Geranien überwintern: der Termin für Ihren Ort und die drei Wege durch den Winter

Schnelle Antwort: Geranien müssen vor dem ersten Bodenfrost herein. Als Kalendermarke dient der Tag, bis zu dem es an Ihrem Ort in 9 von 10 Jahren noch bodenfrostfrei blieb – nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) im Median der Stationen der 23. September, in Hamburg schon der 17. September, in Frankfurt erst der 9. Oktober. Der erste Bodenfrost selbst fällt im typischen Jahr rund zweieinhalb Wochen später. Sie überwintern frostfrei bei 5–10 °C, je dunkler der Raum, desto kühler. Vor dem Einräumen die Triebe auf 10–15 cm kürzen, Blätter und Blüten entfernen, im Winter nur sparsam gießen.

Stand: September 2026 · Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, 1991–2026

Anfang Oktober, eine klare Nacht, morgens zeigt das Thermometer am Küchenfenster 2 °C – und die Geranien auf der Terrasse haben glasige, dunkle Blattränder. Das Thermometer hat nicht gelogen: In 5 cm Höhe über dem Boden – der Messhöhe, in der die DWD-Stationen Bodenfrost erfassen – war es mehrere Grad kälter als am Fenster im ersten Stock.

Genau diese Lücke macht den verbreiteten Rat „Ende Oktober reinholen“ gefährlich: Nach unserer DWD-Auswertung (Herbste 1991–2025) hatte es bis zum 31. Oktober an einer durchschnittlichen deutschen Wetterstation in 85 % der Jahre schon mindestens eine Bodenfrostnacht gegeben, in 59 % sogar Luftfrost. Diese Seite aus der Rubrik Erster Frost im Herbst liefert deshalb zuerst den Termin für Ihren Ort – danach die Praxis: drei Winterwege, Rückschnitt, Gießen und die vier Fehler, an denen Geranien im Keller sterben.

Die Kurzantwort lässt zwei Dinge offen. Der 23. September gilt für einen Kasten, der bodennah steht; am Balkongeländer im ersten Stock haben Sie nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) im Median 15 Tage mehr. Und sie sagt nichts darüber, wie lange Ihr Geraniensommer überhaupt dauert – je nach Ort zwischen 69 und 169 Tagen.


Ihr Reinhol-Termin: Postleitzahl eingeben

Der Rechner sucht die nächstgelegene DWD-Klimastation und zeigt zwei Herbsttermine: den Tag, bis zu dem dort in 9 von 10 Jahren noch kein Bodenfrost auftrat (5 cm über dem Erdboden – der konservative Termin für Kästen am Boden), und denselben Wert für Luftfrost in 2 m Höhe.

Statistik der Vergangenheit, keine Wettervorhersage. Die Termine sagen, wie oft es in den letzten Jahrzehnten an Ihrer nächsten Wetterstation noch gefroren hat – ob es in der kommenden Nacht friert, verrät nur die aktuelle Wetterlage (z. B. die Warnkarte des DWD).

Ohne Eingabe: Erster Frost an acht Beispielstationen
Station (DWD)Erster Luftfrost 10 %Erster Bodenfrost 10 %Erster Luftfrost Median
Hamburg-Fuhlsbüttel8. Oktober17. September28. Oktober
Hannover12. Oktober19. September29. Oktober
Berlin-Tempelhof18. Oktober19. September3. November
Köln/Bonn11. Oktober27. September28. Oktober
Frankfurt/Main17. Oktober9. Oktober31. Oktober
Dresden-Klotzsche12. Oktober2. Oktober22. Oktober
Freiburg15. Oktober27. September6. November
München-Stadt19. Oktober16. Oktober9. November

10 % = in 9 von 10 Herbsten 1991–2025 noch kein Frost vor diesem Tag; Median = in der Hälfte der Herbste schon Frost. Alle zwölf Städte mit Median und 80 %: Bodenfrost-Artikel; Herbst: Erster Frost. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung.

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center, Tageswerte), eigene Auswertung · Postleitzahlen-Koordinaten: GeoNames (CC BY 4.0) · Zeitfenster: Frühjahre 1991–2026, Herbste 1991–2025 · So rechnen wir

Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (Climate Data Center), eigene Auswertung, Herbste 1991–2025. Das ist Klimastatistik, keine Vorhersage: Ob es in der kommenden Nacht friert, sagt Ihnen nur die aktuelle Warnlage des Deutschen Wetterdienstes. Wie der Rechner Stationen zuordnet, steht auf der Frostrechner-Seite mit Methodik. Der Rechner nimmt dabei die Station, die Ihrer Postleitzahl am nächsten liegt – in großen Städten kann das eine andere sein als die in den Tabellen genannte: Zwischen Stadt- und Umlandstation liegen dort bis zu drei Wochen.

Warum „Ende Oktober“ an den meisten Orten zu spät ist

Der Standard-Rat in Gartenratgebern lautet „vor dem ersten Frost, meist Ende Oktober“. Gegen die Daten hält er nicht stand. Nach unserer DWD-Auswertung (Herbste 1991–2025) kommt der erste Bodenfrost bundesweit im Median 15 Tage vor dem ersten Luftfrost – und Balkonkästen stehen in genau dieser bodennahen Kaltluft, nicht in der Höhe des Thermometerhäuschens.

Liniendiagramm: Anteil der Jahre mit erstem Frost bis zum jeweiligen Stichtag, Mittel über 396 DWD-Stationen, Herbste 1991 bis 2025. Die Bodenfrost-Kurve steigt von 5 Prozent am 15. September über 27 Prozent Ende September und 63 Prozent Mitte Oktober auf 85 Prozent Ende Oktober; die Luftfrost-Kurve liegt durchgehend darunter und erreicht 5 Prozent Ende September, 29 Prozent Mitte Oktober und 59 Prozent Ende Oktober.
Der Boden friert Wochen vor der Luft: Anteil der Jahre, in denen bis zum Stichtag bereits der erste Frost aufgetreten war. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, 396 Stationen, Herbste 1991–2025.

Die Kurve lässt sich in eine einfache Rechnung übersetzen: Was gewinnen Sie, wenn Sie über den sicheren Termin hinaus warten – und was riskieren Sie dafür? Als Nullpunkt dient der bundesweite Median des Bodenfrost-10-%-Termins aus unserer DWD-Auswertung, der 23. September.

Sie räumen ein am …Tage Gewinn gegenüber dem 23. SeptemberJahre mit Bodenfrost bis dahinJahre mit Luftfrost bis dahin
30.09.+727 %5 %
10.10.+1747 %14 %
15.10.+2263 %29 %
20.10.+2774 %43 %
31.10.+3885 %59 %
10.11.+4895 %76 %

Rechenweg: Spalte 2 ist die Zahl der Kalendertage zwischen dem 23. September und dem Stichtag. Spalten 3 und 4 sind die Anteile der Jahre, in denen bis zu diesem Tag bereits der erste Frost aufgetreten war – Jahr für Jahr ausgezählt und über alle Stationen gemittelt, nicht aus Kurven geschätzt. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Herbste 1991–2025.

Der Punkt, den kein Ratgeber dazusagt: Diese gewonnenen Tage bringen kaum noch Blüte. Nach Angaben von Pelargonium for Europe stockt das Wachstum von Pelargonien schon unter 12 °C, unter 5 °C legen sie eine Wachstumspause ein – und wo bis Mitte Oktober in fast zwei von drei Jahren der Boden gefroren war, liegen die Nächte davor regelmäßig im einstelligen Bereich. Sie riskieren viel für einen Zuwachs, den die Pflanze ohnehin nicht mehr leistet.

💡 Faustregel: Zu früh einräumen kostet fast nichts – zu spät einräumen kostet die Pflanze. Die letzten drei Wochen draußen bringen keine Blüte mehr, aber das gesamte Frostrisiko.

Ihr Geraniensommer dauert 69 bis 169 Tage: Stuttgart, Düsseldorf, Hannover und neun weitere Städte

Zwei Termine klammern das Gartenjahr einer Geranie ein: der Tag, ab dem sie draußen bleiben darf (im Frühjahr der 90-%-Termin für Bodenfrost, hergeleitet auf der Seite Wann Geranien rausstellen), und der Tag, an dem sie herein muss. Die Differenz ist Ihr Geraniensommer – regional dramatisch verschieden.

StationDraußen ab (Frühjahr)Herein bis (Herbst)GeraniensommerNach Luftfrost gerechnetDifferenz
Rostock-Warnemünde10.05.15.10.158 Tage206 Tage48
Hamburg-Fuhlsbüttel03.06.17.09.106 Tage155 Tage49
Hannover01.06.19.09.110 Tage157 Tage47
Berlin-Tempelhof06.06.19.09.105 Tage180 Tage75
Leipzig/Halle (Flughafen)23.05.30.09.130 Tage171 Tage41
Düsseldorf24.05.05.10.134 Tage162 Tage28
Köln/Bonn22.05.27.09.128 Tage151 Tage23
Frankfurt/Main (Flughafen)18.05.09.10.144 Tage166 Tage22
Stuttgart (Schnarrenberg)13.05.30.09.140 Tage180 Tage40
Freiburg18.05.27.09.132 Tage169 Tage37
Nürnberg-Netzstall17.06.25.08.69 Tage120 Tage51
München-Stadt30.04.16.10.169 Tage182 Tage13
Deutschland, Median24.05.23.09.121 Tage155 Tage34

Lesart: „Geraniensommer“ = Tage zwischen dem Frühjahrs- und dem Herbsttermin für Bodenfrost. „Nach Luftfrost gerechnet“ ist dieselbe Spanne für Frost in 2 m Höhe – der Wert, den Sie bekämen, wenn Sie sich am Thermometerhäuschen orientieren. Die Median-Zeile ist der Median aller Stationswerte und deshalb nicht exakt die Differenz der beiden Median-Daten. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst, eigene Auswertung, Frühjahre 1991–2026 und Herbste 1991–2025.

München-Stadt hat mit 169 Tagen einen mehr als doppelt so langen Geraniensommer wie Nürnberg-Netzstall mit 69 – beides Bayern, 150 Kilometer auseinander, beides nach derselben DWD-Auswertung (1991–2025). Die Innenstadtstation profitiert von der städtischen Wärme, Netzstall ist eine Freifläche mit ausgeprägten Strahlungsnächten.

Die Spalte „Differenz“ zeigt, wie viel Sie sich vormachen, wenn Sie nur auf die Lufttemperatur schauen: In Berlin-Tempelhof sind das nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) 75 Tage – zweieinhalb Monate, in denen es am Boden bereits friert und im Thermometerhäuschen noch nicht. Und Hamburg und Hannover verlieren ihre Saison nicht im Herbst, sondern im Frühjahr: Sie räumen fast zum Bundesmedian ein, dürfen aber erst Anfang Juni hinausstellen.

Wie viel Kälte Geranien wirklich vertragen – und was die Quellen hergeben

Nach unserer Recherche (Stand: August 2026) nennt keine Fach- oder Behördenquelle eine belastbare Frost-Schadschwelle für Pelargonien in Grad Celsius. Belegt ist nur die Richtung.

AngabeQuelleBelastbarkeit
Wachstum stockt unter 12 °C, Wachstumspause unter 5 °CPelargonium for Europe (c/o Zentralverband Gartenbau)Kulturangabe der Branche, konsistent
Geranien gehören zu den frostempfindlichen Kübelpflanzen, die unter 10 °C geschützt werden müssenLandwirtschaftskammer Nordrhein-WestfalenBeratungsempfehlung einer Kammer
„Leichter Frost bis etwa −5 °C“ wird vertragenverbreitete Gartenratgeber im Netzohne Beleg, widerspricht den Fachquellen
Blattschäden ab etwa −1 bis −2 °C; eine Lage Vlies schützt bis etwa −3 bis −4 °CErfahrungsberichte aus Hausgärten, zusammengetragen in unserem Vlies-RatgeberPraxiserfahrung, keine Messung; die Vlies-Grenze ist gerechnet (Schwelle minus 2–3 K)

Diese Spanne ist als Planungsgrundlage unbrauchbar. Wir rechnen deshalb konservativ mit 0 °C in Pflanzenhöhe als Schadschwelle – denn der Fehler ist asymmetrisch: Zwei Wochen zu früh eingeräumt kostet ein paar Blüten, die die Pflanze bei einstelligen Nachttemperaturen ohnehin kaum noch bildet. Eine Nacht zu spät kostet im schlechtesten Fall die Pflanze.

Zum Vergleich mit anderen Kübelpflanzen: Oleander verträgt kurze Nachtfröste bis etwa −5 °C und bleibt deshalb deutlich länger draußen – nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) liegen zwischen dem ersten Frost und −5 °C im Median 41 Tage; die Termine je Stadt stehen unter Oleander überwintern: der Termin je Ort. Ein Olivenbaum hält im Freien laut Fachquellen sogar etwa −10 °C aus, im Kübel gilt die −5-°C-Marke für die Wurzel – ob er überhaupt ins Haus muss, klärt Olivenbaum überwintern: muss er überhaupt rein?.

Balkonkasten, Terrasse oder Beet: welcher Termin für Ihren Standort gilt

Der Bodenfrost-Termin stammt aus einer Messung 5 cm über kurzem Gras auf freier Fläche. Ihr Balkonkasten steht dort nicht. Die Übertragung auf Töpfe und Kästen ist eine begründete Näherung, keine Messung an Kübeln: Die DWD-Stationsdaten (1991–2025) zeigen, dass die bodennahe Kaltluft in klaren Nächten Wochen vor der Luft in 2 m Höhe gefriert – und Kästen am Boden stehen in dieser Schicht. Wie weit ein einzelner Kasten davon abweicht, ist nicht gemessen.

  • Kübel oder Kasten ebenerdig, freistehend: Bodenfrost-Termin ohne Abschlag. Ein Topf hat kein Erdreich unter sich, das nachts Wärme nachliefert – der Ballen kühlt schneller aus als Gartenboden.
  • Kasten am Geländer ab dem ersten Stock oder an der Hauswand in geschlossener Bebauung: statt des Bodenfrost- gilt der Luftfrost-Termin (Konventionswert aus dem Artikel zum Mikroklima, keine Messung am Kasten). Die Wand strahlt nachts Wärme ab, kalte Luft fließt nach unten ab; zwischen Boden- und Luftfrost-Termin liegen nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) bundesweit im Median 15 Tage – so viel Aufschub ergibt sich dort.
  • Beet, Grabschmuck, freie Fläche oder Senke: Bodenfrost-Termin, in Kaltluftsenken eher ein paar Tage früher. Wie Sie Ihre Lage einordnen, erklärt der Artikel Mikroklima: warum Ihr Beet vom Stationstermin abweicht.

💡 Faustregel: Bodennah stehende Kästen kommen zum Bodenfrost-Termin herein. Für Kästen an der Hauswand in geschlossener Bebauung oder ab dem ersten Stock gilt der Luftfrost-Termin statt des Bodenfrost-Termins – bundesweit sind das im Median 15 Tage Aufschub.

Wer den Termin bewusst hinausschieben will, hat einen dokumentierten Hebel: Die Bayerische Gartenakademie der LWG rät, Kübelpflanzen möglichst lange an einem geschützten Platz draußen zu lassen – durch Abdecken mit Gartenvlies, Decken oder Schilfmatten bei Nachtfrostgefahr lasse sich das Einräumen um einige Wochen hinauszögern. Was Vlies dabei leistet und wo seine Grenze liegt, steht im Artikel Was Vlies wirklich kann; warum der Boden so viel früher friert als die Luft, erklärt der Bodenfrost-Artikel.

Die Reihenfolge im Herbst ist damit klar: Geranien kommen vor dem ersten Frost herein, Dahlien im Beet werden erst nach dem ersten Frost ausgegraben – das geschwärzte Laub ist dort das Startsignal, die Knolle darunter bleibt unbeschädigt. Wie viel Zeit danach bleibt, steht unter Dahlien ausgraben nach dem ersten Frost.

Die drei Wege, Geranien zu überwintern – im Vergleich

Es gibt drei etablierte Verfahren, dazu zwei Varianten weiter unten. Die geprüften Quellen nennen keine Erfolgsquoten; die Verfahren unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Platz, Licht und Aufmerksamkeit Sie brauchen.

Hell und kühlDunkel und frostfreiAls Steckling
Temperatur5–10 °C, bei viel Licht bis etwa 15 °C5–10 °C, konstant15–18 °C bis zur Bewurzelung, danach hell und kühl
OrtKalt-Wintergarten, unbeheizter Nebenraum mit großem Fenster, helles TreppenhausKeller, Dachboden, fensterlose GarageFensterbank ohne direkte Sonne
VorbereitungTriebe auf 10–15 cm, Blüten und die meisten Blätter abTriebe auf 10–15 cm, alle Blätter abTriebspitzen 8–10 cm schneiden, August bis Mitte September
Gießensparsam, nur wenn das Substrat trocken istfast gar nicht, Ballen nur nicht völlig austrocknen lassengleichmäßig feucht bis zur Bewurzelung (4–8 Wochen)
Platzbedarfhoch (Topf plus Licht)niedrig (Kiste, Töpfe dicht an dicht)sehr niedrig
Typischer Fehlerzu warm bei zu wenig Licht → blasse Geiltriebezu nass → Grauschimmelzu weiche Triebe → Fäulnis
Passt fürwenige Pflanzen, gute Lichtverhältnisseviele Pflanzen, kühler Keller vorhandenwer wenig Platz hat oder alte, verholzte Pflanzen ersetzen will

Temperaturangaben nach Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (5–10 °C, hell und luftig), „Der praktische Gartenratgeber“ (6–10 °C; je heller der Raum, desto höher darf die Temperatur sein) und University of Illinois Extension (wurzelnackte Lagerung bei 7–10 °C, Stecklinge 8–10 cm, Bewurzelung 4–8 Wochen).

Hell und kühl: der Weg mit der geringsten Umstellung

Die Pflanze bleibt im Topf, behält einen Teil ihrer Blätter und wächst langsam weiter. Entscheidend ist laut „Der praktische Gartenratgeber“ das Verhältnis von Licht zu Wärme – je heller der Raum, desto höher darf die Temperatur sein: Ein helles Treppenhaus mit 12 °C funktioniert, ein dunkler Flur mit 12 °C nicht.

Dunkel und frostfrei: der Weg für viele Pflanzen

Hier geht die Pflanze in echte Ruhe: alle Blätter ab, Triebe auf 10–15 cm mit zwei bis drei Knoten, nicht ins verholzte Altholz schneiden, dann in den Keller bei 5–10 °C – der Spanne, die die Landwirtschaftskammer NRW für frostempfindliche Kübelpflanzen nennt. Wichtig ist Sauberkeit – abgestorbenes Material und Substratreste sind Startpunkte für Pilzbefall.

Als Steckling: der Weg mit dem geringsten Platzbedarf

Statt der Mutterpflanze überwintern nur Triebspitzen, geschnitten zwischen August und Mitte September, wenn die Mutterpflanzen am kräftigsten sind; halbreife Triebe wurzeln zuverlässiger als weiche, grüne. Nach der Bewurzelung folgt ein heller, kühler Platz – warm gehaltene Stecklinge vergeilen.

Wurzelnackt: die klassische Variante ohne Topf

Bei dieser in Foren häufig genannten Variante kommt die Geranie ganz ohne Topf und Erde durch den Winter. Nach dem Rückschnitt wird die Pflanze aus dem Topf genommen, die Erde vollständig von den Wurzeln entfernt und die Pflanze einzeln in Zeitungspapier gewickelt oder – so beschreibt es die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen – an Schnüren im Keller aufgehängt.

University of Illinois Extension nennt dafür eine kühle, dunkle Lagerung bei 7–10 °C, etwa in einer Papiertüte; die Luft darf laut Landwirtschaftskammer NRW weder zu feucht (Fäulnisgefahr) noch zu trocken sein (Wurzeln vertrocknen sonst). Die Methode braucht am wenigsten Platz, weil Topf und Substrat entfallen – dafür reagiert sie am empfindlichsten auf falsche Feuchte. Wie viel höher die Ausfallquote gegenüber der Lagerung im Topf tatsächlich liegt, nennt keine der geprüften Fachquellen als Zahl.

Einen weiteren Weg beschreibt die University of Illinois Extension: die Geranie als Zimmerpflanze bei rund 18 °C, zurückgeschnitten um ein Drittel bis zur Hälfte. Er verlangt einen sehr hellen Platz – daran scheitert er in Wohnungen meist.

Rückschnitt, Gießen, Grauschimmel: die vier Fehler, an denen Geranien im Winter sterben

Fehler 1 – zu warm. Bei zu hohen Lagerungstemperaturen bilden sich dünne, blasse Triebe. Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt, diese im Frühjahr beim Eintopfen konsequent zu entfernen – sie tragen keine Blüten und kosten nur Reserven.

Fehler 2 – zu nass. Nach unserer Einschätzung ist das der häufigste Fehler im Winterquartier. Hortipendium nennt für Grauschimmel (Botrytis) an Pelargonien ausdrücklich „zu nasse Kulturführung, z. B. zu hohe Wassergaben“ und „zu spätes Gießen an dunklen Wintertagen“ als begünstigende Bedingungen, dazu stark reduziertes Licht und hohe Luftfeuchtigkeit. Das Schadbild sind braune Faulstellen an Wurzelhals, Stängel oder Blättern mit grauem Sporenbelag. Praktisch heißt das: nur das Substrat gießen, nie die Blätter benetzen, und morgens statt abends.

Fehler 3 – zu viel Blattmasse. Jedes zurückgelassene Blatt ist im dunklen, feuchten Keller ein Startpunkt für Pilzbefall. Deshalb der radikale Rückschnitt beim Einräumen und das konsequente Ausputzen. Die Landwirtschaftskammer NRW rät zusätzlich, das Winterquartier zu durchlüften und vertrocknete Teile laufend zu entfernen.

Fehler 4 – Staunässe im Ballen. Hortipendium beschreibt für Pelargonien auch die Stängel- und Wurzelfäule durch Pythium (dort für Stecklinge und Jungpflanzen in der Anzucht): schwarz verfärbte Basis, weichfaule Wurzeln, begünstigt durch schwere, dichte Substrate und Staunässe. Dass dasselbe im Winterquartier gilt, ist unsere Ableitung. Ein Topf ohne Abzugsloch ist im Winter ein Todesurteil.

💡 Faustregel: Im Winterquartier ist trocken immer besser als feucht. Ein leicht welker Trieb erholt sich nach einer Wassergabe – eine Faulstelle am Wurzelhals nicht.

Steh-, Hänge-, Duft- und Edelpelargonien: wo sich die Empfehlungen unterscheiden

Hortipendium unterscheidet bei Pelargonien unter anderem Zonal- (stehend), Efeu- (hängend), Edel-, Duft- und Stellar-Sorten. Für die Überwinterung sind drei Unterschiede praktisch relevant.

  • Steh- oder Zonalpelargonien sind der Standardfall: Alle drei Wege funktionieren, die dunkle, trockene Lagerung ist bei vielen Pflanzen die platzsparendste.
  • Hänge- oder Efeupelargonien bringen mehr und dichteres Blattwerk mit langen Trieben. Da genau diese Blattmasse im dunklen Quartier das Grauschimmel-Risiko trägt, ist hier das konsequente Entblättern wichtiger als bei stehenden Sorten – eine Ableitung aus den Botrytis-Bedingungen, keine eigene Fachempfehlung.
  • Duft- und Edelpelargonien brauchen es kühl: „Der praktische Gartenratgeber“ gibt für Pelargonien-Arten 6–10 °C an und weist darauf hin, dass Duftpelargonien die kühle Überwinterung für einen reichen Blütenansatz im Frühjahr benötigen; sie blühen ohnehin meist nur bis zum Hochsommer. Für Edelpelargonien fanden wir keine gleichwertige Fachangabe – wir empfehlen dort den hellen, kühlen Weg, weil er die wenigsten Annahmen über die Pflanze macht.

Nicht dazu gehört der Storchschnabel (Geranium), die winterharte Gartenstaude – die bleibt draußen. Die Balkonpflanze, die im Handel „Geranie“ heißt, ist botanisch eine Pelargonie und nicht winterhart.

Im Frühjahr zurück auf den Balkon: der Anschluss im März

Der Winter endet für Geranien Mitte März, nicht im Mai: Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen empfiehlt dann frische Erde, Rückschnitt der Haupttriebe auf 15–20 cm und Antreiben bei etwa 18 °C. Dauerhaft draußen bleiben die Kästen ab dem Bodenfrost-90-%-Termin Ihres Orts – nach unserer DWD-Auswertung (Frühjahre 1991–2026) bundesweit im Median der 24. Mai. Den vollständigen Zeitplan für überwinterte Geranien von März bis Mai mit Abhärten, Pendel-Phase und den Terminen für 12 Städte finden Sie auf der Frühjahrsseite.

Häufige Fragen

Wann muss ich Geranien reinholen?

Vor dem ersten Bodenfrost. Als Kalendermarke dient der Tag, bis zu dem an Ihrem Ort in 9 von 10 Jahren noch kein Bodenfrost auftrat – nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) bundesweit im Median der 23. September, in Hamburg der 17. September, in Frankfurt der 9. Oktober, in München-Stadt der 16. Oktober. Kästen am Balkon ab dem ersten Stock oder an der Hauswand in geschlossener Bebauung dürfen bis zum Luftfrost-Termin draußen bleiben, bundesweit im Median 15 Tage länger.

Bei welcher Temperatur überwintern Geranien?

Bei 5–10 °C, frostfrei. Die Landwirtschaftskammer NRW nennt 5 bis 10 °C hell und luftig als Optimum für frostempfindliche Kübelpflanzen, „Der praktische Gartenratgeber“ 6 bis 10 °C für Pelargonien-Arten. Es gilt: je dunkler der Raum, desto kühler muss er sein. Ein heller Standort verträgt bis etwa 15 °C.

Vertragen Geranien Frost oder sogar −5 °C?

Nein. Die im Netz kursierende Angabe „bis −5 °C“ ließ sich nach unserer Recherche (Stand: August 2026) in keiner Fachquelle belegen. Fachlich gesichert ist nur, dass Geranien nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW schon bei unter 10 °C geschützt werden müssen und nach Angaben von Pelargonium for Europe schon unter 5 °C in eine Wachstumspause gehen. Planen Sie mit 0 °C in Pflanzenhöhe als Grenze.

Muss ich Geranien vor dem Überwintern zurückschneiden?

Für die dunkle Überwinterung ja: Triebe auf 10–15 cm kürzen, zwei bis drei Knoten je Trieb stehen lassen, nicht ins verholzte Altholz schneiden, Blüten und Blätter entfernen. Das spart Platz und nimmt dem Grauschimmel die Angriffsfläche. Der Formschnitt auf 15–20 cm folgt im März beim Eintopfen – so die Empfehlung der Landwirtschaftskammer NRW.

Wie oft gießt man Geranien im Winter?

So selten wie möglich. Gegossen wird nur, wenn das Substrat trocken ist, und nur der Ballen – nie über die Blätter und nicht am späten Nachmittag. Hortipendium nennt zu hohe Wassergaben und zu spätes Gießen an dunklen Wintertagen ausdrücklich als Auslöser für Grauschimmel an Pelargonien.

Wann kommen überwinterte Geranien wieder raus?

Dauerhaft ab dem 90-%-Termin für Bodenfrost an Ihrem Ort – nach unserer DWD-Auswertung (Frühjahre 1991–2026) bundesweit im Median der 24. Mai, in München-Stadt Ende April, in Hamburg erst Anfang Juni. Tagsüber dürfen sie ab dem Luftfrost-Termin ins Freie, wenn sie abends hereinkommen. Die Termine je Stadt stehen auf unserer Frühjahrsseite.

Fazit: zwei Kalendereinträge statt einer Faustregel

Geranien überwintern ist handwerklich einfach – welcher der drei Wege passt, entscheidet der Platz, den Sie haben; wichtig ist bei allen, dass es frostfrei, kühl und trocken bleibt. Schwierig ist nur der Termin, und den beantwortet kein Kalenderdatum, sondern Ihr Ort: Zwischen München-Stadt und Nürnberg-Netzstall liegen nach unserer DWD-Auswertung (1991–2025) 100 Tage Geraniensommer.

Tragen Sie zwei Termine ein: den Bodenfrost-10-%-Termin Ihrer Station als „Kästen kommen herein“ und den Bodenfrost-90-%-Termin im Frühjahr als „Kästen bleiben draußen“. Alles dazwischen ist Pflege, alles außerhalb ist Risiko. Stehen neben den Geranien auch Oleander, Fuchsien oder Zitrus, gelten dort andere Schwellen und ein anderer Termin – nachzulesen unter Kübelpflanzen einräumen: der Termin für Ihren Ort.

Quellen

Wie wir arbeiten und rechnen: Über Frostkompass.