürbis eher 10.

Zu spät dran ist der Fehler, den nur Kürbis kennt. Wer im Juni noch pflanzen will, schaut in die Reife-Rechnung: Am Median-Ort geht Hokkaido bis 6. Juli, Butternut bis 21. Juni, Muskat nur bis 1. Juni. Danach ist die ehrliche Antwort ein anderer Sortentyp – oder Zucchini, die als Sommerkürbis unreif geerntet wird und keine Reifezeit braucht.

Tipp: Legen Sie sich drei Kalendereinträge: den Bodenfrost-90-%-Termin Ihrer Station (ab dann täglich die Nachtwerte prüfen), den Tag danach + 7 (Pflanzen, wenn keine Nacht unter 5 °C in Sicht) und den spätesten Pflanztermin Ihres Sortentyps aus der Reife-Rechnung. Wer Vlies griffbereit hat, kann bei stabiler Wärme auch am 90-%-Termin selbst pflanzen.

Für die konkrete Nacht gilt: Prognose ist Sache des Deutschen Wetterdienstes und der Wetter-Apps – unsere Termine sagen, wie oft es in 36 Jahren nach einem Datum noch kalt wurde, nicht, ob es dieses Jahr passiert.

Häufige Fragen

Wann Kürbis säen – drinnen und draußen?

Drinnen drei Wochen vor dem Auspflanztermin Ihres Orts: bundesweit im Median ab 10. Mai, in München-Stadt ab 16. April, in Hamburg erst ab 20. Mai. Direktsaat ins Beet ab dem Bodenfrost-90-%-Termin plus eine Woche, sobald der Boden 12–15 °C hat – im Median der 31. Mai. Hokkaido eignet sich für Direktsaat, Butternut und Muskat besser vorziehen.

Wann Kürbis vorziehen?

Nicht vor drei Wochen vor dem Ortstermin – Kürbisse keimen bei 20–25 °C in fünf bis sieben Tagen und sind nach drei Wochen mit zwei bis drei Laubblättern pflanzfertig. Der Rat „Mitte bis Ende April“ passt nur für früh bodenfrostsichere Orte wie München-Stadt oder Stuttgart; in Hamburg oder Berlin wäre die Pflanze am Pflanztag sechs Wochen alt und vergeilt.

Wann Hokkaido pflanzen?

Wie jeden Kürbis ab dem Bodenfrost-90-%-Termin Ihrer Station plus 7 Tage – Frankfurt ab 25. Mai, Hamburg ab 10. Juni, München-Stadt ab 7. Mai. Hokkaido ist mit rund 100 Tagen Kulturdauer der unkritischste Typ: Am Median-Ort bleibt bis 6. Juli Zeit, damit die Frucht vor dem ersten Herbst-Bodenfrost reif wird.

Kann ich Kürbis noch im Juni pflanzen?

Hokkaido fast überall ja – der späteste Pflanztermin liegt am Median-Ort am 6. Juli, in Frankfurt am 22. Juli, in Hamburg am 30. Juni. Butternut reicht im Juni nur noch in wärmeren Lagen (Frankfurt bis 7. Juli, Hamburg bis 15. Juni). Muskatkürbis ist im Juni nördlich der Mittelgebirge statistisch zu spät; dort lieber Zucchini setzen.

Wie kalt vertragen Kürbisse?

Frost ist tödlich, unter 5 °C entstehen laut oekolandbau.de Schäden, unter 10 °C nachts stockt das Wachstum, und unter 15 °C kommt der Fruchtansatz nach Praxisangaben ins Stocken (Faustregel). Einzelne kühle Nächte um 8 °C übersteht eine abgehärtete Pflanze, sie verliert aber Tage – deshalb liegt unser Termin eine Woche nach dem Ende des Bodenfrost-Risikos.

Kann ich Kürbis vor den Eisheiligen pflanzen?

Im Freiland an den meisten Orten nicht sinnvoll: An 361 von 406 DWD-Stationen ist der Boden am 16. Mai noch nicht zu 90 % frostfrei, und Kürbis braucht zusätzlich Wärme. Ausnahmen sind früh bodenfrostsichere Lagen wie München-Stadt (Kürbis ab 7. Mai) oder Rostock (17. Mai). Die Jahresmatrix seit 1991 zeigt, wie oft es an den Eisheiligen wirklich friert.

Fazit: Erst der Ort, dann die Sorte, dann der Kalender

Kürbis ist die Kultur mit zwei Terminen: vorne der Bodenfrost-90-%-Termin plus eine Woche, hinten der erste Herbst-Bodenfrost. Zwischen beiden muss die Kulturdauer Ihres Sortentyps Platz haben – am Median-Ort 115 Tage, in Hamburg 99, in München-Stadt 162. Nehmen Sie den Termin Ihrer Station, säen Sie drei Wochen davor vor, und wählen Sie den Sortentyp nach dem Fenster: Hokkaido fast überall (nicht in Kaltluftlagen wie Nürnberg-Netzstall), Butternut am Ortstermin, Muskat nur mit Puffer.

Wer den hinteren Termin für seinen Ort genau wissen will – und damit auch, wann Bohnen, Dahlien und Kübelpflanzen dran sind –, findet ihn auf der Seite Erster Frost: der Termin für Ihren Ort.

Quellen

Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.